Siehe auch nur für die Paragrafen: http://www.ich-der-lektor.de/die-113-gueltigen-paragrafen-der-rechtschreibereform.htm
sowie
das Wörterverzeichnis / Wortverzeichnis zur
Rechtschreibereform http://www.ich-der-lektor.de/rechtschreibung-wort-woerter.htm
- ▀ ▀ ▀ ▀ ▀ ▀ ▀ ▀ ▀ ▀ ▀ ▀ ▀ ▀ ▀ ▀ ▀ ▀ ▀ ▀ ▀ ▀ ▀ ▀ ▀ ▀ ▀
▀ ▀ ▀ ▀ ▀ ▀ ▀ ▀ ▀ ▀ ▀ ▀ ▀ ▀ ▀ ▀ ▀ ▀ ▀ ▀ ▀ ▀ ▀ ▀ ▀ ▀ ▀ ▀ ▀ ▀ ▀ ▀ ▀
- Rechtschreibung
- --- HIER:
DAS AKTUELL GÜLTIGE AMTLICHE REGELVERZEICHNIS seit 2006 bis dato ---
- zu:
- Deutsche
Rechtschreibung
-
Regeln
-
und
-
Wörterverzeichnis
-
Entsprechend
den Empfehlungen des
-
Rats für
deutsche Rechtschreibung
-
Überarbeitete
Fassung des amtlichen Regelwerks 2004
- München und
Mannheim – Februar 2006
---
Text auf dieser Homepage-Seite mit Erlaubnis des
Rates für
deutsche Rechtschreibung ---
Diese Online-Version des Textes der Regeln und des
Wörterverzeichnisses basiert auf der PDF-Fassung des Rates für
deutsche Rechtschreibung:
Rat für deutsche Rechtschreibung
Geschäftsstelle am
Institut für Deutsche Sprache (IDS)
R 5, 6-13
D-68161
Mannheim
Tel.: (+49 621) 1581-418
Fax: (+ 49 621)
1581-200
E-Mail: info [ÄTT] rechtschreibrat.com HOMEPAGE: http://www.rechtschreibrat.com/
DIDREKTLINK
PDF-Datei Regeln
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DIREKTLINK
PDF-Datei Wörterverzeichnis
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Einführung zu Teil 1
Die hier vorgelegte Ausarbeitung des Regelwerks zur
deutschen
Rechtschreibung geht von der Darstellung und Struktur aus, die im
Regelwerk 2004 vorgegeben waren. Es enthält daher einen Regelteil
und ein Wörterverzeichnis.
In den Regelteil sind die Änderungsvorschläge des Rats
an
entsprechender Stelle eingearbeitet. Das betrifft in Sonderheit die
Paragrafen 33 E, 34, 36(2), 37 E4 (Getrennt- und Zusammenschreibung),
56, 58(3.1), 58 E2, 63 E, 64 E, 66 (Groß- und Kleinschreibung), 73,
75 (Zeichensetzung) und 107 E (Worttrennung am Zeilenende). Darüber
hinaus sind die Stellen modifiziert, an denen sich als Konsequenz
dieser Vorschläge Änderungen ergeben haben. Das betrifft vor allem
die Anpassung von Beispielen.
Das Wörterverzeichnis wurde ebenfalls an die
vorgenommenen
Änderungen angepasst, möglicherweise kritische Fälle wurden
gemeinsam mit den im Rat vertretenen Wörterbuchverlagen überprüft
und sind nun im Wörterverzeichnis umfänglich dokumentiert. Das
Wörterverzeichnis enthält nunmehr auch alle Beispielfälle, die im
Regelteil eine Rolle spielen.
In dem gemeinsam mit diesen Texten vorgelegten Teil 2
der
Empfehlungen werden die Einzelvorschläge herausgelöst aus dem
Gesamtkontext dargestellt und erläutert.
Weggelassen wurden in der vorliegenden Fassung die
allgemeinen
Vorbemerkungen der Versionen von 1996 und 2004.
Inhalt
Vorwort
1
Geltungsbereich der neuen Rechtschreibung
2
Grundlagen
der deutschen Rechtschreibung
2.1
Die Beziehung zwischen
Schreibung und Lauten
2.2
Die Beziehung zwischen Schreibung und
Bedeutung
3
Regelteil und Wörterverzeichnis
3.1
Zum
Aufbau des Regelteils
3.2
Zum Aufbau des Wörterverzeichnisses
Teil I: Regeln
A Laut-Buchstaben-Zuordnungen
0
Vorbemerkungen
1
Vokale
1.1
Grundlegende
Laut-Buchstaben-Zuordnungen
1.2
Besondere Kennzeichnung der
kurzen Vokale
1.3
Besondere Kennzeichnung der langen
Vokale
1.4
Umlautschreibung bei [ε]
1.5
Umlautschreibung
bei [ƆY]
1.6
Ausnahmen beim Diphthong [ai]
1.7
Besonderheiten beim e
1.8
Spezielle
Laut-Buchstaben-Zuordnungen in Fremdwörtern
2
Konsonanten
2.1
Grundlegende Laut-Buchstaben-Zuordnungen
2.2
Auslautverhärtung und Wortausgang -ig
2.3
Besonderheiten
bei [s]
2.4
Besonderheiten bei [∫]
2.5
Besonderheiten
bei [ƞ]
2.6
Besonderheiten bei [f] und [v]
2.7
Besonderheiten bei [ks]
2.8
Spezielle
Laut-Buchstaben-Zuordnungen in Fremdwörtern
B Getrennt- und Zusammenschreibung
0
Vorbemerkungen
1
Verb
2
Adjektiv
3
Substantiv
4
Andere
Wortarten
C Schreibung mit Bindestrich
0
Vorbemerkungen
1
Zusammensetzungen und Ableitungen, die
keine Eigennamen als Bestandteile enthalten
2
Zusammensetzungen
und Ableitungen, die Eigennamen als Bestandteile enthalten
D Groß- und Kleinschreibung
0
Vorbemerkungen
1
Kennzeichnung des Anfangs bestimmter
Texteinheiten durch Großschreibung
2
Anwendung von Groß- oder
Kleinschreibung bei bestimmten Wörtern und
Wortgruppen
2.1
Substantive und
Desubstantivierungen
2.2
Substantivierungen
2.3
Eigennamen
mit ihren nichtsubstantivischen Bestandteilen sowie Ableitungen von
Eigennamen
2.4
Feste Verbindungen aus Adjektiv und
Substantiv
2.5
Anredepronomen und Anreden
E Zeichensetzung
0
Vorbemerkungen
1
Kennzeichnung des Schlusses von
Ganzsätzen
2
Gliederung innerhalb von
Ganzsätzen
2.1
Komma
2.2
Semikolon
2.3
Doppelpunkt
2.4
Gedankenstrich
2.5
Klammern
3
Anführung
von Äußerungen oder Textstellen bzw. Hervorhebung von Wörtern oder
Textstellen: Anführungszeichen
4
Markierung von
Auslassungen
4.1
Apostroph
4.2
Ergänzungsstrich
4.3
Auslassungspunkte
5
Kennzeichnung
der Wörter bestimmter Gruppen
5.1
Punkt
5.2
Schrägstrich
F Worttrennung am Zeilenende
1
Trennung zusammengesetzter und präfigierter
Wörter
2
Trennung mehrsilbiger einfacher und suffigierter
Wörter
3
Besondere Fälle
Vorwort
1 Geltungsbereich der neuen
Rechtschreibregelung
Das folgende amtliche Regelwerk, mit einem Regelteil und
einem
Wörterverzeichnis, regelt die Rechtschreibung innerhalb derjenigen
Institutionen (Schule, Verwaltung), für die der Staat
Regelungskompetenz hinsichtlich der Rechtschreibung hat. Darüber
hinaus hat es zur Sicherung einer einheitlichen Rechtschreibung
Vorbildcharakter für alle, die sich an einer allgemein gültigen
Rechtschreibung orientieren möchten (das heißt Firmen, speziell
Druckereien, Verlage, Redaktionen – aber auch Privatpersonen).
2 Grundlagen der deutschen
Rechtschreibung
Die deutsche Rechtschreibung beruht auf einer
Buchstabenschrift.
Wie ein gesprochenes Wort aus Lauten besteht, so besteht ein
geschriebenes Wort aus Buchstaben. Die [regelgeleitete] Zuordnung von
Lauten und Buchstaben soll es ermöglichen, jedes geschriebene Wort
zu lesen und jedes gehörte Wort zu schreiben.
Die Schreibung der deutschen Sprache – worunter im
Folgenden
immer auch die Zeichensetzung mitverstanden wird – ist durch
folgende grundlegende Beziehungen geprägt:
- die Beziehung zwischen Schreibung und Lautung
- die Beziehung zwischen Schreibung und Bedeutung
2.1 Die Beziehung zwischen
Schreibung und
Lauten
Jedem Laut entspricht ein Buchstabe oder eine
Buchstabenverbindung
(zum Beispiel sch, ch). Gelegentlich werden auch zwei
Laute durch einen Buchstaben bezeichnet (so durch x und z).
Die Zuordnung von Lauten und Buchstaben orientiert sich
an der
deutschen Standardaussprache. Das hat den Vorteil, dass ein Wort
immer in derselben Weise geschrieben wird, obwohl es regionale
Varianten in der Aussprache geben kann. Wer schreiben lernt, muss
daher manchmal mit der Schreibung auch die Standardaussprache
erlernen.
Besondere Probleme bereitet die Schreibung der
Fremdwörter, weil
andere Sprachen über Laute verfügen, die im Deutschen nicht
vorkommen (zum Beispiel [Ɵ] im Englischen wie in Thriller und
die französischen Nasalvokale wie in Teint). Darüber hinaus
können fremde Sprachen andere Laut-Buchstaben-Zuordnungen haben (zum
Beispiel in Nightclub). Grundsätzlich kann man, was die
Schreibung von Fremdwörtern angeht, zwei Tendenzen unterscheiden:
- (1) Schreibung wie in der fremden Sprache: Diese
Lösung hat Vorteile beim Erlernen fremder Sprachen, bei
Mehrsprachigkeit, bei der internationalen Verständigung, speziell bei
den Internationalismen (zum Beispiel City, Taxi) oder in den
Fachsprachen (zum Beispiel Calcium). Teilweise verbindet sich
mit der fremden Schreibung auch das Flair von Weltläufigkeit, dies
besonders bei Varianten (zum Beispiel Club neben Klub).
-
(2) Lautliche und/oder orthografische Angleichung
(zum Beispiel beides in englisch strike, gesprochen [straik],
zu deutsch Streik, gesprochen [∫traik]): Diese Lösung hat
Vorteile für den, der die fremde Herkunftssprache nicht kennt. Denn bei
nicht erfolgter Angleichung kann er sich das Fremdwort nur als
Schreibschema oder Schreibaussprache einprägen (zum Beispiel Portemonnaie
als Por-te-mon-na-i-e). Die Angleichung vollzog und vollzieht
sich meist nicht systematisch, sondern von Fall zu Fall, und sie hängt
sehr stark von der Häufigkeit und Gebräuchlichkeit eines Wortes ab.
Gelegentlich gibt es auch Doppelschreibungen, besonders wenn spezielle
fachsprachliche Schreibungen auftreten (zum Beispiel Karbid – Carbid).
Nicht immer gelten die regelmäßigen
Laut-Buchstaben-Zuordnungen
bei Eigennamen; man vergleiche Schmidt, Schmid; Maier, Mayer,
Meyer, Meier; Duisburg; Soest.
2.2 Die Beziehung zwischen
Schreibung und
Bedeutung
Die deutsche Rechtschreibung bezieht sich nicht nur auf
die
Lautung, sondern sie dient auch der grafischen Fixierung von Inhalten
der sprachlichen Einheiten, das heißt der Bedeutung von Wortteilen,
Wörtern, Sätzen und Texten. So wird ein Wortstamm möglichst gleich
geschrieben, selbst wenn er in unterschiedlicher Umgebung verschieden
ausgesprochen wird. Man spricht hier von Stammschreibung oder
Schemakonstanz. Dies betrifft zum Beispiel die Schreibung bei
Auslautverhärtung in manchen deutschen Sprachgebieten (Rad
und Rat werden gleich ausgesprochen, aber unterschiedlich
geschrieben wegen des Rades und des Rates), den Umlaut
(zum Beispiel Wand – Wände, aber Wende), das
Zusammentreffen gleicher Konsonanten (zum Beispiel Haussegen,
fünffach, zerreißen, enttäuschen, Blinddarm), gelegentlich
auch Einzelfälle (vier mit langem [i:], aber vierzehn,
vierzig trotz kurzem [i]). Hingegen werden in manchen Fällen
verschiedene Wörter, obwohl sie gleich ausgesprochen werden,
unterschiedlich geschrieben (Unterscheidungsschreibung; zum Beispiel Saite,
Seite; wieder, wider).
Diese Schemakonstanz sichert den Lesenden ein rasches
Erkennen
einzelner Wörter und ihrer „Bausteine”. Schwierig an diesem
Verfahren ist, dass den Sprachteilhaberinnen und Sprachteilhabern
einerseits in manchen Fällen nicht klar ist, ob eine
Wortverwandtschaft vorliegt (gehört zum Beispiel Herbst zu herb?),
oder dass sie andererseits eine
Wortverwandtschaft
rechtschreiblich nicht beachten müssen (zum Beispiel Eltern
zu alt; voll zu füllen). Bei der
Unterscheidungsschreibung wirkt die Wahl der unterscheidenden
Buchstaben auf die heutigen Sprachteilhaberinnen und Sprachteilhaber
zufällig (zum Beispiel Laib, Leib; Lied, Lid; Lärche, Lerche).
Der Kennzeichnung des Wortes und seiner Unterscheidung
von
Wortgruppen dient unter anderem die Getrennt- und Zusammenschreibung.
Die Großschreibung hat im Deutschen mehrere Aufgaben. So dient sie
zum Beispiel dazu, Eigennamen sowie Substantive und
Substantivierungen zu markieren. Gleichzeitig dient die
Großschreibung auch der Hervorhebung des Anfangs von Sätzen und
Überschriften. Sätze und Texte als komplexere sprachliche Einheiten
werden ihrerseits durch die Mittel der Zeichensetzung in einzelne
Teileinheiten untergliedert. Die Lesenden erhalten dadurch schnell
erfassbare Informationen über grammatisch-semantische Zusammenhänge.
Schwierig bei all diesen grafischen
Bedeutungsmarkierungen ist,
dass von den Schreibenden ein gewisses Maß an grammatischem Wissen
verlangt wird. Darüber hinaus liegt es in der Natur der Sprache,
dass es manchmal keine eindeutige Entscheidung für die eine oder
andere Schreibung gibt, weil es sich um Übergangsfälle zwischen
verschiedenen sprachlichen Einheiten oder Klassen handelt (zum
Beispiel zwischen Zusammensetzung und Wortgruppe).
3 Regelteil und Wörterverzeichnis
Auf der Basis dieser grundlegenden Beziehungen wird
durch den Regelteil und das Wörterverzeichnis die geltende Norm der
deutschen Schreibung festgelegt. Dabei ergänzen sie einander. So kann
die Norm, den Satzanfang großzuschreiben oder gleichrangige Teile in
Aufzählungen durch ein Komma zu trennen, durch Regeln im Regelteil
allgemein beschrieben werden. Hingegen kann die Schreibung vieler
Fremdwörter nur durch Einzelfestlegungen im Wörterverzeichnis erfasst
werden; es gibt dazu weder Regeln noch ist es sinnvoll, lange
Ausnahmelisten im Regelteil anzulegen.
In vielen Fällen kann man die Schreibung sowohl mit
Hilfe der Regeln allgemein bestimmen als auch durch das Nachschlagen im
Wörterverzeichnis ermitteln. So besagt zum Beispiel eine Regel, dass
der Buchstabe für einen einzelnen Konsonanten nach betontem kurzem
Vokal verdoppelt und so die Kürze des Vokals gekennzeichnet wird (zum
Beispiel Affe, Barren, gönnen, schlimm); aber auch im
Wörterverzeichnis ist notwendigerweise jedes einschlägige Wort mit dem
verdoppelten Buchstaben für den Konsonanten (zum Beispiel Affe)
verzeichnet.
3.1 Zum Aufbau des Regelteils
Der Regelteil ist in sechs Teilbereiche gegliedert:
A Laut-Buchstaben-Zuordnungen
B Getrennt- und Zusammenschreibung
C Schreibung mit Bindestrich
D Groß- und Kleinschreibung
E Zeichensetzung
F Worttrennung am Zeilenende
Den Teilbereichen ist jeweils eine Vorbemerkung
vorangestellt, die über Inhalt und Aufbau Auskunft gibt. Die
Teilbereiche sind durch Zwischenüberschriften mit arabischer
Nummerierung (1, 1.1, 1.2 …) untergliedert. Der gesamte Regelteil ist
darüber hinaus fortlaufend durch Paragrafen durchgezählt, um
Verweisungen sowohl innerhalb des Regelteils als auch vom
Wörterverzeichnis auf den Regelteil zu ermöglichen.
Alle Regeln werden durch Beispiele verdeutlicht; die
Ausnahmen sind, wenn nicht anders vermerkt, vollständig angeführt. In
den Erläuterungen (= E) werden zusätzliche Hinweise gegeben. Dabei
wird prinzipiell von einer Grundregel ausgegangen. In dem weiteren Text
werden dann regelhafte Abweichungen als Einzelregeln oder als Ausnahmen
genannt.
Es werden die üblichen grammatischen Fachausdrücke
verwendet. Speziell gilt:
| Im Regelwerk: |
Varianten: |
| Ausrufezeichen |
Rufzeichen (Österreich) |
| Komma |
Beistrich (Österreich) |
| Nebensatz |
Gliedsatz (Österreich) |
| Semikolon |
Strichpunkt (Österreich, Schweiz) |
| Substantiv |
Nomen (Österreich, Schweiz),
Nomen oder Substantiv (Deutschland) |
Die Beispiele sind im Regelteil kursiv gesetzt.
Der vorliegende Text ist gemäß der neuen Regelung
geschrieben.
3.2 Zum Aufbau des Wörterverzeichnisses
Das Wörterverzeichnis führt den zentralen
rechtschreiblichen Wortschatz in alphabetischer Reihenfolge an;
Ableitungen und Zusammensetzungen sind nur angegeben, wenn sich bei der
Anwendung von Regeln (zum Beispiel zur Getrennt- und
Zusammenschreibung) Schwierigkeiten ergeben können. Ebenso sind Angaben
zu Flexion und Bedeutung nur dann aufgeführt, wenn dies für
rechtschreibliche Zwecke notwendig ist; diese Angaben sind jedoch nicht
amtlich festgelegt.
Im Einzelnen gilt:
(1) Stichwörter
Regionale und mundartliche Besonderheiten sind nicht erfasst.
Länderspezifische Wörter (Austriazismen und Helvetismen) werden jedoch
verzeichnet, sofern sie in Österreich beziehungsweise in der Schweiz
als standardsprachlich gelten. Sie sind, sofern es sich nicht um
österreichische oder schweizerische Schreibvarianten handelt, nicht
markiert.
Eigennamen werden nicht aufgeführt. Eingetragene
Warenzeichen sind mit ® gekennzeichnet.
Zitatwörter und fremdsprachliche Wendungen wie all
right, de facto, dolce far niente sind nicht aufgenommen, jedoch
werden Beispiele für den Gebrauch in Zusammensetzungen gegeben (De-facto-Anerkennung
usw.).
(2) Weitere Angaben
Zur Unterscheidung von gleich gesprochenen beziehungsweise gleich
geschriebenen Wörtern werden zusätzliche Angaben gemacht, zum Beispiel:
Band (zu binden) und Band
(Musikgruppe). Bei gleicher Aussprache wird außerdem mit aber
wechselseitig aufeinander aufmerksam gemacht, zum Beispiel: Saite
(beim Musikinstrument), aber Seite und Seite (etwa im
Buch), aber Saite.
Bei Wörtern, die einander in Schreibung und/oder
Bedeutung so ähnlich sind, dass sie verwechselt werden können, steht
ebenfalls aber, zum Beispiel: Apartment, aber Appartement
und Appartement, aber Apartment. Unterschiedliche
Wortarten erhalten getrennte Einträge ohne Kommentar, zum Beispiel: bar,
Bar.
(3) Rechtschreibliche und lexikalische Varianten
Während rechtschreiblichen Varianten die gleiche Aussprache zugrunde
liegt (zum Beispiel Anchovis, Anschovis), unterscheiden sich
lexikalische Varianten auch durch die Aussprache (zum Beispiel Ahn,
Ahne). Sowohl rechtschreibliche als auch lexikalische Varianten
stehen ohne Verweis gleichberechtigt nebeneinander. Sofern die
Stichwörter in der alphabetischen Abfolge nicht unmittelbar benachbart
sind, werden die Varianten an beiden Stellen aufgeführt (zum Beispiel Anchovis,
Anschovis und Anschovis, Anchovis).
(4) Wortreihen
Mit dem Bogen und drei Pünktchen wird auf Reihenbildung hingewiesen,
zum Beispiel: an‿brennen …
Der Bestandteil vor dem Bogen gilt als Stichwort. Der
Bestandteil hinter dem Bogen zählt als Beispiel und bleibt bei der
alphabetischen Einordnung unberücksichtigt. Bei mehreren Beispielen
wird das Stichwort durch Pünktchen ersetzt, zum Beispiel:
bereit‿halten, …stehen, …stellen …
(5) Verweise
Die Paragrafen verweisen auf den Regelteil.
Teil I
Regeln
A Laut-Buchstaben-Zuordnungen
0 Vorbemerkungen
(1) Die Schreibung des Deutschen beruht auf einer
Buchstabenschrift. Jeder Buchstabe existiert als Kleinbuchstabe und
als Großbuchstabe (Ausnahme ß):
a b c d e f g h i j k l m n o p q r s t u v w x y z
ä ö ü ß
A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W
X Y Z Ä Ö Ü
Die Umlautbuchstaben ä, ö, ü werden im Folgenden
mit den
Buchstaben a, o, u zusammen eingeordnet; ß nach ss.
Zum Ersatz von ß durch ss oder SS siehe § 25
E2 und E3.
In Fremdwörtern und fremdsprachigen Eigennamen kommen
außerdem
Buchstaben mit zusätzlichen Zeichen sowie Ligaturen vor (zum
Beispiel ç, é, â, æ).
(2) Für die Schreibung des Deutschen gilt:
(2.1) Buchstaben und Sprachlaute sind einander
zugeordnet. Die
folgende Darstellung bezieht sich auf die Standardaussprache, die
allerdings regionale Varianten aufweist.
(2.2) Die Schreibung der Wortstämme, Präfixe, Suffixe
und
Endungen bleibt bei der Flexion der Wörter, in Zusammensetzungen und
Ableitungen weitgehend konstant (zum Beispiel Kind, die Kinder,
des Kindes, Kindbett, Kinderbuch, Kindesalter, kindisch, kindlich;
Differenz, Differenzial, differenzieren; aber säen, Saat;
nähen, Nadel). Dies macht es in vielen Fällen möglich, die
Schreibung eines Wortes aus verwandten Wörtern zu erschließen.
Dabei ist zu beachten, dass Wortstämme sich verändern
können,
so vor allem durch Umlaut (zum Beispiel Hand – Hände, Not –
nötig, Kunst – Künstler, rauben – Räuber), durch Ablaut
(zum Beispiel schwimmen – er schwamm – geschwommen) oder
durch e/i-Wechsel (zum Beispiel geben – du gibst – er
gibt).
In manchen Fällen werden durch verschiedene
Laut-Buchstaben-Zuordnungen gleich lautende Wörter unterschieden
(zum Beispiel malen aber mahlen, leeren aber lehren).
(3) Der folgenden Darstellung liegt die deutsche
Standardsprache
zugrunde.
Besonderheiten sind bei Fremdwörtern und Eigennamen zu
beachten.
(3.1) Fremdwörter unterliegen oft fremdsprachigen
Schreibgewohnheiten (zum Beispiel Chaiselongue, Sympathie, Lady).
Ihre Schreibung kann jedoch – und Ähnliches gilt für die
Aussprache – je nach Häufigkeit und Art der Verwendung integriert,
das heißt dem Deutschen angeglichen werden (zum Beispiel Scharnier
aus französisch charnière, Streik aus englisch strike).
Manche Fremdwörter werden sowohl in einer integrierten als auch in
einer fremdsprachigen Schreibung verwendet (zum Beispiel Fotografie/Photographie).
Nicht integriert sind üblicherweise
a) zitierte fremdsprachige Wörter und Wortgruppen
(zum Beispiel: Die Engländer nennen dies „one way mind”);
b)
Wörter in international gebräuchlicher oder festgelegter – vor
allem fachsprachlicher – Schreibung (zum Beispiel City;
medizinisch Phlegmone).
Für die nicht oder nur teilweise integrierten
Fremdwörter lassen
sich wegen der Vielgestaltigkeit fremdsprachiger Schreibgewohnheiten
keine handhabbaren Regeln aufstellen. In Zweifelsfällen siehe das
Wörterverzeichnis.
(3.2) Für Eigennamen (Vornamen, Familiennamen,
geografische
Eigennamen und dergleichen) gelten im Allgemeinen amtliche
Schreibungen. Diese entsprechen nicht immer den folgenden Regeln.
Eigennamen aus Sprachen mit nicht lateinischem Alphabet
können
unterschiedliche Schreibungen haben, die auf die Verwendung
verschiedener Umschriftsysteme zurückgehen (zum Beispiel Schanghai,
Shanghai).
(4) Beim Aufbau der folgenden Darstellung sind zunächst
Vokale
(siehe Abschnitt 1) und Konsonanten (siehe Abschnitt 2) zu
unterscheiden.
Unterschieden sind des Weiteren in beiden Gruppen
grundlegende
Zuordnungen (siehe Abschnitt 1.1 und 2.1), besondere Zuordnungen
(siehe Abschnitte 1.2 bis 1.7 und 2.2 bis 2.7) sowie spezielle
Zuordnungen in Fremdwörtern (siehe Abschnitt 1.8 und 2.8).
Laute werden im Folgenden durch die phonetische
Umschrift
wiedergegeben (zum Beispiel das lange a durch [a:]). Sind die
Buchstaben gemeint, so ist dies durch kursiven Druck gekennzeichnet
(zum Beispiel der Buchstabe h oder H).
1 Vokale
1.1 Grundlegende
Laut-Buchstaben-Zuordnungen
| § 1 |
Als grundlegend im Sinne dieser orthografischen
Regelung gelten die folgenden Laut-Buchstaben-Zuordnungen. |
Besondere Zuordnungen werden in den sich anschließenden
Abschnitten behandelt.
(1) Kurze einfache Vokale
| Laute |
Buchstaben |
Beispiele |
| [a] |
a |
ab, Alter, warm, Bilanz |
| [ε], [e] |
e |
enorm, Endung, helfen, fett, penetrant, Prozent |
| [Ə] |
e |
Atem, Ballade, gering, nobel |
| [I], [i] |
i |
immer, Iltis, List, indiskret, Pilot |
| [Ɔ], [o] |
o |
ob, Ort, folgen, Konzern, Logis, Obelisk, Organ |
| [œ], [ø] |
ö |
öfter, Öffnung, wölben, Ökonomie |
| [Ʊ], [u] |
u |
unten, Ulme, bunt, Museum |
| [Y], [y] |
ü |
Küste, wünschen, Püree |
(2) Lange einfache Vokale
| Laute |
Buchstaben |
Beispiele |
| [a:] |
a |
artig, Abend, Basis |
| [e:] |
e |
edel, Efeu, Weg, Planet |
| [ε:] |
ä |
äsen, Ära, Sekretär |
| [i:] |
ie |
(in einheimischen Wörtern:) Liebe, Dieb |
|
i |
(in Fremdwörtern:) Diva, Iris, Krise, Ventil |
| [o:] |
o |
oben, Ofen, vor, Chor |
| [ø:] |
ö |
öde, Öfen, schön |
| [u:] |
u |
Ufer, Bluse, Muse, Natur |
| [y:] |
ü |
üben, Übel, fügen, Menü, Molekül |
(3) Diphthonge
| Laute |
Buchstaben |
Beispiele |
| [aI] |
ei |
eigen, Eile, beiseite,
Kaleidoskop |
| [aƱ] |
au |
auf, Auge, Haus, Audienz |
| [ƆY] |
eu |
euch, Eule, Zeuge, Euphorie |
1.2 Besondere Kennzeichnung der kurzen Vokale
Folgen auf einen betonten Vokal innerhalb des
Wortstammes – bei
Fremdwörtern betrifft dies auch den betonten Wortausgang – zwei
verschiedene Konsonanten, so ist der Vokal in der Regel kurz; folgt
kein Konsonant, so ist der Vokal in der Regel lang; folgt nur ein
Konsonant, so ist der Vokal kurz oder lang. Deshalb beschränkt sich die
besondere grafische Kennzeichnung des kurzen Vokals auf den Fall, dass
nur ein einzelner Konsonant folgt.
| § 2 |
Folgt im Wortstamm auf einen betonten kurzen
Vokal nur ein einzelner Konsonant, so kennzeichnet man die Kürze des
Vokals durch Verdopplung des Konsonantenbuchstabens. |
Das betrifft Wörter wie:
Ebbe; Paddel; schlaff, Affe; Egge; generell,
Kontrolle;
schlimm, immer; denn, wann, gönnen; Galopp, üppig; starr, knurren;
Hass, dass (Konjunktion), bisschen, wessen, Prämisse; statt
(aber Stadt), Hütte, Manschette
| § 3 |
Für k und z gilt eine besondere
Regelung:
(1) Statt kk schreibt man ck.
(2) Statt zz schreibt man tz. |
Das betrifft Wörter wie:
Acker, locken, Reck; Katze, Matratze, Schutz
Ausnahmen: Fremdwörter wie Mokka, Sakko; Pizza,
Razzia, Skizze
E zu § 2 und § 3: Die Verdopplung des Buchstabens für
den einzelnen
Konsonanten bleibt üblicherweise in Wörtern, die sich aufeinander
beziehen lassen, auch dann erhalten, wenn sich die Betonung ändert, zum
Beispiel: Galopp – galoppieren, Horror – horrend, Kontrolle –
kontrollieren, Nummer – nummerieren, spinnen – Spinnerei, Stuck –
Stuckatur, Stuckateur
| § 4 |
In acht Fallgruppen verdoppelt man den
Buchstaben für den einzelnen Konsonanten nicht, obwohl dieser einem
betonten kurzen Vokal folgt. |
Dies betrifft
(1) eine Reihe einsilbiger Wörter (besonders aus dem
Englischen), zum
Beispiel:
Bus, Chip, fit, Gag, Grog, Jet, Job, Kap, Klub,
Mob,
Pop, Slip, top, Twen
E1: Ableitungen schreibt man entsprechend § 2 mit
doppeltem
Konsonantenbuchstaben: jobben – du jobbst – er jobbt; jetten,
poppig, Slipper; außerdem: die Busse (zu Bus)
(2) die fremdsprachigen Suffixe -ik und -it,
die mit
kurzem, aber auch mit langem Vokal gesprochen werden können, zum
Beispiel:
Kritik, Politik; Kredit, Profit
(3) einige Wörter mit unklarem Wortaufbau oder mit
Bestandteilen, die
nicht selbständig vorkommen, zum Beispiel:
Brombeere, Damwild, Himbeere, Imbiss, Imker
(aber Imme), Sperling, Walnuss; aber Bollwerk
(4) eine Reihe von Fremdwörtern, zum Beispiel:
Ananas, April, City, Hotel, Kamera, Kapitel, Limit,
Mini, Relief, Roboter
(5) Wörter mit den nicht mehr produktiven Suffixen -d,
-st und -t,
zum Beispiel:
Brand (trotz brennen), Spindel
(trotz spinnen); Geschwulst (trotz schwellen), Gespinst
(trotz spinnen), Gunst (trotz gönnen); beschäftigen,
Geschäft (trotz schaffen), [ins]gesamt, sämtlich
(trotz zusammen)
(6) eine Reihe einsilbiger Wörter mit grammatischer
Funktion, zum
Beispiel:
ab, an, dran, bis, das (Artikel, Pronomen), des
(aber dessen), in, drin (aber innen, drinnen), man,
mit, ob, plus, um, was, wes (aber wessen)
E2: Aber entsprechend § 2: dann, denn, wann, wenn;
dass
(Konjunktion)
(7) die folgenden Verbformen:
ich bin, er hat; aber nach der Grundregel (§
2): er
hatte, sie tritt, nimm!
(8) die folgenden Ausnahmen:
Drittel, Mittag, dennoch
| § 5 |
In vier Fallgruppen verdoppelt man den
Buchstaben für den einzelnen Konsonanten, obwohl der vorausgehende
kurze Vokal nicht betont ist. |
Dies betrifft
(1) das scharfe (stimmlose) s in Fremdwörtern, zum
Beispiel:
Fassade, Karussell, Kassette, passieren, Rezession
(2) die Suffixe -in und -nis sowie die
Wortausgänge -as,
-is, -os und -us, wenn in erweiterten Formen dem
Konsonanten ein Vokal folgt, zum Beispiel:
|
|
| -in: |
Ärztin – Ärztinnen,
Königin – Königinnen |
| -nis: |
Beschwernis – Beschwernisse, Kenntnis –
Kenntnisse |
| -as: |
Ananas – Ananasse, Ukas – Ukasse |
| -is: |
Iltis – Iltisse, Kürbis – Kürbisse |
| -os: |
Albatros – Albatrosse, Rhinozeros –
Rhinozerosse |
| -us: |
Diskus – Diskusse, Globus – Globusse |
(3) eine Reihe von Fremdwörtern, zum Beispiel:
Allee, Batterie, Billion, Buffet, Effekt, frappant,
Grammatik, Kannibale, Karriere, kompromittieren, Konkurrenz,
Konstellation, Lotterie, Porzellan, raffiniert, Renommee, skurril,
Stanniol
E: In Zusammensetzungen mit fremdsprachigen Präfixen wie
ad-, dis-,
in-, kon-/con-, ob-, sub- und syn- ist deren auslautender
Konsonant in manchen Fällen an den Konsonanten des folgenden Wortes
angeglichen, zum Beispiel:
Affekt, akkurat, Attraktion (vgl. aber Advokat,
addieren); ebenso: Differenz, Illusion, korrekt, Opposition,
suggerieren, Symmetrie
(4) wenige Wörter mit tz (siehe § 3(2)), zum
Beispiel:
Kiebitz, Stieglitz
1.3 Besondere Kennzeichnung der langen
Vokale
Folgt im Wortstamm auf einen betonten Vokal kein
Konsonant, ist er
lang. Die regelmäßige Kennzeichnung mit h hat auch die Aufgabe,
die Silbenfuge zu markieren, zum Beispiel Kü|he; vgl. §
6. Folgt nur ein Konsonant, so kann der Vokal kurz oder lang sein. Die
Länge wird jedoch nur bei einheimischen Wörtern mit [i:] regelmäßig
durch ie bezeichnet; vgl. § 1. Ansonsten erfolgt die Kennzeichnung nur
ausnahmsweise:
a) in manchen Wörtern vor l, m, n, r
mit h; vgl.
§ 8;
b) mit Doppelvokal aa, ee, oo; vgl. § 9;
c) mit ih, ieh; vgl. § 12.
Zum ß (statt s) nach langem Vokal und
Diphthong siehe §
25.
| § 6 |
Wenn einem betonten einfachen langen Vokal ein
unbetonter kurzer Vokal unmittelbar folgt oder in erweiterten Formen
eines Wortes folgen kann, so steht nach dem Buchstaben für den langen
Vokal stets der Buchstabe h. |
Dies betrifft Wörter wie:
|
|
| ah: |
nahen, bejahen (aber ja) |
| eh: |
Darlehen, drehen |
| oh: |
drohen, Floh (wegen Flöhe) |
| uh: |
Kuh (wegen Kühe), Ruhe, Schuhe |
| äh: |
fähig, Krähe, zäh (Ausnahme säen) |
| öh: |
Höhe (Ausnahme Bö, trotz Böe, Böen) |
| üh: |
früh (wegen früher) |
Zu ieh siehe § 12(2).
Zu See u. a. siehe § 9.
| § 7 |
Das h steht ausnahmsweise auch nach dem
Diphthong [aI]. |
Das betrifft Wörter wie:
gedeihen, Geweih, leihen (aber Laien), Reihe,
Reiher, seihen, verzeihen, weihen, Weiher; aber sonst: Blei,
drei, schreien
| § 8 |
Wenn einem betonten langen Vokal einer der
Konsonanten [l], [m], [n] oder [r] folgt, so wird in vielen, jedoch
nicht in der Mehrzahl der Wörter nach dem Buchstaben für den Vokal ein h
eingefügt. |
Dies betrifft
(1) Wörter, in denen auf [l], [m], [n] oder [r] kein
weiterer Konsonant
folgt, zum Beispiel:
|
|
| ah: |
Dahlie, lahm, ahnen, Bahre |
| eh: |
Befehl, benehmen, ablehnen, begehren |
| oh: |
hohl, Sohn, bohren |
| uh: |
Pfuhl, Ruhm, Huhn, Uhr |
| äh: |
ähneln, Ähre |
| öh: |
Höhle, stöhnen, Möhre |
| üh: |
fühlen, Bühne, führen |
Zu ih siehe § 12(1).
(2) die folgenden Einzelfälle: ahnden, fahnden
E1: Zu unterscheiden sind gleich lautende, aber
unterschiedlich geschriebene Wortstämme wie: Mahl aber Mal,
mahlen aber malen, Sohle aber Sole;
dehnen aber denen; Bahre aber Bar,
wahr aber er war, lehren aber leeren,
mehr aber Meer, Mohr aber Moor, Uhr aber Ur,
währen aber sie wären
E2 zu § 6 bis 8: Das h bleibt auch bei Flexion,
Stammveränderung und in Ableitungen erhalten, zum Beispiel: befehlen
– befiehl – er befahl – befohlen, drehen – gedreht – Draht, empfehlen –
empfiehl – er empfahl – empfohlen, gedeihen – es gedieh – gediehen,
fliehen – er floh – geflohen, leihen – er lieh – geliehen, mähen –
Mahd, nähen – Naht, nehmen – er nahm, sehen – er sieht – er sah –
gesehen, stehlen – er stiehlt – er stahl – gestohlen, verzeihen – er
verzieh – verziehen, weihen – geweiht – Weihnachten
Ausnahmen, zum Beispiel: Blüte, Blume (trotz blühen),
Glut
(trotz glühen), Nadel (trotz nähen)
E3: In Fremdwörtern steht bis auf wenige Ausnahmen wie Allah,
Schah
kein h.
| § 9 |
Die Länge von [a:], [e:] und [o:] kennzeichnet
man in einer kleinen Gruppe von Wörtern durch die Verdopplung aa, ee
bzw. oo. |
Dies betrifft Wörter wie:
|
|
| aa: |
Aal, Aas, Haar, paar,
Paar, Saal, Saat, Staat, Waage |
| ee: |
Beere, Beet, Fee, Klee, scheel, Schnee, See,
Speer, Tee, Teer; außerdem eine Reihe von Fremdwörtern mit ee
im Wortausgang wie: Armee, Idee, Kaffee, Klischee, Tournee, Varietee |
| oo: |
Boot, Moor, Moos, Zoo |
Zu die Feen, Seen siehe § 19.
E1: Zu unterscheiden sind gleich lautende, aber
unterschiedlich
geschriebene Wortstämme wie: Waage aber Wagen; Heer
aber her, hehr; leeren aber lehren; Meer aber mehr;
Reede aber Rede; Seele, seelisch aber selig; Moor
aber Mohr
E2: Bei Umlaut schreibt man nur ä bzw. ö,
zum Beispiel: Härchen – aber Haar; Pärchen – aber Paar;
Säle – aber Saal; Bötchen – aber Boot
| § 10 |
Wenige einheimische Wörter und eingebürgerte
Entlehnungen mit dem langen Vokal [i:] schreibt man ausnahmsweise mit i.
|
Dies betrifft Wörter wie:
dir, mir, wir; gib, du gibst, er gibt (aber ergiebig);
Bibel, Biber, Brise, Fibel, Igel, Liter, Nische, Primel,
Tiger, Wisent
E: Zu unterscheiden sind gleich lautende, aber
unterschiedlich
geschriebene Wörter wie: Lid aber Lied; Mine aber Miene;
Stil aber Stiel; wider aber wieder
| § 11 |
Für langes [i:] schreibt man ie in den
fremdsprachigen Suffixen und Wortausgängen -ie, -ier und -ieren.
|
Dies betrifft Wörter wie:
Batterie, Lotterie; Manier, Scharnier; marschieren,
probieren
Ausnahmen, zum Beispiel: Geysir, Saphir, Souvenir,
Vampir, Wesir
| § 12 |
In Einzelfällen kennzeichnet man die Länge des
Vokals [i:] zusätzlich mit dem Buchstaben h und schreibt ih
oder ieh. |
Im Einzelnen gilt:
(1) ih steht nur in den folgenden Wörtern (vgl.
§ 8):
ihm, ihn, ihnen; ihr (Personal- und
Possessivpronomen), außerdem Ihle
(2) ieh steht nur in den folgenden Wörtern (vgl.
§ 6):
fliehen, Vieh, wiehern, ziehen
Zu ieh in Flexionsformen wie befiehl (zu
befehlen)
siehe § 8 E2.
1.4 Umlautschreibung bei [ε]
| § 13 |
Für kurzes [ε] schreibt man ä statt e,
wenn es eine Grundform mit a gibt. |
Dies betrifft flektierte und abgeleitete Wörter wie:
Bänder, Bändel (wegen Band); Hälse
(wegen Hals); Kälte, kälter (wegen kalt); überschwänglich
(wegen Überschwang)
E1: Man schreibt e oder ä in Schenke/Schänke
(wegen ausschenken/Ausschank), aufwendig/aufwändig
(wegen aufwenden/Aufwand).
E2: Für langes [e:] und langes [ε:], die in der
Aussprache oft nicht
unterschieden werden, schreibt man ä, sofern es eine Grundform
mit a gibt, zum Beispiel: quälen (wegen Qual).
Wörter wie sägen, Ähre (aber Ehre), Bär sind
Ausnahmen.
| § 14 |
In wenigen Wörtern schreibt man ausnahmsweise ä.
|
Dies betrifft Wörter wie:
ätzen, dämmern, Geländer, Lärm, März, Schärpe
E: Zu unterscheiden sind gleich lautende, aber
unterschiedlich
geschriebene Wörter wie: Äsche aber Esche; Färse
aber Ferse; Lärche aber Lerche
| § 15 |
In wenigen Wörtern schreibt man ausnahmsweise e.
|
Das betrifft Wörter wie:
Eltern (trotz alt); schwenken
(trotz schwanken)
1.5 Umlautschreibung bei [ƆY]
| § 16 |
Für den Diphthong [ƆY] schreibt man äu
statt eu, wenn es eine Grundform mit au gibt. |
Dies betrifft flektierte und abgeleitete Wörter wie:
Häuser (wegen Haus), er läuft
(wegen laufen), Mäuse, Mäuschen (wegen Maus); Gebäude
(wegen Bau), Geräusch (wegen rauschen), sich
schnäuzen (wegen Schnauze), verbläuen (wegen blau)
| § 17 |
In wenigen Wörtern schreibt man ausnahmsweise äu.
|
Das betrifft Wörter wie:
Knäuel, Räude, sich räuspern, Säule, sich sträuben,
täuschen
1.6 Ausnahmen beim Diphthong [aI]
| § 18 |
In wenigen Wörtern schreibt man den Diphthong
[aI] ausnahmsweise ai. |
Das betrifft Wörter wie:
Hai, Kaiser, Mai
E: Zu unterscheiden sind gleich lautende, aber
unterschiedlich
geschriebene Wortstämme wie: Bai aber bei; Laib
aber Leib; Laich aber Leiche; Laie, Laien
aber leihen; Saite aber Seite; Waise
aber Weise, weisen
1.7 Besonderheiten beim e
| § 19 |
Folgen auf -ee oder -ie die
Flexionsendungen oder Ableitungssuffixe -e, -en, -er, -es, -ell,
so lässt man ein e weg. |
Das betrifft Wörter wie:
die Feen; die Ideen; die Mondseer, des Sees; die
Knie,
knien; die Fantasien; sie schrien, geschrien; ideell; industriell
1.8 Spezielle
Laut-Buchstaben-Zuordnungen in Fremdwörtern
| § 20 |
Über die bisher dargestellten
Laut-Buchstaben-Zuordnungen hinaus treten in Fremdwörtern auch
fremdsprachige Zuordnungen auf. In den folgenden Listen sind nur die
wichtigeren angeführt. |
Dabei ist zu beachten, dass Kürze und Länge der Vokale
von der Betonung abhängen. Vokale, die in betonten Silben lang sind,
werden in unbetonten Silben kurz gesprochen, zum Beispiel Analyse
mit langem Vokal [y:] – analysieren mit kurzem Vokal [y].
(1) Fremdsprachige Laut-Buchstaben-Zuordnungen
| Laute |
Buchstaben |
Beispiele |
| [a], [a:] |
u
at |
Butler, Cup, Make-up, Slum
Eklat, Etat |
| [ε], [ε:] |
a
ai |
Action, Camping, Fan, Gag
Airbus, Chaiselongue, fair, Flair, Saison |
| [e], [e:] |
é
er
et
ai |
Abbé, Attaché, Lamé
Atelier, Bankier, Premier
Budget, Couplet, Filet
Cocktail, Container |
| [i], [i:] |
y
ea
ee |
Baby, City, Lady, sexy
Beat, Dealer, Hearing, Jeans, Team
Evergreen, Spleen, Teenager |
| [o], [o:] |
au
eau
ot |
Chaussee, Chauvinismus
Niveau, Plateau, Tableau
Depot, Trikot |
| [ø:] |
eu |
adieu, Milieu;
häufig in den Suffixen -eur, -euse: Ingenieur, Souffleuse |
| [Ʊ], [u], [u:] |
oo
ou |
Boom, Swimmingpool
Journalist, Rouge, Route, souverän |
| [Y], [y], [y:] |
y |
Analyse, Hymne, Physik, System, Typ;
auch in den Präfixen dys- (aber dis-), hyper-, hypo-, syl-, sym-, syn-:
dysfunktional, hyperkorrekt, Hypozentrum, Syllogismus, Symbiose,
synchron |
| [ã], [ã:] |
an
ant
en
ent |
Branche, Chance, Orange, Renaissance, Revanche
Avantgarde, Pendant, Restaurant
engagiert, Ensemble, Entree, Pendant, Rendezvous
Abonnement, Engagement |
| [ε], [ε:] |
ain
eint
in |
Refrain, Souterrain, Terrain
Teint
Bulletin, Dessin, Mannequin |
| [Ɔ], [Ɔ:] |
on |
Annonce, Chanson, Pardon |
| [œ], [œ:] |
um |
Parfum |
| [aƱ] |
ou
ow |
Couch, Countdown, Foul, Sound
Clown, Countdown, Cowboy, Power(play) |
| [aI] |
i
igh
y |
Lifetime, Pipeline
Copyright, high, Starfighter
Nylon, Recycling |
| [ƆY] |
oy |
Boy, Boykott |
| [oa] |
oi |
Memoiren, Repertoire, Reservoir, Toilette |
(2) Doppelschreibungen
Im Prozess der Integration entlehnter Wörter können
fremdsprachige und
integrierte Schreibung nebeneinanderstehen. Manche fremdsprachige
Schreibungen sind nur noch fachsprachlich üblich.
| Laute |
Buchstaben |
Beispiele |
| [ε], [ε:] |
ai – ä |
Drainage – Dränage,
Mayonnaise – Majonäse, Mohair – Mohär, Polonaise – Polonäse |
| [e:] |
é – ee |
Bouclé – Buklee, Doublé – Dublee, Exposé – Exposee
Café – Kaffee (mit Bedeutungsdifferenzierung),
Kommuniqué – Kommunikee, Varieté – Varietee |
| [o:] |
au – o |
Sauce – Soße |
| [Ʊ], [u], [u:] |
ou – u |
Bravour – Bravur, Bouquet – Bukett, Doublé –
Dublee, Coupon – Kupon, Nougat – Nugat |
| § 21 |
Fremdwörter aus dem
Englischen, die auf -y enden und im Englischen den Plural -ies
haben, erhalten im Plural ein -s. |
Das betrifft Wörter wie:
Baby – Babys, Lady – Ladys, Party – Partys
E: Bei Zitatwörtern gilt die englische Schreibung, zum
Beispiel:
Grand Old Ladies
2 Konsonanten
2.1 Grundlegende
Laut-Buchstaben-Zuordnungen
| § 22 |
Als grundlegend im Sinne dieser orthografischen
Regelung gelten die folgenden Laut-Buchstaben-Zuordnungen. |
Besondere Zuordnungen werden in den sich anschließenden
Abschnitten behandelt.
(1) Einfache Konsonanten
| Laute |
Buchstaben |
Beispiele |
| [b] |
b |
backen, Baum, Obolus, Parabel |
| [ç], [x] |
ch |
ich, Bücher, lynchen; ach, Rauch |
| [d] |
d |
danken, Druck, leiden, Mansarde |
| [f] |
f |
fertig, Falke, Hafen, Fusion |
| [g] |
g |
gehen, Gas, sägen, Organ, Eleganz |
| [h] |
h |
hinterher, Haus, Hektik, Ahorn, vehement |
| [j] |
j |
ja, Jagd, Boje, Objekt |
| [k] |
k |
Kiste, Haken, Flanke, Majuskel, Konkurs |
| [l] |
l |
laufen, Laut, Schale, lamentieren |
| [m] |
m |
machen, Mund, Lampe, Maximum |
| [n] |
n |
nur, Nagel, Ton, Natur, nuklear |
| [ƞ] |
ng |
Gang, Länge, singen, Zange |
| [p] |
p |
packen, Paste, Raupe, Problem |
| [r], [R], [K] |
r |
rauben, Rampe, hören, Zitrone |
| [s] |
s |
skurril, Skandal, Hast, hopsen |
| [z] |
s |
sagen, Seife, lesen, Laser |
| [∫] |
sch |
scharf, Schaufel, rauschen |
| [t] |
t |
tragen, Tür, fort, Optimum |
| [v] |
w |
wann, Wagen, Möwe |
(2) Konsonantenverbindungen (innerhalb des
Stammes)
| Laute |
Buchstaben |
Beispiele |
| [kv] |
qu |
quälen, Quelle, liquid,
Qualität |
| [ks] |
x |
xylographisch, Xenophobie, boxen, toxisch |
| [ts] |
z |
zart, Zaum, tanzen, speziell, Zenit |
2.2 Auslautverhärtung und Wortausgang -ig
| § 23 |
Die in großen Teilen des deutschen Sprachgebiets
auftretende Verhärtung der Konsonanten [b], [d], [g], [v] und [z] am
Silbenende sowie vor anderen Konsonanten innerhalb der Silbe wird in
der Schreibung nicht berücksichtigt. |
E1: Bei vielen Wörtern kann die Schreibung aus der
Aussprache erweiterter Formen oder verwandter Wörter abgeleitet werden,
in denen der betreffende Konsonant am Silbenanfang steht, zum Beispiel:
| Konsonant
am Silbenende usw. |
Konsonant am
Silbenanfang |
| Lob, löblich, du lobst |
Lobes, belobigen (aber Isotop–Isotope) |
| trüb, trübselig, eingetrübt |
trübe, eintrüben (aber Typ – Typen) |
| Rad, Radumfang |
Rades, rädern (aber Rat – Rates) |
| absurd |
absurde, Absurdität (aber Gurt – Gurte) |
| Sieg, siegreich, er siegt |
siegen (aber Musik – musikalisch) |
| Trug, er betrog, Betrug |
betrügen (aber Spuk – spuken) |
| gläubig |
gläubige (aber Plastik – Plastiken) |
| Möwchen |
Möwe (aber Öfchen – Ofen) |
| naiv, Naivling, Naivheit |
Naive, Naivität (aber er rief – rufen) |
| Preis, preislich, preiswert |
Preise (aber Fleiß – fleißig) |
| Haus, häuslich, behaust |
Häuser (aber Strauß – Sträuße) |
E2: Bei einer kleinen Gruppe von Wörtern ist es nicht
oder nur schwer möglich, eine solche Erweiterung durchzuführen oder
eine Beziehung zu verwandten Wörtern herzustellen. Man schreibt sie
trotzdem mit b, d, g bzw. s, zum Beispiel: ab, Eisbein (Eis –
Eises), flugs (Flug), Herbst, hübsch, jeglich, Jugend, Kies (Kiesel),
Lebkuchen, morgendlich, ob, Obst, Plebs (Plebejer), preisgeben,
Rebhuhn, redlich (Rede), Reis (Reisig), Reis (= Korn; Reise
fachsprachlich = Reissorten; aber Grieß), ihr seid
(aber seit), sie sind, und, Vogt, weg (Weges), weissagen
(weise)
| § 24 |
Für den Laut [ç] schreibt man regelmäßig g,
wenn erweiterte Formen am Silbenanfang mit dem Laut [g] gesprochen
werden. |
Das betrifft Wörter wie:
ewig, Ewigkeit (wegen ewige), gläubig
(wegen gläubige); aber unglaublich (wegen unglaubliche);
heilig, Käfig, ruhig
E: In einigen Sprachlandschaften wird -ig mit [k]
gesprochen;
dann gilt § 23.
2.3 Besonderheiten bei [s]
| § 25 |
Für das scharfe (stimmlose) [s] nach langem
Vokal oder Diphthong schreibt man ß, wenn im Wortstamm kein
weiterer Konsonant folgt. |
Das betrifft Wörter wie:
Maß, Straße, Grieß, Spieß, groß, grüßen; außen,
außer,
draußen, Strauß, beißen, Fleiß, heißen
Ausnahme: aus
Zur Schreibung von [s] in Wörtern mit Auslautverhärtung
wie Haus,
graziös, Maus, Preis siehe § 23.
E1: In manchen Wortstämmen wechselt bei Flexion und in
Ableitungen die
Länge und Kürze des Vokals vor [s]; entsprechend wechselt die
Schreibung ß mit ss. Beispiele:
fließen – er floss – Fluss – das Floß
genießen – er genoss – Genuss
wissen – er weiß – er wusste
E2: Steht der Buchstabe ß nicht zur Verfügung,
so schreibt man ss.
In der Schweiz kann man immer ss schreiben. Beispiel: Straße –
Strasse
E3: Bei Schreibung mit Großbuchstaben schreibt man SS,
zum
Beispiel: Straße – STRASSE
| § 26 |
Folgt auf das s, ss, ß, x oder z
eines Verb- oder Adjektivstammes die Endung -st der 2. Person
Singular bzw. die Endung -st(e) des Superlativs, so lässt man
das s der Endung weg. |
Das betrifft Wörter wie:
du reist (zu reisen), du hasst
(zu hassen), du reißt (zu reißen), du mixt
(zu mixen), du sitzt (zu sitzen); (groß –
größer –)
größte
2 Konsonanten
2.4 Besonderheiten bei [∫]
| § 27 |
Für den Laut [∫] am Anfang des Wortstammes vor
folgendem [p] oder [t] schreibt man s statt sch. |
Das betrifft Wörter wie:
spielen, verspotten; starren, Stelle, Stunde
2.5 Besonderheiten bei [ƞ]
| § 28 |
Für den Laut [ƞ] vor [k] oder [g] im Wortstamm
schreibt man n statt ng. |
Das betrifft Wörter wie:
Bank, dünken, Enkel, Schranke, trinken; Mangan,
Singular
2.6 Besonderheiten bei [f] und [v]
| § 29 |
Für den Laut [f] schreibt man v statt f
in ver- (wie in verlaufen) sowie am Anfang einiger
weiterer Wörter. |
Das betrifft Wörter wie:
Vater, Veilchen, Vettel, Vetter, Vieh, viel,
vielleicht,
vier, Vlies, Vogel, Vogt, Volk, voll (aber füllen), von, vor, vordere,
vorn
Dazu kommen: Frevel, Nerv (Nerven)
| § 30 |
Für den Laut [v] schreibt man in Fremdwörtern
regelmäßig und in wenigen eingebürgerten Entlehnungen v statt w.
|
Das betrifft Wörter wie:
privat, Revolution, Universität, Virus, zivil,
Malve,
Vase;
Suffix bzw. Endung -iv, -ive: Aktivität, die Detektive, Motivation;
Initiative, Perspektive
E: Bei einigen Wörtern schwankt die Aussprache von v
zwischen
[v] und [f] wie bei Initiative, Larve, Pulver, evangelisch, Vers,
Vesper, November, brave.
2.7 Besonderheiten bei [ks]
| § 31 |
Für die Lautverbindung [ks] schreibt man in
einigen Wortstämmen ausnahmsweise chs bzw. ks statt x.
|
Das betrifft Wörter wie:
Achse, Achsel, Büchse, Dachs, drechseln, Echse,
Flachs,
Fuchs, Lachs, Luchs, Ochse, sechs, Wachs, wachsen, Wechsel,
Weichsel[kirsche], wichsen
Keks, schlaksig
E: Die bei Flexion und in Ableitungen entstehende
Lautverbindung [ks]
wird je nach dem zugrunde liegenden Wort gs, ks oder cks
geschrieben, zum Beispiel: du hegst (wegen hegen), du
hinkst (wegen hinken), Streiks (wegen Streik),
Häcksel (wegen hacken)
2.8 Spezielle
Laut-Buchstaben-Zuordnungen in Fremdwörtern
| § 32 |
Über die bisher dargestellten
Laut-Buchstaben-Zuordnungen hinaus treten in Fremdwörtern auch
fremdsprachige Zuordnungen auf. |
In den folgenden Listen sind nur die wichtigeren
angeführt.
(1) Fremdsprachige Laut-Buchstaben-Zuordnungen
(1.1) Einfache Konsonanten
| Laute |
Buchstaben |
Beispiele |
| [f] |
ph |
Atmosphäre, Metapher,
Philosophie, Physik |
| [k] |
c
ch
qu |
Clown, Container, Crew
Chaos, Charakter, Chlor, christlich
Mannequin, Queue |
| [r] |
rh
rt |
Rhapsodie, Rhesusfaktor
Dessert, Kuvert, Ressort |
| [s] |
c, ce |
Annonce, Chance, City, Renaissance, Service |
| [∫] |
ch
sh |
Champignon, Chance, charmant, Chef
Geisha, Sheriff, Shop, Shorts |
| [ʒ] |
g
j |
Genie, Ingenieur, Loge, Passagier, Regime;
auch im Suffix -age: Blamage, Garage
Jalousie, Jargon, jonglieren, Journalist |
| [t] |
th |
Ethos, Mathematik, Theater, These |
| [v] |
v |
Virus, zivil (vgl. § 30) |
(1.2) Konsonantenverbindungen
| Laute |
Buchstaben |
Beispiele |
| [dʒ] |
g
j |
Gentleman, Gin, Manager,
Teenager
Jazz, Jeans, Jeep, Job, Pyjama |
| [lj] / [j] |
ll |
Billard, Bouillon, brillant, Guerilla, Medaille,
Pavillon, Taille |
| [nj] |
gn |
Champagner, Kampagne, Lasagne |
| [ts] |
c
t (vor [i]
+ Vokal) |
Aceton, Celsius, Cellophan
sehr häufig im Suffix -tion; außerdem häufig in Fällen wie -tie,
-tiell, -tiös: Funktion, Nation, Produktion; Aktie, partiell,
infektiös |
| [t∫] |
c
ch
ge
dge |
Cello, Cembalo
Chip, Coach, Ranch
College
Bridge |
(2) Doppelschreibungen
Im Prozess der Integration entlehnter Wörter können
fremdsprachige und integrierte Schreibung nebeneinanderstehen. Manche
fremdsprachige Schreibungen sind nur noch fachsprachlich üblich.
| Laute |
Buchstaben |
Beispiele |
| [dʒ] |
g
j |
Gentleman, Gin, Manager,
Teenager
Jazz, Jeans, Jeep, Job, Pyjama |
| [lj] / [j] |
ll |
Billard, Bouillon, brillant, Guerilla, Medaille,
Pavillon, Taille |
| [nj] |
gn |
Champagner, Kampagne, Lasagne |
| [ts] |
c
t (vor [i]
+ Vokal) |
Aceton, Celsius, Cellophan
sehr häufig im Suffix -tion; außerdem häufig in Fällen wie -tie,
-tiell, -tiös: Funktion, Nation, Produktion; Aktie, partiell,
infektiös |
| [t∫] |
c
ch
ge
dge |
Cello, Cembalo
Chip, Coach, Ranch
College
Bridge |
B Getrennt- und Zusammenschreibung
0 Vorbemerkungen
(1) Die Getrennt- und Zusammenschreibung betrifft
Einheiten, die
im Text unmittelbar benachbart und aufeinander bezogen sind. Handelt
es sich um die Bestandteile von Wortgruppen, so schreibt man sie
getrennt. Handelt es sich um die Bestandteile von Zusammensetzungen,
so schreibt man sie zusammen.
(2) Einheiten derselben Form können manchmal sowohl eine
Wortgruppe (wie schwer beschädigt) als auch eine
Zusammensetzung (wie schwerbeschädigt) bilden. Die Verwendung
einer Wortgruppe oder einer Zusammensetzung richtet sich danach, was
jeweils gemeint ist und was dem Sprachgebrauch und den Regularitäten
des Sprachbaus entspricht.
(3) Bei den verschiedenen Wortarten sind – auch in
Abhängigkeit
von sprachlichen Entwicklungsprozessen – spezielle Bedingungen zu
beachten. Daher ist die folgende Darstellung nach der Wortart der
Zusammensetzung gegliedert:
1 Verb (§ 33 bis 35)
2 Adjektiv (§ 36)
3
Substantiv (§ 37 und § 38)
4 Andere Wortarten (§ 39)
1 Verb
Zusätzlich zur generellen Unterscheidung von Wortgruppen
(wie auf
den Berg steigen) und Zusammensetzungen (wie bergsteigen)
hat man bei Verbstämmen untrennbare von trennbaren Zusammensetzungen
zu unterscheiden:
|
a)
|
Untrennbare Zusammensetzungen bestehen aus einem
Verbstamm, dem ein Stamm eines Substantivs, eines Adjektivs oder einer
Partikel vorausgeht. Man erkennt sie daran, dass die Reihenfolge ihrer
Bestandteile stets unverändert bleibt:
maß + regeln: Wer jemanden maßregelt
... Man maßregelte ihn ...
Niemand wagte, ihn zu maßregeln. Er wurde offiziell gemaßregelt.
|
|
b)
|
Trennbare Zusammensetzungen bestehen aus einem
Verbstamm, dem ein Verbzusatz vorausgeht. Man erkennt sie daran, dass
die Reihenfolge ihrer Bestandteile in Abhängigkeit von ihrer Stellung
im Satz wechselt:
hinzu + kommen: Wenn dieses
Argument hinzukommt ...
Dieses Argument kommt hinzu. Dieses Argument kommt
erschwerend hinzu.
|
|
§ 33
|
Substantive, Adjektive, Präpositionen oder
Adverbien können mit Verben untrennbare Zusammensetzungen bilden. Man
schreibt sie zusammen.
|
Dies betrifft
(1) Zusammensetzungen aus Substantiv + Verb, zum
Beispiel: brandmarken (gebrandmarkt, zu brandmarken), handhaben,
lobpreisen,
maßregeln, nachtwandeln, schlafwandeln, schlussfolgern
E: In manchen Fällen stehen Zusammensetzung und
Wortgruppe
nebeneinander, zum Beispiel:
danksagen/Dank sagen (er sagt Dank), gewährleisten/
Gewähr
leisten (sie leistet Gewähr), staubsaugen/Staub saugen (er saugt
Staub); brustschwimmen/Brust schwimmen (er schwimmt Brust),
delfinschwimmen/Delfin schwimmen (sie schwimmt Delfin),
marathonlaufen/Marathon laufen (sie läuft Marathon).
Zu Fällen wie Acht geben/achtgeben vgl. § 34 E6.
(2) Zusammensetzungen aus Adjektiv + Verb, zum Beispiel:
frohlocken (frohlockt, zu frohlocken), langweilen,
liebäugeln,
vollbringen, vollenden, weissagen
(3) Zusammensetzungen aus Präposition + Verb oder Adverb
+ Verb
mit Betonung auf dem zweiten Bestandteil, zum Beispiel: durchbrechen
(er durchbricht die Regel, zu durchbrechen), hintergehen, übersetzen
(sie übersetzt das Buch), umfahren, unterstellen, widersprechen,
wiederholen
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§ 34
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Partikeln, Adjektive, Substantive oder Verben
können als Verbzusatz mit Verben trennbare Zusammensetzungen bilden.
Man schreibt sie nur in den Infinitiven, den Partizipien sowie im
Nebensatz bei Endstellung des Verbs zusammen.
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Dies betrifft
(1) Zusammensetzungen mit einer Verbpartikel als erstem
Bestandteil.
Verbpartikeln sind Bestandteile, die
(1.1) formgleich mit Präpositionen sind, zum Beispiel:
ab-, an-, auf-, aus-, bei-, durch-, ein- (zur
Präposition in-), entgegen-, entlang-, gegen-, gegenüber-,
hinter-,
in-, mit-, nach-, über-, um-, unter-, vor-, wider-, zu-, zuwider-,
zwischen-
(1.2) formgleich mit Adverbien, insbesondere Adverbien
der
Richtung, des Ortes, der Zeit sowie mit Pronominaladverbien sind, zum
Beispiel:
abwärts-, auseinander-, beisammen-, davon-, davor-,
dazu-,
dazwischen-, empor-, fort-, her-, heraus-, herbei-, herein-, hin-,
hinaus-, hindurch-, hinein-, hintenüber-, hinterher-, hinüber-,
nebenher-, nieder-, rückwärts-, umher-, voran-, voraus-, vorbei-,
vorher-, vorweg-, weg-, weiter-, wieder-, zurück-, zusammen-, zuvor-
E1: Zur Unterscheidung von Verbpartikel und
selbständigem Adverb:
Bei Zusammensetzungen liegt der Hauptakzent normalerweise auf der
Verbpartikel (vgl. wiedersehen,
zusammensitzen), während bei Wortgruppen
das selbständige Adverb auch unbetont sein kann (vgl. wieder
sehen, zusammen sitzen).
Wenn das Betonungskriterium nicht zu einem eindeutigen Ergebnis
führt, hilft in manchen Fällen eine der folgenden Proben weiter:
(1) Das Adverb kann im Aussagesatz vor dem finiten Verb
an erster
Stelle stehen, die Verbpartikel hingegen nicht, vgl.: Dabei wollte
sie nicht immer sitzen, sondern auch ab und zu mal stehen (Adverb dabei),
aber Dabeisitzen wollte sie nicht immer
(Verbpartikel dabei-).
(2) Zwischen Adverb und Infinitiv können ein oder
mehrere
Satzglieder eingeschoben werden, zwischen Verbpartikel und verbalen
Bestandteil hingegen nicht, vgl.: Sie wollte dabei nicht immer
sitzen, sondern auch ab und zu mal stehen (Adverb dabei),
aber Sie wollte nicht immer dabeisitzen (Verbpartikel dabei-).
E2: Eine Reihe von Pronominaladverbien mit dem
Bestandteil dar-
wirft besonders bei der Verwendung als Verbpartikel das a ab,
zum Beispiel: darin sitzen – drinsitzen, ähnlich dran-
(dranbleiben), drauf- (draufhauen), drauflos- (drauflosreden).
E3: Unter Kontrastakzent kann die Verbpartikel an die
erste Stelle
im Satz treten und wird dann vom Verb getrennt geschrieben, zum
Beispiel: Beisammen bleiben wir immer. Heraus kam leider nichts.
Hintan stellte er seine eigenen Bedürfnisse.
(1.3) die Merkmale von frei vorkommenden Wörtern
verloren haben,
zum Beispiel:
abhanden-, anheim-, bevor-, dar-, einher-, entzwei-,
fürlieb-,
hintan-, inne-, überein-, überhand-, umhin-, vorlieb-, zurecht-
E4: Dazu gehören auch die folgenden ersten Bestandteile,
die in
der Verwendung beim Verb nicht mehr einer bestimmten Wortartkategorie
zugeordnet werden können:
fehl-, feil-, heim-, irre-, kund-, preis-, wahr-,
weis-, wett-
Zu Fällen wie infrage stellen К in Frage stellen
vgl. §
39 E3(1).
(2) Zusammensetzungen mit einem adjektivischen ersten
Bestandteil.
Dabei sind folgende Fälle zu unterscheiden:
(2.1) Es kann zusammen- wie auch getrennt geschrieben
werden, wenn
ein einfaches Adjektiv eine Eigenschaft als Resultat des
Verbalvorgangs bezeichnet (sog. resultative Prädikative), zum
Beispiel:
blank putzen/blankputzen, glatt hobeln/glatthobeln,
klein
schneiden/kleinschneiden; kalt stellen/kaltstellen, kaputt
machen/kaputtmachen, leer essen/leeressen
(2.2) Es wird zusammengeschrieben, wenn der
adjektivische
Bestandteil zusammen mit dem verbalen Bestandteil eine neue,
idiomatisierte Gesamtbedeutung bildet, die nicht auf der Basis der
Bedeutungen der einzelnen Teile bestimmt werden kann, zum Beispiel:
krankschreiben, freisprechen, (sich) kranklachen;
festnageln
(= festlegen), heimlichtun (= geheimnisvoll tun), kaltstellen
(= [politisch] ausschalten), kürzertreten (= sich
einschränken), richtigstellen (= berichtigen), schwerfallen
(= Mühe verursachen), heiligsprechen
E5: Lässt sich in einzelnen Fällen keine klare
Entscheidung
darüber treffen, ob eine idiomatisierte Gesamtbedeutung vorliegt, so
bleibt es dem Schreibenden überlassen, getrennt oder
zusammenzuschreiben.
(2.3) In den anderen Fällen wird getrennt geschrieben.
Dazu
zählen insbesondere Verbindungen mit morphologisch komplexen oder
erweiterten Adjektiven, zum Beispiel:
bewusstlos schlagen, ultramarinblau streichen, ganz
nahe
kommen, dingfest machen, schachmatt setzen
(3) Zusammensetzungen mit einem substantivischen ersten
Bestandteil.
Dabei handelt es sich um folgende Fälle, bei denen die
ersten
Bestandteile die Eigenschaften selbständiger Substantive weitgehend
verloren haben:
eislaufen, kopfstehen, leidtun, nottun, standhalten,
stattfinden, stattgeben, statthaben, teilhaben, teilnehmen,
wundernehmen
E6: In den nachstehenden Fällen ist bei den nicht näher
bestimmten oder ergänzten Formen sowohl Zusammen- als auch
Getrenntschreibung möglich, da ihnen eine Zusammensetzung oder eine
Wortgruppe zugrunde liegen kann:
achtgeben/Acht geben (aber nur: sehr
achtgeben,
allergrößte Acht geben), achthaben/Acht haben,
haltmachen/Halt machen, maßhalten/Maß halten
Zu Fällen wie staubsaugen/Staub saugen vgl. § 33
E.
(4) Verbindungen mit einem verbalen ersten Bestandteil.
Verbindungen aus zwei Verben werden getrennt
geschrieben, zum
Beispiel:
laufen lernen, arbeiten kommen, baden gehen, lesen
üben
E7: Bei Verbindungen mit bleiben und lassen
als
zweitem Bestandteil ist bei übertragener Bedeutung auch
Zusammenschreibung möglich. Dasselbe gilt für kennen lernen:
sitzen bleiben/sitzenbleiben (= nicht versetzt
werden), stehen lassen/stehenlassen (= nicht länger beachten,
sich
abwenden), liegen bleiben/liegenbleiben (= unerledigt
bleiben); kennen lernen/kennenlernen (= Erfahrung mit etwas
oder jmdm. haben).
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§ 35
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Verbindungen mit sein werden getrennt
geschrieben.
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Zum Beispiel:
beisammen sein, fertig sein, los sein, vonnöten sein,
vorbei
sein, vorhanden sein, vorüber sein, zufrieden sein
C Schreibung mit Bindestrich
0 Vorbemerkungen
(1) Der Bindestrich bietet dem Schreibenden die
Möglichkeit,
anstelle der sonst bei Zusammensetzungen und Ableitungen üblichen
Zusammenschreibung die einzelnen Bestandteile als solche zu
kennzeichnen, sie gegeneinander abzusetzen und sie dadurch für den
Lesenden hervorzuheben.
(2) Die Schreibung mit Bindestrich bei Fremdwörtern (zum
Beispiel
bei 7-Bit-Code, Stand-by-System) folgt den für das Deutsche
geltenden Regeln.
Die Schreibung mit Bindestrich bei Eigennamen entspricht
nicht
immer den folgenden Regeln, so dass nur allgemeine Hinweise gegeben
werden können. Zusammensetzungen aus Eigennamen und Substantiv zur
Benennung von Schulen, Universitäten, Betrieben, Firmen und
ähnlichen Institutionen werden so geschrieben, wie sie amtlich
festgelegt sind. In Zweifelsfällen sollte man nach § 46 bis § 52
schreiben.
Steht ein Bindestrich am Zeilenende, so gilt er zugleich
als
Trennungsstrich.
(3) Zu unterscheiden sind:
- Zusammensetzungen und Ableitungen, die keine
Eigennamen als Bestandteile enthalten (§ 40 bis § 45)
- Zusammensetzungen und Ableitungen, die Eigennamen als
Bestandteile enthalten (§ 46 bis § 52)
-
Gruppen, in denen man den Bindestrich setzen muss (§
40 bis § 44; § 46 und § 48 bis § 50), und solche, in denen der Gebrauch
des Bindestrichs dem Schreibenden freigestellt ist (§ 45, § 51 bis §
52).
Zum Ergänzungsstrich (zum Beispiel in Haupt- und
Nebeneingang)
siehe § 98.
1 Zusammensetzungen und Ableitungen,
die keine
Eigennamen als Bestandteile enthalten
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§ 40
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Man setzt einen Bindestrich in Zusammensetzungen
mit Einzelbuchstaben, Abkürzungen oder Ziffern.
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Dies betrifft (1) Zusammensetzungen mit
Einzelbuchstaben, zum
Beispiel:
A-Dur (ebenso Cis-Dur), b-Moll,
b-Strahlen,
i-Punkt, n-Eck, S-Kurve, s-Laut, s-förmig, T-Shirt, T-Träger,
x-beliebig, x-beinig, x-mal, y-Achse; Dativ-e, Zungenspitzen-r,
Fugen-s
(2) Zusammensetzungen mit Abkürzungen und
Initialwörtern, zum
Beispiel:
dpa-Meldung, D-Zug, Kfz-Schlosser, km-Bereich,
UNO-Sicherheitsrat, VIP-Lounge; Fußball-WM, Lungen-Tbc;
H2O-gesättigt, DGB-eigen, Na-haltig, UV-bestrahlt; Abt.-Leiter,
Inf.-Büro
Abt.-Ltr. (= Abteilungsleiter), Dipl.-Ing. (=
Diplomingenieur),
Tgb.-Nr. (= Tagebuchnummer), Telegr.-Adr. (= Telegrammadresse)
E: Aber ohne Bindestrich bei Kurzformen von Wörtern
(Kürzeln),
zum Beispiel: Busfahrt, Akkubehälter
(3) Zusammensetzungen mit Ziffern, zum Beispiel:
3-Tonner, 2-Pfünder, 8-Zylinder; 5-mal, 4-silbig,
100-prozentig, 1-zeilig, 17-jährig, der 17-Jährige
8:6-Sieg, 2:3-Niederlage, der 5:3-[2:1-]Sieg
(auch 5:3[2:1]-Sieg)
⅔-Mehrheit, ⅜-Takt, 2 n-Eck
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§ 41
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Vor Suffixen setzt man nur dann einen Bindestrich,
wenn sie mit einem Einzelbuchstaben verbunden werden.
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Beispiele:
der x-te, zum x-ten Mal, die n-te
Potenz
E: Aber: abclich, ÖVPler; der 68er,
ein 32stel,
100%ig
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§ 42
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Bilden Verbindungen aus Ziffern und Suffixen den
vorderen Teil einer Zusammensetzung, so setzt man nach dem Suffix einen
Bindestrich.
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Beispiele:
ein 100stel-Millimeter, die
61er-Bildröhre, eine
25er-Gruppe, in den 80er-Jahren (auch in den 80er Jahren)
E: Aber ausgeschrieben: die
Zweierbeziehung, die
Zehnergruppe, die Achtzigerjahre (auch die achtziger Jahre)
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§ 43
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Man setzt Bindestriche in substantivisch
gebrauchten Zusammensetzungen (Aneinanderreihungen), insbesondere bei
substantivisch gebrauchten Infinitiven mit mehr als zwei Bestandteilen.
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Beispiele:
das Entweder-oder, das Teils-teils,
das Als-ob,
das Sowohl-als-auch; der Boogie-Woogie, das Walkie-Talkie
das
Auf-die-lange-Bank-Schieben, das An-den-Haaren-Herbeiziehen, das
In-den-Tag-Hineinträumen, das Von-der-Hand-in-den-Mund-Leben
E: Dies gilt nicht für übersichtliche
Zusammensetzungen mit Infinitiv, zum Beispiel: das Autofahren, das
Ballspielen, beim Walzertanzen, das Inkrafttreten
Zur Groß- und Kleinschreibung siehe § 57
E3.
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§ 44
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Man setzt einen Bindestrich zwischen allen
Bestandteilen mehrteiliger Zusammensetzungen, in denen eine Wortgruppe
oder eine Zusammensetzung mit Bindestrich auftritt, sowie in
unübersichtlichen Zusammensetzungen aus gleichrangigen, nebengeordneten
Adjektiven.
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Dies betrifft
(1) mehrteilige Zusammensetzungen, in
denen eine
Wortgruppe oder eine Zusammensetzung mit Bindestrich auftritt, zum
Beispiel:
A-Dur-Tonleiter, D-Zug-Wagen,
S-Kurven-reich
(aber kurvenreich), Vitamin-B-haltig (aber vitaminhaltig),
K.-o.-Schlag,
UV-Strahlen-gefährdet
(aber strahlengefährdet), Dipl.-Ing.-Ök.
2-Euro-Stück,
800-Jahr-Feier, 40-Stunden-Woche, 55-Cent-Briefmarke,
8-Zylinder-Motor, 400-m-Lauf, 2-kg-Büchse, 3-Zimmer-Wohnung,
1/2-kg-Packung
Berg-und-Tal-Bahn, Frage-und-Antwort-Spiel;
Kopf-an-Kopf-Rennen, Mund-zu-Mund-Beatmung,
Wort-für-Wort-Übersetzung
Arzt-Patient-Verhältnis,
Grund-Folge-Beziehung, Links-rechts-Kombination,
Hals-Nasen-Ohren-Klinik, Ost-West-Gespräche, September-Oktober-Heft
(auch September/Oktober-Heft; siehe § 106(1))
Ad-hoc-Bildung,
Als-ob-Philosophie, De-facto-Anerkennung, Do-it-yourself-Bewegung,
Erste-Hilfe-Lehrgang, Go-go-Girl, Rooming-in-System; Make-up-freie
Haut, Ruhe-vor-dem-Sturm-artig, Fata-Morgana-ähnlich;
Trimm-dich-Pfad
Abend-Make-up, Wasch-Eau-de-Cologne
(2) unübersichtliche Zusammensetzungen
aus
gleichrangigen, nebengeordneten Adjektiven, zum Beispiel:
der wissenschaftlich-technische
Fortschritt, ein
lateinisch-deutsches Wörterbuch, deutsch-österreichische
Angelegenheiten; manisch-depressives Verhalten;
physikalisch-chemisch-biologische Prozesse
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§ 45
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Man kann einen Bindestrich setzen zur Hervorhebung
einzelner Bestandteile, zur Gliederung unübersichtlicher
Zusammensetzungen, zur Vermeidung von Missverständnissen oder beim
Zusammentreffen von drei gleichen Buchstaben.
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Dies betrifft
(1) Hervorhebung einzelner Bestandteile,
zum
Beispiel:
der dass-Satz, die Ich-Erzählung, das
Ist-Aufkommen, die Kann-Bestimmung, die Soll-Stärke; die Hoch-Zeit,
das Nach-Denken, Vor-Sätze, be-greifen
(2) unübersichtliche Zusammensetzungen,
zum
Beispiel:
Arbeiter-Unfallversicherungsgesetz,
Haushalt-Mehrzweckküchenmaschine, Lotto-Annahmestelle,
Mosel-Winzergenossenschaft, Software-Angebotsmesse,
Ultraschall-Messgerät
(3) Vermeidung von Missverständnissen,
zum Beispiel:
Drucker-Zeugnis und Druck-Erzeugnis,
Musiker-Leben
und Musik-Erleben; re-integrieren
(4) Zusammentreffen von drei gleichen
Buchstaben in
Zusammensetzungen, zum Beispiel:
Hawaii-Inseln, Kaffee-Ersatz,
See-Elefant,
Zoo-Orchester; Bett-Tuch, Schiff-Fahrt, Schrott-Transport
E1: Aus anderen Sprachen stammende
Verbindungen aus
Substantiv + Substantiv, die sich im Deutschen grammatisch wie
Zusammensetzungen verhalten, werden zusammengeschrieben; ebenso ist
die verdeutlichende Schreibung mit Bindestrich möglich: Sexappeal
(Sex-Appeal), Sciencefiction (Science-Fiction), Shoppingcenter
(Shopping-Center), Desktoppublishing (Desktop-Publishing),
Midlifecrisis (Midlife-Crisis)
Zur Groß- und Kleinschreibung siehe §
55(1) und §
55(3).
Zu Verbindungen aus Adjektiv + Substantiv
siehe § 37
E4.
E2: Aus dem Englischen stammende
Substantivierungen
aus Verb + Adverb schreibt man mit Bindestrich; das Adverb wird dann
kleingeschrieben, zum Beispiel: Make-up, Go-in
Daneben ist auch Zusammenschreibung
möglich, sofern
die Lesbarkeit nicht beeinträchtigt ist, zum Beispiel: Count-down
(Countdown), Come-back (Comeback), Knock-out (Knockout), Stand-by
(Standby)
D Groß- und Kleinschreibung
0 Vorbemerkungen
(1) Die Großschreibung, das heißt die Schreibung mit
einem
großen Anfangsbuchstaben, dient dem Schreibenden dazu, den Anfang
bestimmter Texteinheiten sowie Wörter bestimmter Gruppen zu
kennzeichnen und sie dadurch für den Lesenden hervorzuheben.
(2) Die Großschreibung wird im Deutschen verwendet zur
Kennzeichnung von
(3) Die Abgrenzung von Groß- und Kleinschreibung, wie
sie sich in
der Tradition der deutschen Orthografie herausgebildet hat, macht es
erforderlich, neben den Regeln für die Großschreibung auch Regeln
für die Kleinschreibung zu formulieren. Diese werden in den
einzelnen Teilabschnitten jeweils im Anschluss an die
Großschreibungsregeln angegeben. In einigen Fallgruppen ist eine
eindeutige Zuweisung zur Groß- oder Kleinschreibung fragwürdig.
Hier sind beide Schreibungen zulässig.
(4) Entsprechend gliedert sich die folgende Darstellung
in die
Abschnitte:
1 Kennzeichnung des Anfangs bestimmter Texteinheiten
durch Großschreibung (§ 53: Überschriften, Werktitel und
dergleichen; § 54: Ganzsätze)
2 Anwendung von Groß- oder
Kleinschreibung bei bestimmten Wörtern und Wortgruppen
2.1
Substantive und Desubstantivierungen (§ 55 bis § 56)
2.2
Substantivierungen (§ 57 bis § 58)
2.3 Eigennamen mit ihren
nichtsubstantivischen Bestandteilen sowie Ableitungen von Eigennamen
(§ 59 bis § 62)
2.4 Feste Verbindungen aus Adjektiv und
Substantiv (§ 63 bis § 64)
2.5 Anredepronomen und Anreden (§ 65
bis § 66)
1 Kennzeichnung des Anfangs bestimmter
Texteinheiten durch Großschreibung
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§ 53
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Das erste Wort einer Überschrift, eines
Werktitels, einer Anschrift und dergleichen schreibt man groß.
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Dies betrifft unter anderem
(1) Überschriften und Werktitel (etwa von Büchern und
Theaterstücken, Werken der Bildenden Kunst und der Musik, Rundfunk-
und Fernsehproduktionen), zum Beispiel:
Allmähliche Normalisierung im Erdbebengebiet
Hohe
Schneeverwehungen behindern Autoverkehr
Keine Chance für eine
diplomatische Lösung!
Kleines Wörterbuch der Stilkunde
Wo
warst du, Adam?
Der kaukasische Kreidekreis
Der grüne
Heinrich
Hundert Jahre Einsamkeit
Ungarische Rhapsodie
Unter
den Dächern von Paris
Ein Fall für zwei
(2) Titel von Gesetzen, Verträgen, Deklarationen und
dergleichen
sowie Bezeichnungen für Veranstaltungen, zum Beispiel:
Bayerisches Hochschulgesetz
Potsdamer
Abkommen
Internationaler Ärzte- und Ärztinnenkongress
Grüne
Woche (in Berlin)
E1: Die Großschreibung des ersten Wortes bleibt auch
dann
erhalten, wenn eine Überschrift, ein Werktitel und dergleichen
innerhalb eines Textes gebraucht wird, zum Beispiel: Das
Theaterstück „Der kaukasische Kreidekreis” steht auf dem
Programm. Sie lesen Kellers Roman „Der grüne Heinrich”.
Wird dabei am Anfang ein Titel und dergleichen verkürzt
oder sein
Artikel verändert, so schreibt man das nächstfolgende Wort des
Titels groß, zum Beispiel: Wir haben im Theater Brechts
„Kaukasischen Kreidekreis” gesehen. Sie lesen den „Grünen
Heinrich”.
Zur Schreibung nach Gliederungsangaben oder nach
Auslassungszeichen und Zahlen siehe § 54(5) und (6). Zum Gebrauch
der Anführungszeichen siehe § 94(1).
(3) Anschriften, Datumszeilen und Anreden sowie
Grußformeln etwa
in Briefen, zum Beispiel:
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Frau
Ulla Schröder
Rüdesheimer Str. 29
D-65197 Wiesbaden
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Donnerstag, 16. Februar 2006
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Sehr geehrte Frau Schröder,
entsprechend unserer
telefonischen Vereinbarung ...
... erwarten wir Ihre Antwort.
Mit freundlichen Grüßen
Werner Meier
E2: Wenn man nach der Anrede – wie in der Schweiz üblich
–
auf ein Satzzeichen verzichtet, schreibt man das erste Wort des
folgenden Abschnitts groß.
Siehe auch § 69 E3.
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§ 54
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Das erste Wort eines Ganzsatzes schreibt man groß.
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Beispiele:
Gestern hat es geregnet. Du kommst bitte morgen! Hat
er das
wirklich gesagt?
Nachdem sie von der Reise zurückgekehrt war,
hatte sie den dringenden Wunsch, ein Bad zu nehmen. Im Hausflur war
es still, ich drückte erwartungsvoll auf die Klingel. Meine Freundin
hatte den Zug versäumt, deshalb kam sie eine halbe Stunde zu spät.
Wir sehen nach, was Paul macht. Sehen Sie nur, wie schön die
Aussicht ist. Haben Sie ihn aufgefordert, die Wohnung zu
verlassen?
Kommt doch schnell! Bitte die Türen schließen und
Vorsicht bei der Abfahrt des Zuges!
Ob sie heute kommt? Nein,
morgen. Warum nicht? Gute Reise!
Vorwärts! Vgl. Anlage 3, Ziffer
7.
Alles war zerstört: das Haus, der Stall, die Scheune. Die
Teeküche kann zu folgenden Zeiten benutzt werden: morgens von 7 bis
8 Uhr, abends von 18 bis 19 Uhr.
Im Einzelnen ist zu beachten:
(1) Wird die nach dem Doppelpunkt folgende Ausführung
als
Ganzsatz verstanden, so schreibt man das erste Wort groß, zum
Beispiel:
Beachten Sie bitte folgenden Hinweis: Alle Bänke sind
frisch
gestrichen. Die Regel lautet: Würfelt man eine Sechs, dann ...
(2) Das erste Wort der wörtlichen Rede schreibt man
groß, zum
Beispiel:
Sie fragte: „Kommt er heute?” Er sagte: „Wir wissen
es
nicht.” Alle baten: „Bleib!”
(3) Folgt dem wörtlich Wiedergegebenen der Begleitsatz
oder ein
Teil von ihm, so schreibt man das erste Wort nach dem abschließenden
Anführungszeichen klein, zum Beispiel:
„Hörst du?”, fragte sie. „Ich verstehe dich gut”,
antwortete er. „Mit welchem Recht”, fragte er, „willst du das
tun?” Sie rief mir zu: „Wir treffen uns auf dem Schulhof!”, und
lief weiter.
(4) Das erste Wort von Parenthesen schreibt man klein,
wenn es
nicht nach einer anderen Regel großzuschreiben ist, zum Beispiel:
Eines Tages, es war mitten im Sommer, hagelte es. Er
behauptete
– so eine Frechheit! –, dass er im Kino gewesen sei. Sie hat das
(erinnerst du dich?) gestern gesagt.
Zu den Satzzeichen siehe § 77(1), § 84(1), § 86(1).
(5) Gliederungsangaben wie Ziffern, Paragrafen,
Buchstaben gehören
nicht zum nachfolgenden Ganzsatz; entsprechend schreibt man das
folgende Wort groß. Dies gilt auch für Überschriften, Werktitel
und dergleichen. Beispiele:
3. Die Besitzer und Besitzerinnen von Haustieren
sollten ...
§
13 Die Behandlung sollte sofort einsetzen.
c) Vgl. Anlage 3,
Ziffer 7.
2 Die Säugetiere
(6) Auslassungspunkte, Apostroph oder Zahlen zu Beginn
eines
Ganzsatzes gelten als Satzanfang; entsprechend bleibt die Schreibung
des folgenden Wortes unverändert. Dies gilt auch für Überschriften,
Werktitel und dergleichen. Beispiele:
... und gab keine Antwort.
's ist schade um sie.
52 volle
Wochen hat das Jahr.
2 Anwendung von Groß- oder
Kleinschreibung bei bestimmten Wörtern und Wortgruppen
2.1 Substantive und Desubstantivierungen
| § 55 |
Substantive schreibt man groß. |
Beispiele:
Tisch, Wald, Milch, Mond, Genie, Team, Ladung,
Feuer,
Wasser, Luft, Sandkasten
Verständnis, Verantwortung, Freiheit, Aktion
Gabriela, Markus, Europa, Wien, Alpen
Substantive dienen der Bezeichnung von Gegenständen,
Lebewesen und
abstrakten Begriffen. Sie besitzen in der Regel ein festes Genus
(Maskulinum, Femininum, Neutrum) und sind im Numerus (Singular, Plural)
und im Kasus (Nominativ, Genitiv, Dativ, Akkusativ) bestimmt.
Die Großschreibung gilt auch
(1) für nichtsubstantivische Wörter, wenn sie am Anfang
einer
Zusammensetzung mit Bindestrich stehen, die als Ganzes die
Eigenschaften eines Substantivs hat, zum Beispiel:
die Ad-hoc-Entscheidung, der A-cappella-Chor
(vgl.
auch § 55 E2), das In-den-Tag-hinein-Leben (vgl. auch § 57(2)),
der Trimm-dich-Pfad, die X-Beine, die S-Kurve
Abkürzungen sowie zitierte Wortformen und
Einzelbuchstaben und
dergleichen bleiben allerdings unverändert, zum Beispiel:
die km-Zahl, die pH-Wert-Bestimmung, der dass-Satz,
die
x-Achse, der i-Punkt (der Punkt auf dem kleinen i)
(2) für Substantive – auch Initialwörter (§ 102(2)) und
Einzelbuchstaben, sofern sie nicht als Kleinbuchstaben zitiert sind –
als Teile von Zusammensetzungen mit Bindestrich, zum Beispiel:
die Natrium-Chlor-Verbindung, der 400-Meter-Lauf,
zum
Aus-der-Haut-Fahren (vgl. auch § 57(2))
pH-Wert-neutral, Napoleon-freundlich, S-Kurven-reich, Formel-1-tauglich
UV-empfindlich, T-förmig (in der Form eines großen T), S-förmig
oder s-förmig (in der Form eines großen S bzw. eines
kleinen s), x-beliebig
(3) für Substantive aus anderen Sprachen, wenn sie nicht
als
Zitatwörter gemeint sind. Sind sie mehrteilig, wird der erste Teil
großgeschrieben. Beispiele:
das Crescendo, der Drink, das Center, die Ratio;
die
Conditio sine qua non, das Cordon bleu, eine Terra incognita; das
Know-how, das Make-up
Substantivische Bestandteile werden auch im Innern
mehrteiliger
Fügungen großgeschrieben, die als Ganzes die Funktion eines Substantivs
haben, zum Beispiel:
die Alma Mater, die Ultima Ratio, das
Desktop-Publishing, der Soft Drink, der Sex-Appeal, das Corned Beef
E1: Teilweise wird auch zusammengeschrieben, siehe
Getrennt- und
Zusammenschreibung, § 37 E3 und E4, und Schreibung mit Bindestrich, §
44 und § 45. Beispiele: der Softdrink, der Sexappeal, das Cornedbeef
(4) für Substantive, die Bestandteile fester Gefüge sind
und nicht mit
anderen Bestandteilen des Gefüges zusammengeschrieben werden (siehe
dazu auch Teil B, Getrennt- und Zusammenschreibung, § 34(3) und § 39),
zum Beispiel:
auf Abruf, in Bälde, in/mit Bezug auf, im Grunde,
auf
Grund (auch aufgrund); zu Grunde gehen (auch zugrunde
gehen), zu Händen von (aber zuhanden von), in
Hinsicht auf (aber infolge), zur Not (aber vonnöten),
zur Seite, von Seiten, auf Seiten (auch aufseiten,
vonseiten)
etwas außer Acht lassen, die Haare stehen jemandem zu
Berge, in Betracht kommen, zu Hilfe kommen, in Kauf nehmen
Auto fahren, Rad fahren, Maschine schreiben, Kegel schieben, Diät
leben, Folge leisten, Hof halten, Not leiden, Gefahr laufen, Modell
sitzen, Radio hören, Tee trinken, Unkraut jäten, Zeitung lesen
Ernst machen mit etwas, Wert legen auf etwas, Angst
haben, jemandem Angst (und Bange) machen, (keine) Schuld tragen
(vgl. aber § 34(2.3) sowie § 56(1) und § 56 E2, zum Beispiel: etwas
ernst nehmen; ernst sein/werden, recht sein, unrecht sein; recht/Recht
haben)
zum ersten Mal (aber nach § 39(1): einmal,
diesmal, manchmal)
eines Abends, des Nachts, letzten Endes, guten Mutes,
schlechter Laune (aber nach § 56(3): abends, nachts; aber
nach § 39(1): keinesfalls, andernorts)
E2: In festen adverbialen Fügungen, die als Ganzes aus
einer fremden
Sprache entlehnt worden sind, gilt Kleinschreibung, zum Beispiel:
a cappella, in flagranti, à discrétion, de jure, de
facto, in nuce, pro domo, ex cathedra, coram publico
Zu Schreibungen wie A-cappella-Chor,
De-facto-Anerkennung siehe
oben Absatz (1).
(5) für Zahlsubstantive, zum Beispiel:
ein Dutzend, das Schock (= 60 Stück), das
Paar
(aber ein paar = einige), das Hundert (zum Beispiel: das
erste Hundert Schrauben), das Tausend, eine Million, eine
Milliarde, eine Billion
Zu Dutzend, Hundert und Tausend siehe auch § 58
E5.
(6) für Ausdrücke, die als Bezeichnung von Tageszeiten
nach den
Adverbien vorgestern, gestern, heute, morgen, übermorgen
auftreten, zum Beispiel:
Wir treffen uns heute Mittag. Die Frist läuft
übermorgen
Mitternacht ab. Sie rief gestern Abend an.
Zu Verbindungen wie (am) Dienstagabend siehe §
37(1.1).
| § 56 |
Klein schreibt man Wörter, die formgleich als
Substantive vorkommen, aber selbst keine substantivischen Merkmale
aufweisen. |
Dies betrifft
(1) Wörter, die vorwiegend prädikativ gebraucht werden,
wie angst,
bange, feind, freund, gram, klasse, leid, pleite, recht, schuld,
spitze, unrecht, weh in Verbindung mit den Verben sein, bleiben
oder werden.
Beispiele:
Mir wird angst. Uns ist angst und bange. Wir sind
ihr
gram. Sein Spiel ist klasse. Mir ist das alles leid. Die Firma ist
pleite. Das ist mir recht. Er ist schuld daran.
E1: Das gilt auch für Zusammensetzungen mit diesen
Wörtern, zum
Beispiel: Er ist ihm spinnefeind.
E2: Groß- wie kleingeschrieben werden können recht/Recht
und unrecht/Unrecht
in Verbindung mit Verben wie behalten, bekommen, geben, haben, tun,
zum Beispiel:
Ich gebe ihm recht/Recht. Du tust ihm
unrecht/Unrecht.
(2) den ersten Bestandteil unfest zusammengesetzter
Verben auch in
getrennter Stellung (siehe § 34(3)), zum Beispiel:
Ich nehme daran teil (teilnehmen). Die Besprechung
findet am Freitag statt (stattfinden). Die Stadt stand kopf
(kopfstehen). Man konnte ihm ansehen, wie leid es ihm tat (leidtun). Es
nimmt mich wunder (wundernehmen).
E3: Wird ein Substantiv mit dem Infinitiv nicht
zusammengeschrieben, so
schreibt man es entsprechend § 55(4) groß, zum Beispiel: Ich nehme
daran Anteil (Anteil nehmen). Du fährst Auto, und ich fahre Rad (Auto
fahren, Rad fahren). Sie leistete der Aufforderung nicht Folge (Folge
leisten).
(3) Adverbien, Präpositionen, Konjunktionen auf -s
und -ens,
zum Beispiel:
abends, anfangs, donnerstags, schlechterdings,
morgens,
hungers (hungers sterben), willens, rechtens (rechtens sein, etwas
rechtens machen); abseits, angesichts, mangels, mittels, namens,
seitens; falls, teils ... teils
(4) die folgenden Präpositionen:
dank, kraft (kraft ihres Amtes), laut, statt, an
...
statt (an Kindes statt, an seiner statt), trotz, wegen, von ... wegen
(von Amts wegen), um ... willen, zeit (zeit seines Lebens)
(5) die folgenden unbestimmten Zahlwörter:
ein bisschen (= ein wenig), ein paar (= einige)
Beispiele:
ein bisschen Leim, dieses kleine bisschen Leim; ein
paar
Steine, diese paar Steine (aber nach § 55(5): ein Paar Schuhe)
(6) Bruchzahlen auf -tel und -stel
(6.1) vor Maßangaben (siehe auch § 37 E5), zum Beispiel:
ein zehntel Millimeter, ein viertel Kilogramm, in
fünf
hundertstel Sekunden, nach drei viertel Stunden
E4: Hier ist auch Zusammenschreibung nach § 37 E5
möglich, zum
Beispiel: ein Zehntelmillimeter, ein Viertelkilogramm, in fünf
Hundertstelsekunden, nach drei Viertelstunden
(6.2) in Uhrzeitangaben unmittelbar vor Kardinalzahlen,
zum Beispiel:
um viertel fünf, gegen drei viertel acht
E5: In allen übrigen Fällen schreibt man Bruchzahlen auf
-tel
und -stel entsprechend § 55 groß, zum Beispiel: ein Drittel,
das erste Fünftel, neun Zehntel des Umsatzes, um drei Viertel größer,
um [ein] Viertel vor fünf
2 Anwendung von Groß- oder
Kleinschreibung bei bestimmten Wörtern und Wortgruppen
2.2 Substantivierungen
| § 57 |
Wörter anderer Wortarten schreibt man groß, wenn
sie als Substantive gebraucht werden (= Substantivierungen). |
Substantivierte Wörter nehmen die Eigenschaften von
Substantiven an (vgl. § 55). Man erkennt sie im Text an zumindest einem
der folgenden Merkmale:
| a) |
an einem vorausgehenden Artikel (der, die,
das; ein, eine, ein), Pronomen (dieser, jener, welcher, mein,
kein, etwas, nichts, alle, einige ...) oder unbestimmten Zahlwort (ein
paar, genug, viel, wenig ...), die sich auf das substantivierte
Wort beziehen; |
| b) |
an einem vorangestellten adjektivischen Attribut
oder einem nachgestellten Attribut, das sich auf das substantivierte
Wort bezieht; |
| c) |
an ihrer Funktion als kasusbestimmtes Satzglied
oder kasusbestimmtes Attribut. |
Siehe dazu folgende Beispiele:
Das Inkrafttreten (a, b, c) des Gesetzes verzögert
sich.
Er übersah alles Kleingedruckte (a, c). Das Ausschlaggebende (a, b, c)
für ihre Einstellung war ihr sicheres Auftreten (a, b, c). Nichts
Menschliches (a, c) war ihr fremd. Das Deutsche (a, c) gilt als schwere
Sprache. Sie bot ihr das Du (a, c) an. Der Beschluss fiel nach langem
Hin und Her (b, c). Bananen kosten jetzt das Zweifache (a, b, c) des
früheren Preises. Lesen und Schreiben (c) sind Kulturtechniken. Sie
brachte eine Platte mit Gebratenem (c). Du sollst Gleiches (c) nicht
mit Gleichem (c) vergelten. Man sagt, Liebende (c) seien blind.
E1: Zahlreiche Substantivierungen sind ein fester
Bestandteil des
Substantivwortschatzes geworden, zum Beispiel: das Essen, das
Herzklopfen, das Leben, das Deutsche, die Grünen, die Studierenden,
der/die Angestellte, das Durcheinander, das Jenseits, das
Vergissmeinnicht
Die folgende Aufgliederung der Großschreibung von
Substantivierungen
ist nach Wortarten geordnet.
(1) Substantivierte Adjektive und adjektivisch
gebrauchte Partizipien,
besonders auch in Verbindung mit Wörtern wie alles, allerlei,
etwas, genug, nichts, viel, wenig, zum Beispiel:
Wir wünschen alles Gute. Zum Aperitif gab es Süßes
und
Salziges. Geh nicht mit Unbekannten! Das Ausschlaggebende für die
Einstellung war ihre Erfahrung. Er hat nichts/wenig/etwas/viel
Bedeutendes geschrieben. Das nie Erwartete trat ein. Sie hatte nur
Angenehmes erlebt. Der Umsatz war dieses Jahr um das Dreifache höher.
Das andere Gebäude war um ein Beträchtliches höher. Das ist das einzig
Richtige, was du tun kannst. Es wäre wohl das Richtige, wenn wir noch
einmal darüber reden. Bitte lesen Sie das unten Stehende/unten
Stehendes genau durch. Wir haben das Folgende/Folgendes verabredet. Wir
werden das im Folgenden noch genauer darstellen. Des Näheren vermag ich
mich nicht zu entsinnen. Sie hat mir die Sache des Näheren erläutert.
Wir haben alles des Langen und Breiten diskutiert. Wir wohnen im
Grünen. Beim Umweltschutz liegen noch viele Dinge im Argen. Wir sind
uns im Großen und Ganzen einig. Die Arbeiten sind im Allgemeinen nicht
schlecht geraten. Das ist im Wesentlichen richtig. Im Einzelnen sind
aber noch Verbesserungen möglich. Plötzlich ertönte eine Stimme aus dem
Dunkeln. Die Polizei tappt im Dunkeln. Die Direktorin war auf dem
Laufenden.
Sie war unsere Jüngste. Das Beste, was dieser
Ferienort
bietet, ist die Ruhe. Es ist das Beste, wenn du kommst. Es änderte sich
nicht das Geringste. Dies geschieht zum Besten unserer Kinder. Er gab
wieder einmal eine seiner Geschichten zum Besten. Sie konnte uns vor
dem Ärgsten bewahren. Daran haben wir nicht im Entferntesten gedacht.
Sie war bis ins Kleinste vorbereitet. Sie war aufs Schrecklichste/auf
das Schrecklichste gefasst. Sie hat uns aufs Herzlichste/auf das
Herzlichste begrüßt (siehe auch § 58 E1).
Die Pest traf Hohe und Niedrige/Hoch und Niedrig.
Diese
Musik gefällt Jungen und Alten/Jung und Alt. Die Teilnehmenden
diskutierten über den Konflikt zwischen Jungen und Alten/zwischen Jung
und Alt. Das ist ein Fest für Junge und Alte/für Jung und Alt.
Sie trug das kleine Schwarze. Der Zeitungsbericht
traf ins Schwarze. Wenn man Schwarz mit Weiß mischt, entsteht Grau. Die
Ampel schaltete auf Rot. Wir liefern das Gerät in Grau oder Schwarz.
Das Englische ist eine Weltsprache. Ihr Englisch
hatte einen südamerikanischen Akzent. Mit Englisch kommt man überall
durch. In Ostafrika verständigt man sich am besten auf Swahili oder auf
Englisch.
E2: Gelegentlich ist Groß- oder Kleinschreibung möglich,
zum Beispiel: Sie
spricht Englisch (was? – die englische Sprache)/englisch
(wie?).
Ordnungszahladjektive sowie sinnverwandte Adjektive, zum
Beispiel:
Die Miete ist am Ersten jedes Monats zu bezahlen.
Er ist
schon der Zweite, der den Rekord des vergangenen Jahres überboten hat.
Jeder Fünfte lehnte das Projekt ab. Endlich war sie die Erste im Staat.
Dieses Vorgehen verletzte die Rechte Dritter. Er kam als Dritter an die
Reihe. Er kam vom Hundertsten ins Tausendste. Fürs Erste wollen wir
nicht mehr darüber reden. Die Nächste bitte! Liebe deinen Nächsten wie
dich selbst! Trotz ihrer Verletzung wurde sie noch Viertletzte. Als
Letztes muss der Deckel angeschraubt werden. Arthur und Armin gingen
unterschiedliche Wege: der Erste/Ersterer wurde Beamter, der Zweite/der
Letzte/Letzterer hatte als Schauspieler Erfolg.
Unbestimmte Zahladjektive (siehe aber auch § 58(5)), zum
Beispiel:
Den Kometen haben Unzählige (Ungezählte, Zahllose)
gesehen. Ich muss noch Verschiedenes erledigen. Er hatte das Ganze
rasch wieder vergessen. Der Kongress war als Ganzes ein Erfolg. Das
muss jeder Einzelne mit sich selbst ausmachen. Anita war die Einzige,
die alles wusste. Alles Übrige besprechen wir morgen. Er gab sein Geld
für alles Mögliche aus.
(2) Substantivierte Verben, zum Beispiel:
Das Lesen fällt mir schwer. Sie hörten ein starkes
Klopfen. Wer erledigt das Fensterputzen? Viele waren am Zustandekommen
des Vertrages beteiligt. Die Sache kam ins Stocken. Das ist zum Lachen.
Euer Fernbleiben fiel uns auf. Uns half nur noch lautes Rufen. Die
Mitbewohner begnügten sich mit Wegsehen und Schweigen.
Sie wollte auf Biegen und Brechen gewinnen. Er klopfte mit Zittern und
Zagen an. Ich nehme die Tabletten auf Anraten meiner Ärztin.
Sie hat ihr Soll erfüllt. Dies ist ein absolutes Muss.
Bei mehrteiligen Fügungen, deren Bestandteile mit einem
Bindestrich
verbunden werden, schreibt man das erste Wort, den Infinitiv und die
anderen substantivischen Bestandteile groß (siehe auch § 55(1) und
(2)), zum Beispiel:
es ist zum Auf-und-davon-Laufen, das
Hand-in-Hand-Arbeiten, das Inden-Tag-hinein-Leben
E3: Gelegentlich ist bei einfachen Infinitiven Groß-
oder
Kleinschreibung möglich, zum Beispiel: Der Gehörgeschädigte lernt
Sprechen. (Wie: Der Gehörgeschädigte lernt das Sprechen/das
deutliche Sprechen.) Oder: Der Gehörgeschädigte lernt sprechen.
(Wie: Der Gehörgeschädigte lernt deutlich sprechen.) (Ebenso:) Bekanntlich
ist Umlernen/umlernen schwieriger als Dazulernen/dazulernen. Doch geht
Probieren/probieren über Studieren/ studieren.
(3) Substantivierte Pronomen (vgl. aber auch § 58(4)),
zum Beispiel:
Sie hatte ein gewisses Etwas. Er bot ihm das Du an.
Das
ist ein Er, keine Sie. Wir standen vor dem Nichts. Er konnte Mein und
Dein nicht unterscheiden.
(4) Substantivierte Grundzahlen als Bezeichnung von
Ziffern, zum
Beispiel:
Er setzte alles auf die Vier. Sie fürchtete sich
vor der
Dreizehn. Der Zeiger nähert sich der Elf. Sie hat lauter Einsen im
Zeugnis. Er würfelt eine Sechs.
(5) Substantivierte Adverbien, Präpositionen,
Konjunktionen,
Interjektionen, zum Beispiel:
Es gab ein großes Durcheinander. Mich störte das
ewige
Hin und Her. Ich will das noch im Diesseits erleben. Auf das Hier und
Jetzt kommt es an. Das Danach war ihr egal. Es gibt kein Übermorgen.
Sie hatte so viel wie möglich im Voraus erledigt. Im Nachhinein wussten
wir es besser. Er stand im Aus. Sie überlegte sich das Für und Wider
genau. Sein ständiges Aber stört mich. Es kommt nicht nur auf das Dass
an, sondern auch auf das Wie. Er erledigte es mit Ach und Krach. Ein
vielstimmiges Ah ertönte. Ihr freudiges Oh freute ihre Kolleginnen. Das
Nein fällt ihm schwer.
E4: Bei mehrteiligen substantivierten Konjunktionen, die
mit einem
Bindestrich verbunden werden (siehe § 43), schreibt man nur das erste
Wort groß, zum Beispiel: ein Entweder-oder, das Als-ob, das
Sowohl-als-auch
| § 58 |
In folgenden Fällen schreibt man Adjektive,
Partizipien und Pronomen klein, obwohl sie formale Merkmale der
Substantivierung aufweisen. |
(1) Adjektive, Partizipien und Pronomen, die sich auf
ein vorhergehendes oder nachstehendes Substantiv beziehen, zum
Beispiel:
Sie war die aufmerksamste und klügste meiner
Zuhörerinnen. Vor dem Haus spielten viele Kinder, einige kleine im
Sandkasten, die größeren am Klettergerüst. Es waren neun Teilnehmer
erschienen, auf den zehnten wartete man vergebens. Alte Schuhe sind
meist bequemer als neue. Dünne Bücher lese ich in der Freizeit, dicke
im Urlaub. Zwei Männer betraten den Raum; der erste trug einen Anzug,
der zweite Jeans und Pullover. Leih mir bitte deine Farbstifte, ich
habe meine/die meinen/die meinigen vergessen. Der Verkäufer zeigte mir
seine Auswahl an Krawatten. Die gestreiften und gepunkteten gefielen
mir am besten.
(2) Superlative mit „am”, nach denen mit „Wie?” gefragt
werden kann,
zum Beispiel:
Dieser Weg ist am steilsten. (Frage: Wie ist
der
Weg?) Dieser Stift schreibt am feinsten. (Frage: Wie schreibt
dieser Stift?) Der ICE fährt am schnellsten.
E1: Superlative mit „am” gehören zur regulären Flexion
des Adjektivs;
„am” ist in diesen Fügungen nicht in „an dem” auflösbar. Beispiele: Dieser
Weg ist steil – steiler – am steilsten. Dieser Stift schreibt fein –
feiner – am feinsten.
In Anlehnung an diese Fügungen kann man auch feste
adverbiale Wendungen
mit aufs oder auf das, die mit „Wie?” erfragt werden
können, kleinschreiben, zum Beispiel:
Sie hat uns aufs/auf das herzlichste begrüßt.
(Frage: Wie hat sie uns begrüßt?) Der Fall ließ sich aufs/auf das
einfachste lösen.
Superlative, nach denen mit „Woran?” („An was?”) oder
„Worauf?” („Auf
was?”) gefragt werden kann, schreibt man nach § 57(1) groß, zum
Beispiel:
Es fehlt ihnen am/an dem Nötigsten. (Frage:
Woran
fehlt es ihnen?) Wir sind aufs/auf das Beste angewiesen.
(Frage: Worauf sind wir angewiesen?)
(3) bestimmte feste Verbindungen
(3.1) aus Präposition und nichtdekliniertem Adjektiv
ohne vorangehenden
Artikel, zum Beispiel:
Ich hörte von fern ein dumpfes Grollen. Die Pilger
kamen
von nah und fern. Die Ware wird nur gegen bar ausgeliefert. Die Mädchen
hielten durch dick und dünn zusammen. Das wird sich über kurz oder lang
herausstellen. Damit habe ich mich von klein auf beschäftigt.
Er hat die frei erfundene Geschichte für wahr gehalten. Man hat ihn für
dumm verkauft. Sie hat sich die Argumentation zu eigen gemacht.
Das werde ich dir schwarz auf weiß beweisen. Die Stimmung war grau in
grau.
(3.2) aus Präposition und dekliniertem Adjektiv ohne
vorangehenden
Artikel. In diesen Fällen ist jedoch auch die Großschreibung des
Adjektivs zulässig, zum Beispiel:
Aus der Brandruine stieg von neuem/Neuem Rauch auf.
Wir
konnten das Feuer nur von weitem/Weitem betrachten. Der Fahrplan bleibt
bis auf weiteres/Weiteres in Kraft. Unsere Pressesprecherin gibt Ihnen
ohne weiteres/Weiteres Auskunft. Der Termin stand seit
längerem/Längerem fest. Die Aufgabe wird binnen kurzem/Kurzem erledigt.
E2: Substantivierungen, die auch ohne Präposition üblich
sind, werden
nach § 57(1) auch dann großgeschrieben, wenn sie mit einer Präposition
verbunden werden, zum Beispiel:
Die Historikerin beschäftigt sich mit dem Konflikt
zwischen Arm und Reich. Das ist ein Fest für Jung und Alt. Sein
Vorschlag war jenseits von Gut und Böse. (Vgl.: Die Königin lud
Arm und Reich ein. Das Fest gefiel Jung und Alt.)
Die Ampel schaltete auf Rot. Wir liefern das Gerät in
Grau (= in grauer Farbe). (Vgl.: Das ist ein grelles Rot. Sie
hasst Grau.)
Mit Englisch kommst du überall durch. In Ostafrika
verständigt man sich am besten auf Swahili oder Englisch. (Vgl.: Bekanntlich
ist Englisch eine Weltsprache. Sein Englisch war gut verständlich.)
(4) Pronomen, auch wenn sie als Stellvertreter von
Substantiven
gebraucht werden, zum Beispiel:
In diesem Wald hat sich schon mancher verirrt. Ich
habe
mich mit diesen und jenen unterhalten. Wenn einer eine Reise tut, so
kann er was erzählen. Das muss (ein) jeder mit sich selbst ausmachen.
Wir haben alles mitgebracht. Sie hatten beides mitgebracht. Man muss
mit (den) beiden reden.
Zur Großschreibung der Anredepronomen siehe § 65, § 66.
E3: In Verbindung mit dem bestimmten Artikel oder
dergleichen lassen
sich Possessivpronomen auch als substantivische possessive Adjektive
bestimmen, entsprechend kann man hier nach § 57(1) auch großschreiben,
zum Beispiel:
Grüß mir die deinen/Deinen (die deinigen/Deinigen)!
Sie
trug das ihre/Ihre (das ihrige/Ihrige) zum Gelingen bei. Jedem das
seine/Seine!
(5) die folgenden Zahladjektive mit allen ihren
Flexionsformen: viel,
wenig; (der, die, das) eine, (der, die, das) andere
Beispiele:
Das haben schon viele erlebt. Zum Erfolg trugen
auch die
vielen bei, die ohne Entgelt mitgearbeitet haben. Nach dem Brand war
nur noch weniges zu gebrauchen. Sie hat das wenige, was noch da war, in
eine Kiste versorgt. Die meisten haben diesen Film schon einmal
gesehen. Die einen kommen, die anderen gehen. Was der eine nicht tut,
soll der andere nicht lassen. Die anderen kommen später. Das können
auch andere bestätigen. Alles andere erzähle ich dir später. Sie hatte
noch anderes zu tun. Unter anderem wurde auch über finanzielle
Angelegenheiten gesprochen.
E4: Wenn der Schreibende zum Ausdruck bringen will, dass
das
Zahladjektiv substantivisch gebraucht ist, kann er es nach § 57(1) auch
großschreiben, zum Beispiel:
Sie strebte etwas ganz Anderes an. Die Einen sagen
dies,
die Anderen das. Die Meisten stimmten seiner Meinung zu.
(6) Kardinalzahlen unter einer Million, zum Beispiel:
Was drei wissen, wissen bald dreißig. Diese drei
kommen
mir bekannt vor. Sie rief um fünf an. Wir waren an die zwanzig. Er
sollte die Summe durch acht teilen. Dieser Kandidat konnte nicht bis
drei zählen. Wir fünf gehören zusammen. Der Abschnitt sieben fehlt im
Text. Der Mensch über achtzig schätzt die Gesundheit besonders.
E5: Wenn hundert und tausend eine
unbestimmte (nicht in
Ziffern schreibbare) Menge angeben, können sie auch auf die
Zahlsubstantive Hundert und Tausend bezogen werden
(vgl. § 55(5)); entsprechend kann man sie dann klein- oder
großschreiben, zum Beispiel:
Es kamen viele tausende/Tausende von Zuschauern.
Sie
strömten zu aberhunderten/Aberhunderten herein. Mehrere tausend/Tausend
Menschen füllten das Stadion. Der Beifall zigtausender/Zigtausender von
Zuschauern war ihr gewiss.
Entsprechend auch:
Der Stoff wird in einigen Dutzend/dutzend Farben
angeboten. Der Fall war angesichts Dutzender/dutzender von Augenzeugen
klar.
2 Anwendung von Groß- oder
Kleinschreibung bei bestimmten Wörtern und Wortgruppen
2.3 Eigennamen mit ihren
nichtsubstantivischen Bestandteilen
| § 59 |
Eigennamen sowie Ableitungen von Eigennamen
schreibt man groß. |
Eigennamen sind Bezeichnungen zur Identifizierung
bestimmter einzelner Gegebenheiten (eine Person, ein Ort, ein Land,
eine Institution usw.). Viele sind einfache, zusammengesetzte oder
abgeleitete Substantive, zum Beispiel Peter, Wien, Deutschland,
Europa, Südamerika, Bahnhofstraße, Sigmaringen, Albrecht-Dürer-Allee,
Ostsee-Zeitung. Sie werden nach § 55 großgeschrieben. Daneben gibt
es mehrteilige Eigennamen, die häufig auch nichtsubstantivische
Bestandteile enthalten, zum Beispiel Kap der Guten Hoffnung,
Norddeutsche Neueste Nachrichten, Vereinigte Staaten von Amerika.
Im Folgenden wird die Groß- und Kleinschreibung dieser Gruppe von
Eigennamen dargestellt.
| § 60 |
In mehrteiligen Eigennamen mit
nichtsubstantivischen Bestandteilen schreibt man das erste Wort und
alle weiteren Wörter außer Artikel, Präpositionen und Konjunktionen
groß. |
E1: Ein vorangestellter Artikel ist in der Regel nicht
Bestandteil des Eigennamens und wird darum kleingeschrieben.
Zu Ausnahmen siehe unten, Absatz (4.4).
Als Eigennamen im Sinne dieser orthografischen Regelung
gelten:
(l) Personennamen, Eigennamen aus Religion, Mythologie
sowie Beinamen,
Spitznamen und dergleichen, zum Beispiel:
Johann Wolfgang von Goethe, Gertrud von Le Fort,
Charles
de Coster, Ludwig van Beethoven, der Apokalyptische Reiter, Walther von
der Vogelweide, Holbein der Jüngere, der Alte Fritz, Katharina die
Große, Heinrich der Achte, Elisabeth die Zweite; Klein Erna
Präpositionen wie von, van, de, ten, zu(r) in
Personennamen
schreibt man im Satzinnern auch dann klein, wenn ihnen kein Vorname
vorausgeht, zum Beispiel: Der Autor dieses Buches heißt von
Ossietzky.
(2) Geografische und geografisch-politische Eigennamen,
so
(2.1) von Erdteilen, Ländern, Staaten,
Verwaltungsgebieten und
dergleichen, zum Beispiel:
Vereinigte Staaten von Amerika, Freie und
Hansestadt
Hamburg (als Bundesland), Tschechische Republik
(2.2) von Städten, Dörfern, Straßen, Plätzen und
dergleichen, zum
Beispiel:
Neu Lübbenau, Groß Flatow, Rostock Lütten Klein,
Unter
den Linden, Lange Straße, In der Mittleren Holdergasse, Am Tiefen
Graben, An den Drei Pfählen, Hamburger Straße, Neuer Markt
(2.3) von Landschaften, Gebirgen, Wäldern, Wüsten,
Fluren und
dergleichen, zum Beispiel:
Kahler Asten, Hohe Tatra, Holsteinische Schweiz,
Schwäbische Alb, Bayerischer Wald, Libysche Wüste, Goldene Aue,
Thüringer Wald
(2.4) von Meeren, Meeresteilen und -straßen, Flüssen,
Inseln und Küsten
und dergleichen, zum Beispiel:
Stiller Ozean, Indischer Ozean, Rotes Meer, Kleine
Antillen, Großer Belt, Schweriner See, Straße von Gibraltar,
Kapverdische Inseln, Kap der Guten Hoffnung
(3) Eigennamen von Objekten unterschiedlicher Klassen,
so
(3.1) von Sternen, Sternbildern und anderen
Himmelskörpern, zum
Beispiel:
Kleiner Bär, Großer Wagen, Halleyscher Komet
(auch: Halley'scher
Komet; § 62)
(3.2) von Fahrzeugen, bestimmten Bauwerken und
Örtlichkeiten, zum
Beispiel:
die Vorwärts (Schiff), der Blaue Enzian
(Eisenbahnzug), der Fliegende Hamburger (Eisenbahnzug), die
Blaue Moschee (in Istanbul), das Alte Rathaus (in Leipzig),
der Französische Dom (in Berlin), die Große Mauer
(in China), der Schiefe Turm (in Pisa)
(3.3) von einzeln benannten Tieren, Pflanzen und
gelegentlich auch von
Einzelobjekten weiterer Klassen, zum Beispiel:
der Fliegende Pfeil (ein bestimmtes Pferd), die
Alte Eiche (ein bestimmter Baum)
(3.4) von Orden und Auszeichnungen, zum Beispiel:
das Blaue Band des Ozeans, Großer Österreichischer
Staatspreis für Literatur
(4) Eigennamen von Institutionen, Organisationen,
Einrichtungen, so
(4.1) von staatlichen bzw. öffentlichen Dienststellen,
Behörden und
Gremien, von Bildungs- und Kulturinstitutionen und dergleichen, zum
Beispiel:
Deutscher Bundestag, Statistisches Bundesamt,
Mecklenburgisches Staatstheater Schwerin, Naturhistorisches Museum
(in Wien), Grünes Gewölbe (in Dresden), Klinik für Innere
Medizin der Universität Rostock, Akademie für Alte Musik Berlin,
Zweites Deutsches Fernsehen, Eidgenössische Technische Hochschule
(in Zürich)
(4.2) von Organisationen, Parteien, Verbänden, Vereinen
und
dergleichen, zum Beispiel:
Vereinte Nationen, Internationales Olympisches
Komitee,
Deutscher Gewerkschaftsbund, Sozialdemokratische Partei Deutschlands,
Christlich-Demokratische Union, Allgemeiner Deutscher Automobilclub,
Börsenverein des Deutschen Buchhandels, Österreichisches Rotes Kreuz
(4.3) von Betrieben, Firmen, Genossenschaften,
Gaststätten, Geschäften
und dergleichen, zum Beispiel:
Deutsche Bank, Österreichischer Raiffeisenverband,
Bibliographisches Institut (in Mannheim), Deutsche Bahn, Weiße
Flotte, Hotel Vier Jahreszeiten, Gasthaus zur Neuen Post, Zum Goldenen
Anker (Gaststätte), Salzburger Dombuchhandlung,
Rheinisch-Westfälisches Elektrizitätswerk AG
(4.4) von Zeitungen und Zeitschriften und dergleichen,
zum Beispiel:
Berliner Zeitung, Sächsische Neueste Nachrichten,
Deutsch als Fremdsprache, Dermatologische Monatsschrift, Die Zeit
Wird der Artikel am Anfang verändert, so schreibt man
ihn klein, zum
Beispiel: Sie hat das in der Zeit gelesen.
(5) inoffizielle Eigennamen, Kurzformen sowie
Abkürzungen von
Eigennamen, zum Beispiel:
Schwarzer Kontinent, Ferner Osten, Naher Osten,
Vereinigte Staaten, Hohes Haus
A. Müller, Astrid M., A. M. (= Astrid Müller), J. W. v. Goethe; SPD
(= Sozialdemokratische Partei Deutschlands), DGB (= Deutscher
Gewerkschaftsbund), EU (= Europäische Union), SBB (=
Schweizerische Bundesbahnen), ORF (= Österreichischer Rundfunk)
(6) bestimmte historische Ereignisse und Epochen, zum
Beispiel:
der Westfälische Frieden, der Deutsch-Französische
Krieg
1870/1871, der Zweite Weltkrieg, die Goldenen Zwanziger
E2: In einigen der oben genannten Namengruppen kann die
Schreibung im
Einzelfall abweichend festgelegt sein, zum Beispiel:
neue deutsche literatur, profil, konkret
(Zeitschriften); Akademie für Musik und darstellende Kunst
„Mozarteum”; Zur letzten Instanz (Gaststätte)
Zur Kennzeichnung der Namen von Zeitungen und
Zeitschriften mit
Anführungszeichen siehe § 94(1).
| § 61 |
Ableitungen von geografischen Eigennamen auf -er
schreibt man groß. |
Beispiele:
das Bad Krozinger Kurgebiet, die Berliner
Bevölkerung,
die Mecklenburger Landschaft, die New Yorker Kunstszene, der Schweizer
Käse, das St. Galler/Sankt Galler Kloster
Zur Schreibung mit oder ohne Bindestrich siehe § 49 E.
| § 62 |
Kleingeschrieben werden adjektivische
Ableitungen von Eigennamen auf -(i)sch, außer wenn die Grundform
eines Personennamens durch einen Apostroph verdeutlicht wird, ferner
alle adjektivischen Ableitungen mit anderen Suffixen. |
Beispiele:
die darwinsche/die Darwin'sche Evolutionstheorie,
das
wackernagelsche/Wackernagel'sche Gesetz, die
goethischen/goetheschen/Goethe'schen Dramen, die
bernoullischen/Bernoulli'schen Gleichungen
die homerischen Epen, das kopernikanische Weltsystem, die
darwinistische Evolutionstheorie, tschechisches Bier, indischer Tee,
englischer Stoff
mit eulenspiegelhaftem Schalk, eine kafkaeske Stimmung
Zur Schreibung mit Apostroph siehe auch Zeichensetzung,
§ 97 E.
Zur Schreibung mehrteiliger Ableitungen mit Bindestrich
siehe § 49 E.
2 Anwendung von Groß- oder
Kleinschreibung bei bestimmten Wörtern und Wortgruppen
2.4 Feste Verbindungen aus Adjektiv und
Substantiv
| § 63 |
In substantivischen Wortgruppen, die zu festen
Verbindungen geworden, aber keine Eigennamen sind, schreibt man
Adjektive klein. |
Beispiele:
das autogene Training, das neue Jahr, die höhere
Mathematik, die graue Maus, die schöne Bescherung, das tolle Treiben,
der bunte Hund
E: Bei Verbindungen mit einer neuen, idiomatisierten
Gesamtbedeutung
kann der Schreibende zur Hervorhebung dieses besonderen Gebrauchs das
Adjektiv großschreiben, zum Beispiel:
das Schwarze Brett (= Anschlagtafel), der
Weiße
Tod (= Lawinentod)
Kleinschreibung des Adjektivs ist in diesen Fällen der
Regelfall.
| § 64 |
In bestimmten substantivischen Wortgruppen
werden Adjektive großgeschrieben, obwohl keine Eigennamen vorliegen. |
Dies betrifft
(1) Titel, Ehrenbezeichnungen, bestimmte Amts- und
Funktionsbezeichnungen, zum Beispiel:
der Heilige Vater, der Regierende Bürgermeister,
die
Königliche Hoheit, der Technische Direktor
(2) besondere Kalendertage, zum Beispiel:
der Heilige Abend, der Internationale Frauentag,
der
Erste Mai
(3) fachsprachliche Bezeichnungen bestimmter
Klassifizierungseinheiten,
so von Arten, Unterarten oder Rassen in der Botanik und Zoologie, zum
Beispiel:
Fleißiges Lieschen, Grüner Veltliner, Roter Milan,
Schwarze Witwe
E: Die Großschreibung von Adjektiven, die mit dem
Substantiv zusammen
für eine begriffliche Einheit stehen, ist auch in Fachsprachen
außerhalb der Biologie und bei Verbindungen mit terminologischem
Charakter belegt, zum Beispiel:
Gelbe Karte, Goldener Schnitt, Kleine Anfrage;
Erste
Hilfe
In manchen Fachsprachen wird demgegenüber die
Kleinschreibung
bevorzugt, zum Beispiel:
eiserne Lunge, grauer Star, seltene Erden
2.5 Anredepronomen und Anreden
| § 65 |
Das Anredepronomen Sie und das
entsprechende Possessivpronomen Ihr sowie die zugehörigen
flektierten Formen schreibt man groß. |
Beispiele:
Würden Sie mir helfen? Wie geht es Ihnen? Ist das
Ihr
Mantel? Bestehen Ihrerseits Bedenken gegen den Vorschlag?
E1: Großschreibung gilt auch für ältere Anredeformen
wie: Habt Ihr
es Euch überlegt, Fürst von Gallenstein? Johann, führe Er die Gäste
herein.
E2: In Anreden und Titeln wie Seine Majestät, Eure
Exzellenz, Eure
Magnifizenz schreibt man das Pronomen ebenfalls groß.
| § 66 |
Die Anredepronomen du und ihr,
die entsprechenden Possessivpronomen dein und euer
sowie das Reflexivpronomen sich schreibt man klein. |
Beispiele:
Würdest du mir helfen? Hast du dich gut erholt?
Haben
Sie sich schon angemeldet?
E: In Briefen können die Anredepronomen du und ihr
mit
ihren Possessivpronomen auch großgeschrieben werden:
Lieber Freund,
ich schreibe dir/Dir diesen Brief und schicke dir/Dir eure/Eure Bilder
...
E Zeichensetzung
0 Vorbemerkungen
(1) Die Satzzeichen sind Grenz- und Gliederungszeichen.
Sie dienen
insbesondere dazu, einen geschriebenen Text übersichtlich zu
gestalten und ihn dadurch für den Lesenden überschaubar zu machen.
Zudem kann der Schreibende mit den Satzzeichen besondere
Aussageabsichten oder Einstellungen zum Ausdruck bringen oder
stilistische Wirkungen anstreben.
Zu unterscheiden sind Satzzeichen
(2) Daneben dienen bestimmte Zeichen
1 Kennzeichnung des Schlusses von
Ganzsätzen
Der Kennzeichnung des Schlusses von Ganzsätzen dienen:
- der Punkt
- das Ausrufezeichen
-
das Fragezeichen
Ganzsätze im Sinne dieser orthografischen Regelung
zeigen
Beispiele wie:
Gestern hat es geregnet. Du kommst bitte morgen! Hat
er das
wirklich gesagt? Im Hausflur war es still, ich drückte
erwartungsvoll auf die Klingel. Ich hoffe, dass wir uns bald
wiedersehen. Meine Freundin hatte den Zug versäumt; deshalb kam sie
eine halbe Stunde zu spät.
Niemand kannte ihn. Auch der Gärtner
nicht. Bitte die Türen schließen und Vorsicht bei der Abfahrt des
Zuges! Ob er heute kommt? Nein, morgen. Warum nicht? Gute Reise!
Hilfe!
Zu den Zeichen in Verbindung mit Gedankenstrich oder
Klammern
siehe § 85 bzw. § 88.
Zu den Zeichen bei wörtlich Wiedergegebenem siehe § 90.
Zum Gedankenstrich zwischen zwei Ganzsätzen siehe § 83.
|
§ 67
|
Mit dem Punkt kennzeichnet man den Schluss eines
Ganzsatzes.
|
Ich habe ihn gestern gesehen. Sie kommt morgen. Das
Kind
weinte, weil es seinen Schlüssel verloren hatte.
Wir sehen nach,
was Paul macht. Sie habe ihn gestern gesehen, behauptete sie. Sie
forderte ihn auf die Wohnung sofort zu verlassen. Ich wünschte, die
Prüfung wäre vorbei. Sie fragte ungeduldig, ob er endlich käme.
Der Redner stellte die Frage, wie es nach diesen Umweltschäden
weitergehen solle.
Im Hausflur war es still. Ich drückte
erwartungsvoll auf die Klingel.
E1: Wenn aber als mehrteiliger Ganzsatz verstanden,
entsprechend §
71(1) bzw. § 80(1) mit Komma oder Semikolon:
Im Hausflur war es still, ich drückte erwartungsvoll
auf die
Klingel.
Im Hausflur war es still; ich drückte erwartungsvoll auf
die Klingel.
E2: Bei Aufforderungen, denen man keinen besonderen
Nachdruck
geben will, setzt man einen Punkt und kein Ausrufezeichen (hierzu
siehe § 69):
Rufen Sie bitte später noch einmal an. Nehmen Sie
doch Platz.
Vgl. S. 25 seiner letzten Veröffentlichung.
E3: In den folgenden Fällen setzt man keinen Punkt:
|
§ 68
|
Nach freistehenden Zeilen setzt man keinen Punkt.
|
Dies betrifft unter anderem
(1) Überschriften und Werktitel (etwa von Büchern und
Theaterstücken, Werken der Bildenden Kunst und der Musik, Rundfunk-
und Fernsehproduktionen):
Allmähliche Normalisierung im Erdbebengebiet
Schneeverwehungen
behindern Autoverkehr
Chance für eine diplomatische
Lösung
Einführung in die höhere Mathematik
Der kaukasische
Kreidekreis
Die Zauberflöte
Zum Ausrufezeichen siehe § 69 E2(1); zum Fragezeichen
siehe § 70
E2.
(2) Titel von Gesetzen, Verträgen, Deklarationen und
dergleichen
sowie Bezeichnungen für Veranstaltungen:
Bundesgesetz über den Straßenverkehr
Konferenz über
Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa
Internationaler
Ärztekongress
(3) Anschriften und Datumszeilen sowie Grußformeln und
Unterschriften etwa in Briefen:
|
Werner Meier
Gerichtsweg 12
04103 Leipzig
|
|
Donnerstag, 16. Februar 2006
|
Herrn Rudolf Schröder
Rüdesheimer Str. 29
62123
Wiesbaden
Sehr geehrter Herr Schröder,
entsprechend unserer
telefonischen Vereinbarung ...
...
Mit freundlichen Grüßen
Ihr
Werner Meier
Zur Zeichensetzung bei der Anrede etwa in Briefen siehe
§ 69 E3.
|
§ 69
|
Mit dem Ausrufezeichen gibt man dem Inhalt des
Ganzsatzes einen besonderen Nachdruck wie etwa bei nachdrücklichen
Behauptungen, Aufforderungen, Grüßen, Wünschen oder Ausrufen.
|
Ich habe ihn gestern bestimmt gesehen! Komm bitte
morgen! Du
kommst morgen! Lasst uns keine Zeit verlieren! Du musst die Arbeit
abgeben, weil morgen der letzte Termin ist!
Seht nach, was Paul
macht! Sehen Sie nur, wie schön die Aussicht ist! Bitte fordern Sie
ihn auf die Wohnung sofort zu verlassen! Frag ihn, ob er kommt!
Ruhe!
Bitte nicht stören! Zurücktreten! Bitte die Türen schließen und
Vorsicht bei der Abfahrt des Zuges! Guten Morgen! Hoffentlich sehen
wir uns bald wieder! Wäre nur die Prüfung erst einmal vorbei! Wenn
ich dich noch einmal erwische, kannst du was erleben! Das ist ja
großartig! Welch ein Glück! Au! Das tut weh! Nein! Nein!
Zum Punkt nach Aufforderungen ohne besonderen Nachdruck
siehe §
67 E2.
E1: Wenn aber als mehrteiliger Ganzsatz oder als Teile
einer
Aufzählung verstanden, entsprechend § 71 mit Komma (siehe auch §
79(2) und (3)):
Das ist ja großartig, welch ein Glück! Au, das tut
weh! Nein,
nein!
E2: Zur Kennzeichnung eines besonderen Nachdrucks setzt
man auch
nach freistehenden Zeilen ein Ausrufezeichen.
Dies betrifft
(1) Überschriften und Werktitel:
Chance für eine diplomatische Lösung!
Kämpft für den
Frieden!
Endlich!
Zum Punkt siehe § 68(1); zum Fragezeichen siehe § 70 E2.
(2) die Anrede: Sehr geehrter Herr Präsident! Meine
Damen und
Herren!
E3: Nach der Anrede etwa in Briefen kann man ein
Ausrufezeichen
oder entsprechend § 79(1) ein Komma setzen:
Sehr geehrter Herr Schröder!
Entsprechend unserer
telefonischen Vereinbarung ...
Sehr geehrter Herr Schröder,
entsprechend unserer
telefonischen Vereinbarung ...
In der Schweiz auch ohne Zeichen am Ende:
Sehr geehrter Herr Schröder
Entsprechend unserer
telefonischen Vereinbarung ...
|
§ 70
|
Mit dem Fragezeichen kennzeichnet man den Ganzsatz
als Frage.
|
Hast du ihn gestern gesehen? Wann kommst du? Kommst
du wirklich
morgen? Ob er morgen kommt? Soll er ihm einen Brief schreiben oder
ist es besser, dass er ihn anruft?
Habt ihr nachgesehen, was Paul
macht? Sehen Sie, wie schön die Aussicht ist? Haben Sie ihn
aufgefordert die Wohnung sofort zu verlassen? Hat er gefragt, ob
Fritz kommt?
Warst du im Kino? In welchem Film? Dein Freund war
auch mit? Was möchtet ihr trinken: Bier, Wein oder Apfelmost? Ist
das nicht großartig? Ist das nicht ein Glück? Warum? Weshalb?
Weswegen?
E1: Wenn aber als mehrteiliger Ganzsatz oder als Teile
einer
Aufzählung verstanden, entsprechend § 71 mit Komma:
Ist das nicht großartig, ist das nicht ein Glück?
Warum,
weshalb, weswegen?
E2: Zur Kennzeichnung einer Frage setzt man auch nach
freistehenden Zeilen, zum Beispiel nach Überschriften und
Werktiteln, ein Fragezeichen:
Chance für eine diplomatische Lösung? Wo warst du,
Adam? Quo
vadis?
Zum Punkt siehe § 68(1); zum Ausrufezeichen siehe § 69
E2.
2 Gliederung innerhalb von Ganzsätzen
(1) Der Gliederung des Ganzsatzes dienen die folgenden
Satzzeichen:
das Komma
das Semikolon
der Doppelpunkt
der Gedankenstrich
die Klammern
Zu den Auslassungspunkten siehe § 99 bis § 100.
(2) Das Komma wird sowohl einfach als auch paarig
gebraucht:
Er trug einen schwarzen, breitkrempigen Hut. Seine
Kopfbedeckung, ein schwarzer und breitkrempiger Hut, lag auf dem Tisch.
Dasselbe gilt für den Gedankenstrich.
Nur paarig werden die Klammern gebraucht, nur einfach
das Semikolon und
der Doppelpunkt.
(3) Manchmal kann man zwischen verschiedenen Zeichen
wählen:
Im Hausflur war es still, ich drückte
erwartungsvoll auf
die Klingel.
Im Hausflur war es still; ich drückte erwartungsvoll auf die Klingel.
Im Hausflur war es still – ich drückte erwartungsvoll auf die Klingel.
Zur stärkeren Abgrenzung kann man entsprechend § 67 auch
einen Punkt
setzen:
Im Hausflur war es still. Ich drückte
erwartungsvoll auf
die Klingel.
Eines Tages, es war mitten im Sommer, hagelte es. Eines Tages – es war
mitten im Sommer – hagelte es. Eines Tages (es war mitten im Sommer)
hagelte es.
2.1 Komma
| § 71 |
Gleichrangige (nebengeordnete) Teilsätze,
Wortgruppen oder Wörter grenzt man mit Komma voneinander ab. |
Dies betrifft (siehe aber § 72)
(1) gleichrangige Teilsätze:
Im Hausflur war es still, ich drückte
erwartungsvoll auf
die Klingel. Die Musik wird leiser, der Vorhang hebt sich, das Spiel
beginnt. Er dachte angestrengt nach, aber ihr Name fiel ihm nicht ein.
Ich wollte ihm helfen, doch er ließ es nicht zu. Ich wollte ihm helfen,
er ließ es jedoch nicht zu. Das ist ja großartig, welch ein Glück! Ist
das nicht großartig, ist das nicht ein Glück?
Zur Möglichkeit der Wahl zwischen Komma, Semikolon oder
Punkt siehe §
80(1).
Er log beharrlich, er wisse von nichts, er sei es
nicht
gewesen. Wenn das wahr ist, wenn du ihn wirklich nicht gesehen hast,
brauchst du dir keine Vorwürfe zu machen. Er erkundigte sich, was es
Neues gebe, ob Post gekommen sei. Dass sie ihn nicht nur übersah,
sondern dass sie auch noch mit anderen flirtete, kränkte ihn sehr.
(2) gleichrangige Wortgruppen oder Wörter in
Aufzählungen:
Der Nachbar hatte versprochen den Briefkasten zu
leeren,
die Blumen zu gießen, hin und wieder zu lüften. Völlig erschöpft,
hungrig und frierend, vom Regen durchnässt kamen sie nach Hause. Er hat
nicht behauptet in Berlin gewesen zu sein, sondern in Mainz seinen
Onkel besucht zu haben. Sie ärgerte sich ständig über ihren Mann, über
die Kinder, über die Hausbewohner.
Er trug einen schwarzen, breitkrempigen Hut. Das ist ein ausgesprochen
süßes, widerlich klebriges Getränk. (Siehe aber unten E1.)
Zu Fällen wie den folgenden siehe § 77(4): Auf der
Ausstellung
waren viele ausländische, insbesondere holländische Firmen vertreten.
Als er sein Herz ausgeschüttet, das heißt alles erzählt hatte, fühlte
er sich besser.
Die Buchstaben x, y, z bilden den Schluss des
Alphabets.
Frühling, Sommer, Herbst, Winter.
Er fährt nicht mit dem Auto, sondern mit dem Zug. Er ist klug, (dabei)
aber faul. Einerseits ist er klug, andererseits faul. Der März war
teils freundlich, teils regnerisch, aber im Ganzen zu kalt. Sie
lächelte halb verlegen, halb belustigt.
Nein, nein! Warum, weshalb, weswegen?
Zum Ausrufe- oder Fragezeichen siehe § 69 bzw. § 70.
Zum Komma bei mehrteiligen Orts-, Wohnungs-, Zeit- und
Literaturangaben
siehe § 77(3).
E1: Sind zwei Adjektive nicht gleichrangig, so setzt man
kein Komma:
die letzten großen Ferien, eine neue blaue Bluse,
dunkles bayerisches Bier, die allgemeine wirtschaftliche Lage,
zahlreiche wertende Stellungnahmen
Gelegentlich kann der Schreibende dadurch, dass er ein
Komma setzt oder
nicht, deutlich machen, ob er die Adjektive als gleichrangig verstanden
wissen will oder nicht.
Gleichrangig: neue, umweltfreundliche Verfahren
(neben den
bisherigen Verfahren, die nicht umweltfreundlich sind, gibt es nunmehr
neue und umweltfreundliche Verfahren)
Nicht gleichrangig: neue umweltfreundliche Verfahren
(zusätzlich zu den bisherigen umweltfreundlichen Verfahren gibt es
weitere umweltfreundliche Verfahren)
E2: Das Komma (und gegebenenfalls der Schlusspunkt) kann
in
kolumnenartigen Aufzählungen fehlen, zum Beispiel:
Unser Sonderangebot:
– Äpfel
– Birnen
– Orangen
| § 72 |
Sind die gleichrangigen Teilsätze, Wortgruppen
oder Wörter durch und, oder, beziehungsweise/bzw., sowie (= und),
wie (= und), entweder ... oder, nicht ... noch, sowohl ... als (auch),
sowohl ... wie (auch) oder durch weder ... noch verbunden,
so setzt man kein Komma. |
Dies betrifft
(1) gleichrangige Teilsätze (siehe aber § 73):
Die Musik wird leiser und der Vorhang hebt sich und
das
Spiel beginnt. Ich habe sie oft besucht und wir saßen bis spät in die
Nacht zusammen. Seid ihr mit meinem Vorschlag einverstanden oder habt
ihr Einwände vorzubringen?
Sie wisse Bescheid und der Vorgang sei ihr völlig klar, sagte sie. Er
erkundigte sich, was es Neues gebe und ob Post gekommen sei. Alle
wollten wissen, wie es gewesen war und warum es so lange gedauert
hatte. Ich hoffe, dass es dir gefällt und dass du zufrieden bist.
(2) gleichrangige Wortgruppen oder Wörter in
Aufzählungen:
Der Nachbar hatte versprochen den Briefkasten zu
leeren
und die Blumen zu gießen und hin und wieder zu lüften. Völlig erschöpft
und vom Regen durchnässt kamen sie nach Hause.
Sie fährt sowohl bei gutem als auch bei schlechtem Wetter. Der März war
kalt und unfreundlich. Das ist ein ausgesprochen süßes sowie widerlich
klebriges Getränk. Feuer, Wasser, Luft und Erde
Sie fährt entweder mit dem Auto oder mit dem Zug. Er ist klug und dabei
faul. Nein und abermals nein! Wie und warum und wozu?
E1: Ein Komma vor und usw. kann dadurch begründet sein,
dass mit ihm
entsprechend § 74 ein Nebensatz, entsprechend § 77 ein Zusatz oder
Nachtrag bzw. entsprechend § 93 ein wörtlich wiedergegebener Satz
abgeschlossen wird: Er sagte, dass er morgen komme, und
verabschiedete sich. Mein Onkel, ein großer Tierfreund, und seine
Katzen leben in einer alten Mühle. Sie fragte: „Brauchen Sie die
Unterlagen?”, und öffnete die Schublade.
E2: Bei entgegenstellenden Konjunktionen wie aber, doch,
jedoch,
sondern steht nach der Grundregel (§ 71) ein Komma, wenn sie zwischen
gleichrangigen Wörtern oder Wortgruppen stehen: Sie fährt nicht nur
bei gutem, sondern auch bei schlechtem Wetter. Der März war sonnig,
aber kalt. Er hat mir ein süßes, jedoch wohlschmeckendes Getränk
eingeschenkt.
| § 73 |
Bei der Reihung von selbständigen Sätzen, die
durch und, oder, beziehungsweise/bzw., entweder – oder, nicht – noch
oder durch weder – noch verbunden sind, kann man ein Komma
setzen, um die Gliederung des Ganzsatzes deutlich zu machen. |
Das Feuer brannte endlich(,) und sie machten es sich
gemütlich. Hast du ihn angerufen(,) oder wirst du es erst am Sonntag
tun? Dem Täter ist die Flucht ins Ausland gelungen(,) bzw. er versteckt
sich. Entweder du kommst(,) oder du schreibst einen Brief. Nicht einmal
ein Dank kam von seinen Lippen(,) noch fand er sonst wohlwollende
Worte. Weder schrieb er einen Brief(,) noch kam er selbst.
Ich fotografierte die Berge(,) und meine Frau lag in der Sonne. Er traf
sich mit meiner Schwester(,) und deren Freundin war auch mitgekommen.
Wir warten auf euch(,) oder die Kinder gehen schon voraus.
| § 74 |
Nebensätze grenzt man mit Komma ab; sind sie
eingeschoben, so schließt man sie mit paarigem Komma ein. |
Am Anfang des Ganzsatzes:
Was ich anfangen soll, weiß ich nicht. Als wir nach
Hause kamen, war es schon spät. Dass es dir wieder besser geht, freut
mich sehr. Obwohl schlechtes Wetter war, suchten wir die Ostereier im
Garten. Ist dir der Weg zu weit, kannst du mit dem Bus fahren. Er komme
morgen, sagte er. Als er sich niederbeugte, weil er ihre Tasche
aufheben wollte, stießen sie mit den Köpfen zusammen.
Eingeschoben:
Das Buch, das ich dir mitgebracht habe, liegt auf
dem
Tisch. Seine Annahme, dass Peter käme, erfüllte sich nicht. Sie konnte,
wenn sie wollte, äußerst liebenswürdig sein. Er sagte, dass er morgen
komme, und verabschiedete sich. Er sagte, er komme morgen, und
verabschiedete sich.
Am Ende des Ganzsatzes:
Ich weiß nicht, was ich anfangen soll. Sie
beobachtete
die Kinder, die auf der Wiese ihre Drachen steigen ließen. Gestern traf
ich eine Freundin, von der ich lange nichts mehr gehört hatte. Das Kind
weinte, weil es seinen Schlüssel verloren hatte. Ich hätte nie gedacht,
dass du mich so enttäuschen würdest. Sie sah gesünder aus, als sie sich
fühlte. Seine Tochter war ebenso rothaarig, wie er es als Kind gewesen
war. Sie sagte, sie komme morgen. Er war zu klug, als dass er in die
Falle gegangen wäre, die man ihm gestellt hatte.
E1: Besteht die Einleitung eines Nebensatzes aus einem
Einleitewort und
weiteren Wörtern, so gilt:
(1) Man setzt das Komma vor die ganze Wortgruppe:
Ich habe sie selten besucht, aber wenn ich bei ihr
war,
saßen wir bis spät in die Nacht zusammen. Er rannte, als ob es um sein
Leben ginge, über die Straße. Sie rannte, wie wenn es um ihr Leben
ginge. Ein Passant hatte bereits Risse in den Pfeilern der Brücke
bemerkt, zwei Tage bevor sie zusammenbrach.
(2) In einigen Fällen kann der Schreibende zusätzlich
ein Komma
zwischen den Bestandteilen der Wortgruppe setzen:
Morgen wird es regnen, angenommen(,) dass der
Wetterbericht stimmt. Wir fahren morgen, ausgenommen(,) wenn es regnet.
Ich glaube nicht, dass er anruft, geschweige(,) dass er vorbeikommt.
Ich glaube nicht, dass er anruft, geschweige denn(,) dass er
vorbeikommt. Ich komme morgen, gleichviel(,) ob er es will oder nicht.
Ich werde ihnen gegenüber abweisend oder entgegenkommend sein, je
nachdem(,) ob sie hartnäckig oder sachlich sind. Egal(,) welche Farbe
sie sich aussucht, sie wird immer gut aussehen.
(3) Der Schreibende kann durch das Komma deutlich
machen, ob er Wörter
als Bestandteil der Nebensatzeinleitung verstanden wissen will oder
nicht:
Ich freue mich, auch wenn du mir nur eine Karte
schreibst. Ich freue mich auch, wenn du mir nur eine Karte schreibst.
Die Rehe bemerkten ihn, gleich als er sein Versteck verließ. Die Rehe
bemerkten ihn gleich, als er sein Versteck verließ. Er ärgerte sich
zeitlebens, so dass er schon früh graue Haare bekam. Er ärgerte sich
zeitlebens so, dass er schon früh graue Haare bekam. Sie sorgt sich um
ihn, vor allem(,) wenn er nachts unterwegs ist. Sie sorgt sich um ihn
vor allem, wenn er nachts unterwegs ist.
E2: Wenn eine beiordnende Konjunktion wie und, oder
(§ 72)
Satzglieder oder Teile von Satzgliedern mit Nebensätzen verbindet, so
steht zwischen den Bestandteilen einer solchen Reihung kein Komma.
Gegenüber dem übergeordneten Satz sind die Teile der Reihung nur dann
mit Komma abgetrennt, wenn der Nebensatz anschließt, nicht aber, wenn
das Satzglied bzw. ein Teil eines Satzgliedes anschließt:
Außerordentlich bedauert hat er diesen Vorfall und
dass
das hier geschehen konnte.
Bei großer Dürre oder wenn der Föhn weht, ist das Rauchen hier streng
verboten.
Wenn der Föhn weht oder bei großer Dürre ist das Rauchen hier streng
verboten.
Das Rauchen ist hier streng verboten bei großer Dürre oder wenn der
Föhn weht.
Das Rauchen ist hier streng verboten, wenn der Föhn weht oder bei
großer Dürre.
E3: Vergleiche mit als oder wie in
Verbindung mit einer
Wortgruppe oder einem Wort sind keine Nebensätze; entsprechend setzt
man kein Komma (zu wie siehe auch § 78(2)):
Früher als gewöhnlich kam er von der Arbeit nach
Hause.
Wie im letzten Jahr hatten wir auch diesmal einen schönen Herbst. Er
kam früher als gewöhnlich von der Arbeit nach Hause. Er kam wie am
Vortage auch heute zu spät. Peter ist größer als sein Vater. Heute war
er früher da als gestern. Das ging schneller als erwartet. Er ist
genauso groß wie sie.
| § 75 |
Infinitivgruppen grenzt man mit Komma ab, wenn
eine der folgenden Bedingungen erfüllt ist. |
(1) die Infinitivgruppe ist mit um, ohne, statt,
anstatt, außer, als eingeleitet:
Sie öffnete das Fenster, um frische Luft
hereinzulassen.
Das Kind rannte, ohne auf den Verkehr zu achten, über die Straße. Statt
am Bericht zu arbeiten, vergnügte sich Herbert mit Computerspielchen.
Ihr fiel nichts Besseres ein, als zu kündigen. Ihre Forderung, um das
noch einmal zu sagen, halten wir für wenig angemessen (siehe auch §
77 (1)). Er, ohne den Vertrag vorher gesehen zu haben, hatte ihn
sofort unterschrieben (siehe auch § 77 (6)).
(2) die Infinitivgruppe hängt von einem Substantiv ab:
Er wurde beim Versuch, den Tresor zu knacken, vom
Nachtwächter überrascht. Er fasste den Plan, heimlich abzureisen.
(3) die Infinitivgruppe hängt von einem Korrelat oder
einem Verweiswort
ab (siehe § 77(5)):
Anita liebt es, lange auszuschlafen. Werner hat es
nie
bereut, diese Ausbildung gemacht zu haben. Es missfällt mir, diesen
Vertrag zu unterzeichnen. René hat nicht damit gerechnet, doch noch zu
gewinnen, und strahlte über das ganze Gesicht.
Lange auszuschlafen, das liebt Anita sehr. Doch noch zu gewinnen, damit
hat René nicht gerechnet. Damit, doch noch zu gewinnen, hat René nicht
gerechnet.
E1: Wenn ein bloßer Infinitiv vorliegt, können in den
Fallgruppen (2)
und (3) die Kommas weggelassen werden, sofern keine Missverständnisse
entstehen:
Den Plan(,) abzureisen(,) hatte sie schon lange
gefasst.
Die Angst(,) zu fallen(,) lähmte seine Schritte. Thomas dachte nicht
daran(,) zu gehen.
E2: In den Fällen, die nicht durch § 75(1) bis (3)
geregelt sind, kann
ein Komma gesetzt werden, um die Gliederung deutlich zu machen bzw. um
Missverständnisse auszuschließen. Dasselbe gilt für Partizip-,
Adjektiv- und entsprechende Wortgruppen (siehe § 77(7) und § 78(3)).
| § 76 |
Bei formelhaften Nebensätzen kann man das Komma
weglassen. |
Wie bereits gesagt(,) verhält sich die Sache anders.
Ich komme(,) wenn nötig(,) bei dir noch vorbei.
| § 77 |
Zusätze oder Nachträge grenzt man mit Komma ab;
sind sie eingeschoben, so schließt man sie mit paarigem Komma ein. |
Möglich sind in bestimmten Fällen auch Gedankenstrich
(siehe § 84) oder Klammern (siehe § 86); mit diesen Zeichen
kennzeichnet man stärker, dass man etwas als Zusatz oder Nachtrag
verstanden wissen will.
Dies betrifft (1) Parenthesen, (2) Substantivgruppen als
Nachträge
(Appositionen), (3) Orts-, Wohnungs-, Zeit- und Literaturangaben ohne
Präposition, (4) Erläuterungen, (5) angekündigte Wörter oder
Wortgruppen, (6) Infinitivgruppen und (7) Partizip- oder
Adjektivgruppen.
(1) Parenthesen:
Eines Tages, es war mitten im Sommer, hagelte es.
Dieses
Bild, es ist das letzte und bekannteste des Künstlers, wurde nach
Amerika verkauft. Ihre Forderung, um das noch einmal zu sagen, halten
wir für wenig angemessen.
Zum Gedankenstrich oder zu Klammern siehe § 84(1) bzw. §
86(1).
(2) Substantivgruppen als Nachträge (Appositionen),
insbesondere auch
Titel, Berufsbezeichnungen und dergleichen in Verbindung mit
Eigennamen:
Mein Onkel, ein großer Tierfreund, und seine Katzen
leben in einer alten Mühle. Wir gingen in die Hütte, einen kalten Raum
mit kleinen Fenstern. Wir gingen in die Hütte, einen kalten Raum mit
kleinen Fenstern, und zündeten ein Feuer an. Walter Gerber, Mannheim,
und Anita Busch, Berlin, verlobten sich letzte Woche.
Mainz ist die Geburtsstadt Johannes Gutenbergs, des Erfinders der
Buchdruckerkunst. Johannes Gutenberg, der Erfinder der
Buchdruckerkunst, wurde in Mainz geboren. Professor Dr. med. Max
Müller, Direktor der Kinderklinik, war unser Gesprächspartner. Franz
Meier, der Angeklagte, verweigerte die Aussage. Gertrud Patzke, Hebamme
des Dorfes, wurde 60 Jahre alt.
Zum Gedankenstrich oder zu Klammern siehe § 84(2) bzw. §
86(2).
E1: Folgt der Eigenname einem Titel, einer
Berufsbezeichnung und
dergleichen, so kann man nach § 78(4) das Komma weglassen:
Der Erfinder der Buchdruckerkunst(,) Johannes
Gutenberg(,) wurde in Mainz geboren.
E2: Bestandteile von mehrteiligen Eigennamen und
vorangestellte Titel
ohne Artikel sind keine Zusätze oder Nachträge; entsprechend setzt man
kein Komma:
Wilhelm der Eroberer unterwarf ganz England.
Direktor
Professor Dr. med.
Max Müller führte uns durch die Klinik.
Frau Schmidt geb. Kühn hat dies mitgeteilt.
Nach der Grundregel (§ 77) auch mit Komma:
Frau Schmidt, geb. Kühn, hat dies mitgeteilt.
(3) Mehrteilige Orts-, Wohnungs-, Zeit- und
Literaturangaben ohne
Präposition (das schließende Komma kann hier auch weggelassen werden):
Orts-, Wohnungs- und Zeitangaben:
Gustav Meier, Wiesbaden, Wilhelmstr. 24, 1.
Stock(,) hat
diese Annonce aufgegeben. Gabi Schmid, Berlin, Landsberger Allee 209,
3. Stock(,) gewann eine Reise in den Harz. Aber: Gabi hat lange in Köln
am Kirchplatz 4 gewohnt.
Die Tagung soll Mittwoch, (den) 14. November(,) beginnen. Die Tagung
soll am Mittwoch, dem 14. November(,) beginnen. Die Tagung soll am
Mittwoch, dem 14. November, (um) 9.00 Uhr(,) im Rosengarten beginnen.
Mehrteilige Hinweise auf Stellen aus Büchern,
Zeitschriften und
dergleichen:
Die Zeitschrift Spektrum, Jahrgang 29, Heft 2, S.
134(,)
hat darüber berichtet. In der Zeitschrift Spektrum, Jahrgang 29, Heft
2, S. 134(,) findet sich ein entsprechendes Zitat.
Ausnahme: In mehrteiligen Hinweisen auf Gesetze,
Verordnungen und
dergleichen setzt man kein Komma:
§ 6 Abs. 2 Satz 3 der Verordnung
(4) Nachgestellte Erläuterungen, die häufig mit also,
besonders,
das heißt (d. h.), das ist (d. i.), genauer, insbesondere, nämlich, und
das, und zwar, vor allem, zum Beispiel (z. B.) oder dergleichen
eingeleitet werden:
Sie isst gern Obst, besonders Apfelsinen und
Bananen.
Obst, besonders Apfelsinen und Bananen, isst sie gern. Wir erwarten
dich nächste Woche, und zwar am Dienstag. Nachmittags kommt
Gewitterneigung auf, vor allem im Süden. Mit einem Scheck über 2000 €,
in Worten: zweitausend Euro, hat er die Rechnung bezahlt. Sie bezahlte
mit einem Scheck über 2000 €, in Worten: zweitausend Euro.
Auf der Ausstellung waren viele ausländische Firmen, insbesondere
holländische [Maschinenhersteller/Firmen], vertreten. Wir erwarten dich
nächste Woche, das heißt vielleicht auch übernächste [Woche], zu einem
Gespräch. Als sie ihr Herz ausgeschüttet hatte, das heißt alles erzählt
hatte, fühlte sie sich besser.
Wird – im Unterschied zu den letztgenannten Beispielen –
die
Erläuterung in die substantivische oder verbale Fügung einbezogen, so
grenzt man sie mit einfachem Komma ab:
Auf der Ausstellung waren viele ausländische,
insbesondere holländische Firmen vertreten. Wir erwarten dich nächste,
das heißt vielleicht auch übernächste Woche zu einem Gespräch. Er wird
sein Herz ausgeschüttet, das heißt alles erzählt haben.
Zum Gedankenstrich oder zu Klammern siehe § 84(3) bzw. §
86(3).
(5) Wörter oder Wortgruppen, die durch ein hinweisendes
Wort oder eine
hinweisende Wortgruppe angekündigt werden:
Sie, die Gärtnerin, weiß das ganz genau. Wir beide,
du
und ich, wissen es genau.
Daran, den Job länger zu behalten, dachte sie nicht. Sie dachte nicht
daran, den Job länger zu behalten, und kündigte. Sein größter Wunsch
ist es, eine Familie zu gründen. Dies, eine Familie zu gründen, ist
sein größter Wunsch.
So, aus vollem Halse lachend, kam sie auf mich zu. So, mit dem Rucksack
bepackt, standen wir vor dem Tor. So bepackt, den Rucksack auf dem
Rücken, standen wir vor dem Tor.
Werden Wörter oder Wortgruppen durch ein hinweisendes
Wort oder eine
hinweisende Wortgruppe wieder aufgenommen, so grenzt man sie mit
einfachem Komma ab:
Denn die Gärtnerin, die weiß das ganz genau. Und du
und
ich, wir beide wissen das genau. Wie im letzten Jahr, so hatten wir
auch diesmal einen schönen Herbst.
... und den Job länger zu behalten, daran dachte sie nicht und
kündigte. Eine Familie zu gründen, das ist sein größter Wunsch.
Aus vollem Halse lachend, so kam sie auf mich zu. Mit dem Rucksack
bepackt, so standen wir vor dem Tor. Den Rucksack auf dem Rücken, so
bepackt standen wir vor dem Tor.
Zum Gedankenstrich siehe § 84(4).
(6) nachgetragene Infinitivgruppen oder entsprechende
Wortgruppen
(siehe dazu auch § 78 (3)):
Er, ohne den Vertrag vorher gelesen zu haben, hatte
ihn
sofort unterschrieben. Er, ohne jede Kenntnis des Vertragsinhalts,
hatte sofort unterschrieben. Er, statt ihm zu Hilfe zu kommen, sah
tatenlos zu.
(7) nachgetragene Partizip- oder Adjektivgruppen oder
entsprechende
Wortgruppen auch am Ende des Ganzsatzes (siehe auch § 78(3)):
Sie, aus vollem Halse lachend, kam auf mich zu. Er,
außer sich vor Freude, lief auf sie zu und umarmte sie. Sie, ganz in
Decken verpackt, saß auf der Terrasse. Er kam auf mich zu, aus vollem
Halse lachend. Er lief auf sie zu und umarmte sie, außer sich vor
Freude. Sie saß auf der Terrasse, ganz in Decken verpackt. Die Klasse,
zum Ausflug bereit, war auf dem Schulhof versammelt. Wir, den Rucksack
auf dem Rücken, standen vor dem Tor. Die Klasse war auf dem Schulhof
versammelt, zum Ausflug bereit. Wir standen vor dem Tor, den Rucksack
auf dem Rücken.
Suchen Mitarbeiter, sprachkundig und schreibgewandt. Mehrere
Mitarbeiter, sprachkundig und schreibgewandt, werden gesucht. Der
November, kalt und nass, löste eine Grippe aus.
E3: In einer festen Verbindung mit einem nachgestellten
Adjektiv setzt
man kein Komma:
Hänschen klein, Forelle blau, Whisky pur
| § 78 |
Oft liegt es im Ermessen des Schreibenden, ob er
etwas mit Komma als Zusatz oder Nachtrag kennzeichnen will oder nicht. |
Dies betrifft
(1) Gefüge mit Präpositionen, entsprechende Wortgruppen
oder Wörter:
Die Fahrtkosten(,) einschließlich D-Zug-Zuschlag(,)
betragen 25,00 Euro. Die Fahrtkosten betragen 25,00 Euro(,)
einschließlich D-Zug-Zuschlag. Sie hatte(,) trotz aller guten
Vorsätze(,) wieder zu rauchen angefangen. Sie hatte(,)
bedauerlicherweise(,) wieder zu rauchen angefangen. Der Kranke hatte(,)
entgegen ärztlichem Verbot(,) das Bett verlassen. Das war(,) nach
allgemeinem Urteil(,) eine Fehlleistung. Er hatte sich(,) den ganzen
Tag über(,) mit diesem Problem beschäftigt. Die ganze Familie(,) samt
Kindern und Enkeln(,) besuchte die Großeltern.
(2) Gefüge mit wie (zu wie in Vergleichen siehe § 74
E3):
Ihre Ausgaben(,) wie Fahrt- und
Übernachtungskosten(,)
werden Ihnen ersetzt.
(3) Infinitiv-, Partizip- oder Adjektivgruppen oder
entsprechende
Wortgruppen (siehe aber § 75 sowie § 77(6) und (7)):
Er hatte(,) ohne jede Kenntnis des
Vertragsinhalts(,)
sofort unterschrieben. Er hatte sofort unterschrieben(,) ohne jede
Kenntnis des Vertragsinhalts. Unfähig(,) einen Kompromiss zu
schließen(,) beendete er die Verhandlung. Er beabsichtigte(,) nach
seiner Ausbildung ein Studium aufzunehmen. Ich hoffe sehr(,) Ihnen mit
dieser Auskunft geholfen zu haben(,) und verbleibe mit freundlichen
Grüßen.
Sie kam(,) aus vollem Halse lachend(,) auf mich zu. Er lief(,) außer
sich vor Freude(,) auf sie zu und umarmte sie. Sie saß(,) ganz in
Decken verpackt(,) auf der Terrasse. Die Klasse war(,) zum Ausflug
bereit(,) auf dem Schulhof versammelt. Wir standen(,) den Rucksack auf
dem Rücken(,) vor dem Tor. Er sah(,) den Spazierstock in der Hand(,)
tatenlos zu.
Diese Aufgabe zu lösen(,) sollte dir leichtfallen. Durch eine Tasse
Kaffee gestärkt(,) werden wir die Arbeit fortsetzen. Darauf aufmerksam
gemacht(,) haben wir den Fehler beseitigt.
(4) Eigennamen, die einem Titel, einer Berufsbezeichnung
und
dergleichen folgen (siehe auch § 77(2)):
Der Erfinder der Buchdruckerkunst(,) Johannes
Gutenberg(,) wurde in Mainz geboren. Der Direktor der Kinderklinik(,)
Professor Dr. med. Max Müller(,) war der Gesprächspartner. Der
Angeklagte(,) Franz Meier(,) verweigerte die Aussage. Die Hebamme des
Dorfes(,) Gertrud Patzke(,) wurde 60 Jahre alt.
| § 79 |
Anreden, Ausrufe oder Ausdrücke einer
Stellungnahme, die besonders hervorgehoben werden sollen, grenzt man
mit Komma ab; sind sie eingeschoben, so schließt man sie mit paarigem
Komma ein. |
Dies betrifft
(1) Anreden:
Kinder, hört doch mal zu. Hört doch mal zu, Kinder.
Hört, Kinder, doch mal zu. Du, stell dir vor, was mir passiert ist!
Kommst du mit ins Kino, Klaus-Dieter? Für heute sende ich dir, liebe
Ruth, die herzlichsten Grüße.
Zur Möglichkeit der Wahl zwischen Komma oder
Ausrufezeichen nach der
Anrede etwa in Briefen siehe § 69 E3.
(2) Ausrufe:
Oh, wie kalt das ist! Au, das tut weh! He, was
machen
Sie da? Was, du bist umgezogen? Du bist umgezogen, was? So ist es, ach,
nun einmal. So ist es nun einmal, ach ja. Ach ja, so ist es nun einmal.
Aber ohne Hervorhebung:
Oh wenn sie doch käme! Ach lass mich doch in Ruhe!
(3) Ausdrücke einer Stellungnahme wie etwa einer
Bejahung, Verneinung,
Bekräftigung oder Bitte:
Ja, daran ist nicht zu zweifeln. Nein, das sollten
Sie
nicht tun, nein! Tatsächlich, das ist es. Das ist es, tatsächlich.
Leider, das hat er gesagt. Das hat er gesagt, leider. Sie hat uns
angerufen, eine gute Idee. Er hat, eine Unverschämtheit, uns auch noch
angerufen.
Bitte, komm doch morgen pünktlich. Komm doch, bitte, morgen pünktlich.
Komm doch morgen pünktlich, bitte. Danke, ich habe schon gegessen. Ich
habe schon gegessen, danke.
Aber ohne Hervorhebung:
Bitte komm doch morgen pünktlich!
Zum Ausrufezeichen siehe § 69.
Zur Möglichkeit der Wahl zwischen Komma, Gedankenstrich
oder
Doppelpunkt siehe § 82.
2.2 Semikolon
| § 80 |
Mit dem Semikolon kann man gleichrangige
(nebengeordnete) Teilsätze oder Wortgruppen voneinander abgrenzen. Mit
dem Semikolon drückt man einen höheren Grad der Abgrenzung aus als mit
dem Komma und einen geringeren Grad der Abgrenzung als mit dem Punkt. |
Zur Abgrenzung mit Punkt siehe § 67; zur Abgrenzung mit
Komma siehe § 71.
Dies betrifft
(1) gleichrangige, vor allem auch längere Hauptsätze
(mit Nebensatz):
Im Hausflur war es still; ich drückte
erwartungsvoll auf
die Klingel. Meine Freundin hatte den Zug versäumt; deshalb kam sie
eine halbe Stunde zu spät. Steffen wünscht sich schon lange einen Hund;
aber seine Eltern dulden keine Tiere in der Wohnung. Die Angelegenheit
ist erledigt; darum wollen wir nicht länger streiten. Wir müssen uns
überlegen, mit welchem Zug wir fahren wollen; wenn wir den früheren Zug
nehmen, müssen wir uns beeilen.
Möglich sind hier auch das schwächer abgrenzende Komma
oder der stärker
abgrenzende Punkt:
Im Hausflur war es still, ich drückte
erwartungsvoll auf
die Klingel.
Im Hausflur war es still. Ich drückte erwartungsvoll auf die Klingel.
Zum hier ebenfalls möglichen Gedankenstrich siehe § 82.
(2) gleichrangige Wortgruppen gleicher Struktur in
Aufzählungen:
Unser Proviant bestand aus gedörrtem Fleisch, Speck
und
Rauchschinken; Ei- und Milchpulver; Reis, Nudeln und Grieß.
Möglich ist hier auch das schwächer abgrenzende, nicht
untergliedernde
Komma:
Unser Proviant bestand aus gedörrtem Fleisch, Speck
und
Rauchschinken, Ei- und Milchpulver, Reis, Nudeln und Grieß.
2.3 Doppelpunkt
| § 81 |
Mit dem Doppelpunkt kündigt man an, dass etwas
Weiterführendes folgt. |
Zur Schreibung des ersten Wortes nach Doppelpunkt siehe
§ 54(1) und (2).
Dies betrifft
(1) wörtlich wiedergegebene Äußerungen oder Textstellen,
wenn der
Begleitsatz oder ein Teil von ihm vorausgeht:
Er sagte: „Ich komme morgen.” Er sagte zu ihr:
„Komm
bitte morgen!” Er fragte: „Kommst du morgen?” Sie sagte: „Brauchen Sie
die Unterlagen?”, und öffnete die Schublade. Die Zeitung schrieb, dass
die Bahn erklären ließ: „Wir haben die feste Absicht, die Strecke
stillzulegen.”
Zu den Anführungszeichen siehe § 89.
(2) Aufzählungen, spezielle Angaben, Erklärungen oder
dergleichen:
Er hat schon mehrere Länder besucht: Frankreich,
Spanien, Rumänien, Polen. Die Namen der Monate sind folgende: Januar,
Februar, März usw. Er hatte alles verloren: seine Frau, seine Kinder
und sein ganzes Vermögen.
| Wir stellen ein: |
Maschinenschlosser
Reinigungskräfte
Kraftfahrer |
Nächste Arbeitsberatung: 30.09.2006
Familienstand: ledig
Latein: befriedigend
Robert Musil: Der Mann ohne Eigenschaften
Gebrauchsanweisung: Man nehme jede zweite Stunde eine Tablette.
Beachten Sie bitte folgenden Hinweis: Infolge der anhaltenden
Trockenheit besteht Waldbrandgefahr.
(3) Zusammenfassungen des vorher Gesagten oder
Schlussfolgerungen aus
diesem:
Haus und Hof, Geld und Gut: alles ist verloren.
Wer immer nur an sich selbst denkt, wer nur danach trachtet, andere zu
übervorteilen, wer sich nicht in die Gemeinschaft einfügen kann: der
kann von uns keine Hilfe erwarten.
Möglich ist hier auch ein Gedankenstrich: Haus und Hof, Geld und Gut –
alles ist verloren.
Zur Möglichkeit der Wahl zwischen Doppelpunkt,
Gedankenstrich und Komma
siehe § 82.
2.4 Gedankenstrich
| § 82 |
Mit dem Gedankenstrich kündigt man an, dass
etwas Weiterführendes folgt oder dass man das Folgende als etwas
Unerwartetes verstanden wissen will. |
Sie trat in das Zimmer und sah – ihren Mann. Im
Hausflur war es still – ich drückte erwartungsvoll auf die Klingel.
Zuletzt tat er etwas, woran niemand gedacht hatte – er beging
Selbstmord. Plötzlich – ein vielstimmiger Schreckensruf!
Möglich sind hier teilweise auch Doppelpunkt oder Komma:
Plötzlich: ein vielstimmiger Schreckensruf!
Plötzlich, ein vielstimmiger Schreckensruf!
Zur Möglichkeit der Wahl zwischen Gedankenstrich und
Doppelpunkt siehe
§ 81(3).
| § 83 |
Zwischen zwei Ganzsätzen kann man zusätzlich zum
Schlusszeichen einen Gedankenstrich setzen, um – ohne einen neuen
Absatz zu beginnen – einen Wechsel deutlich zu machen. |
Dies betrifft
(1) den Wechsel des Themas oder des Gedankens:
Wir sind nicht in der Lage, diesen Wunsch zu
erfüllen. –
Nunmehr ist der nächste Punkt der Tagesordnung zu besprechen.
(2) den Wechsel des Sprechers:
Komm bitte einmal her! – Ja, ich komme sofort.
| § 84 |
Mit dem Gedankenstrich grenzt man Zusätze oder
Nachträge ab; sind sie eingeschoben, so schließt man sie mit paarigem
Gedankenstrich ein. |
Möglich sind auch Komma (siehe § 77) oder Klammern
(siehe § 86).
Dies betrifft
(1) Parenthesen:
Eines Tages – es war mitten im Sommer – hagelte es.
Eines Tages – es war mitten im Sommer! – hagelte es. Eines Tages – war
es mitten im Sommer? – hagelte es. Dieses Bild – es ist das letzte und
bekannteste des Künstlers – wurde nach Amerika verkauft. Ihre Forderung
– um das noch einmal zu sagen – halten wir für wenig angemessen.
Zum Komma oder zu Klammern siehe § 77(1) bzw. § 86(1).
(2) Substantivgruppen als Nachträge (Appositionen):
Mein Onkel – ein großer Tierfreund – und seine
Katzen
leben in einer alten Mühle. Wir gingen in die Hütte – einen kalten Raum
mit kleinen Fenstern. Wir gingen in die Hütte – einen kalten Raum mit
kleinen Fenstern – und zündeten ein Feuer an. Johannes Gutenberg – der
Erfinder der Buchdruckerkunst – wurde in Mainz geboren.
Zum Komma oder zu Klammern siehe § 77(2) bzw. § 86(2).
(3) nachgestellte Erläuterungen, die häufig mit also,
besonders,
das heißt (d. h.), das ist (d. i.), genauer, insbesondere, nämlich, und
das, und zwar, vor allem, zum Beispiel (z. B.) oder dergleichen
eingeleitet werden:
Sie isst gern Obst – besonders Apfelsinen und
Bananen.
Obst – besonders Apfelsinen und Bananen – isst sie gern. Wir erwarten
dich nächste Woche – und zwar am Dienstag. Mit einem Scheck über 2000 €
– in Worten: zweitausend Euro – hat er die Rechnung bezahlt. Er
bezahlte mit einem Scheck über 2000 € – in Worten: zweitausend Euro.
Auf der Ausstellung waren viele ausländische Maschinenhersteller –
insbesondere holländische – vertreten. Auf der Ausstellung waren viele
ausländische Maschinenhersteller – vor allem holländische Firmen –
vertreten. Auf der Ausstellung waren viele ausländische – insbesondere
holländische – Maschinenhersteller vertreten.
Zum Komma oder zu Klammern siehe § 77(4) bzw. § 86(3).
(4) Wörter oder Wortgruppen, die durch ein hinweisendes
Wort oder eine
hinweisende Wortgruppe angekündigt werden:
Sie – die Gärtnerin – weiß es ganz genau. Wir beide
– du
und ich – wissen das genau. Das – eine Familie zu gründen – ist sein
größter Wunsch.
Werden Wörter oder Wortgruppen durch ein hinweisendes
Wort oder eine
hinweisende Wortgruppe wieder aufgenommen, so grenzt man sie mit
einfachem Gedankenstrich ab.
Denn die Gärtnerin – die weiß das ganz genau. Und
du und
ich – wir beide wissen das genau. Eine Familie zu gründen – das ist
sein größter Wunsch.
Zum Komma siehe § 77(5).
| § 85 |
Ausrufe- oder Fragezeichen, die zum Zusatz oder
Nachtrag im paarigen Gedankenstrich gehören, setzt man vor den
abschließenden Gedankenstrich; ein Schlusspunkt wird weggelassen. |
Satzzeichen, die zum einschließenden Satz gehören und
daher auch bei Weglassen des Zusatzes oder Nachtrags stehen müssten,
dürfen nicht weggelassen werden.
Er behauptete – so eine Frechheit! –, dass er im
Kino
gewesen wäre. Sie hat das – erinnerst du dich nicht? – gestern gesagt.
Sie betonte – ich weiß es noch ganz genau –, dass sie für einen Erfolg
nicht garantieren könne. Vgl.: Sie betonte, dass sie für einen Erfolg
nicht garantieren könne.
2.5 Klammern
| § 86 |
Mit Klammern schließt man Zusätze oder Nachträge
ein. |
Möglich sind auch Komma (siehe § 77) oder Gedankenstrich
(siehe § 84).
Dies betrifft
(1) Parenthesen:
Eines Tages (es war mitten im Sommer) hagelte es.
Eines
Tages (es war mitten im Sommer!) hagelte es. Eines Tages (war es mitten
im Sommer?) hagelte es. Dieses Bild (es ist das letzte und bekannteste
des Künstlers) wurde nach Amerika verkauft. Ihre Forderung (um das noch
einmal zu sagen) halten wir für wenig angemessen.
Zum Komma oder zum Gedankenstrich siehe § 77(1) bzw. §
84(1).
(2) Substantivgruppen als Nachträge (Appositionen):
Mein Onkel (ein großer Tierfreund) und seine Katzen
leben in einer alten Mühle. Wir gingen in die Hütte (einen kalten Raum
mit kleinen Fenstern). Wir gingen in die Hütte (einen kalten Raum mit
kleinen Fenstern) und zündeten ein Feuer an. Johannes Gutenberg (der
Erfinder der Buchdruckerkunst) wurde in Mainz geboren.
Zum Komma oder zum Gedankenstrich siehe § 77(2) bzw. §
84(2).
(3) nachgestellte Erläuterungen, die häufig mit also,
besonders,
das heißt (d. h.), das ist (d. i.), genauer, insbesondere, nämlich, und
das, und zwar, vor allem, zum Beispiel (z. B.) oder dergleichen
eingeleitet werden:
Sie isst gern Obst (besonders Apfelsinen und
Bananen).
Obst (besonders Apfelsinen und Bananen) isst sie gern. Wir erwarten
dich nächste Woche (und zwar am Dienstag). Mit einem Scheck über 2000 €
(in Worten: zweitausend Euro) hat er die Rechnung bezahlt. Er bezahlte
mit einem Scheck über 2000 € (in Worten: zweitausend Euro).
Auf der Ausstellung waren viele ausländische Maschinenhersteller
(insbesondere holländische) vertreten. Auf der Ausstellung waren viele
ausländische Maschinenhersteller (vor allem holländische Firmen)
vertreten. Auf der Ausstellung waren viele ausländische (insbesondere
holländische) Maschinenhersteller vertreten.
Zum Komma oder zum Gedankenstrich siehe § 77(4) bzw. §
84(3).
(4) Worterläuterungen, geografische, systematische,
chronologische,
biografische Zusätze und dergleichen:
Frankenthal (Pfalz)
Grille (Insekt) – Grille (Laune)
Als Hauptwerke Matthias Grünewalds gelten die Gemälde des Isenheimer
Altars (vollendet 1511 oder 1515).
| § 87 |
Mit Klammern kann man neben einzelnen Ganzsätzen
insbesondere auch größere Textteile einschließen und auf diese Weise
als selbständige Texteinheit kennzeichnen. |
Sie betonte, dass sie für den Erfolg garantieren
könne. (Ich weiß es noch ganz genau, da ich mir das notiert hatte. Und
ich habe ihr diese Notiz auch gezeigt.) Aber heute will sie nichts mehr
davon wissen.
| § 88 |
Ausrufe- oder Fragezeichen, die zum Zusatz oder
Nachtrag in Klammern gehören, setzt man vor die abschließende Klammer. |
Ist der Zusatz oder Nachtrag in einen anderen Satz
einbezogen, so lässt man seinen Schlusspunkt weg; wird er als Ganzsatz
oder als selbständige Texteinheit verstanden, so setzt man den
Schlusspunkt.
Satzzeichen, die zum einschließenden Satz gehören und
daher auch bei
Weglassen des Zusatzes oder Nachtrags stehen müssten, dürfen nicht
weggelassen werden.
Das geliehene Buch (du hast es schon drei Wochen!)
hast
du mir noch nicht zurückgegeben. Er hat das (erinnerst du dich nicht?)
gestern gesagt.
Damit wäre dieses Thema vorerst erledigt (weitere Angaben siehe Seite
145).
Damit wäre dieses Thema vorerst erledigt. (Weitere Angaben siehe Seite
145.)
Er sagte (dabei senkte er seine Stimme), dass das nicht alle wissen
müssten.
„Der Staat bin ich” (Ludwig der Vierzehnte).
3 Anführung von Äußerungen oder
Textstellen bzw. Hervorhebung von Wörtern oder Textstellen:
Anführungszeichen
| § 89 |
Mit Anführungszeichen schließt man etwas
wörtlich Wiedergegebenes ein. |
Dies betrifft
(1) wörtlich wiedergegebene Äußerungen (direkte Rede):
„Es ist unbegreiflich, wie ich das hatte vergessen
können”, sagte sie. „Immer muss ich arbeiten!”, seufzte sie. „Dass ich
immer arbeiten muss!”, seufzte sie. Er fragte: „Kommst du morgen?”
„Kommst du morgen?”, fragte er. Er fragte: „Kommst du morgen?”, und
verabschiedete sich. „Du siehst”, sagte die Mutter, „recht gut aus.”
„Wir haben die feste Absicht, die Strecke stillzulegen”, erklärte der
Vertreter der Bahn, „aber die Entscheidung der Regierung steht noch
aus.”
Dies gilt auch für Beispiele wie:
„Das war also Paris!”, dachte Frank. „Deine
Vermutung
könnte schon zutreffen”, lächelte sie.
(2) wörtlich wiedergegebene Textstellen (Zitate):
Über das Ausscheidungsspiel berichtete ein
Journalist:
„Das Stadion glich einem Hexenkessel. Das Publikum stürmte auf das
Spielfeld und bedrohte den Schiedsrichter.”
Zum Doppelpunkt siehe § 81(1).
| § 90 |
Satzzeichen, die zum wörtlich Wiedergegebenen
gehören, setzt man vor das abschließende Anführungszeichen;
Satzzeichen, die zum Begleitsatz gehören, setzt man nach dem
abschließenden Anführungszeichen. |
Im Einzelnen gilt:
| § 91 |
Sowohl der angeführte Satz als auch der
Begleitsatz behalten ihr Ausrufe- oder Fragezeichen. |
„Du kommst jetzt!”, rief sie. „Kommst du morgen?”,
fragte er. Du solltest ihm sagen: „Ich kann das auf keinen Fall
akzeptieren”! Hast du gesagt: „Ich kann das auf keinen Fall
akzeptieren”? Sag ihm: „Ich habe keine Zeit!”! Fragtest du: „Wann
beginnt der Film?”?
| § 92 |
Beim angeführten Satz lässt man den Schlusspunkt
weg, wenn er am Anfang oder im Innern des Ganzsatzes steht.
Beim Begleitsatz lässt man den Schlusspunkt weg, wenn der angeführte
Satz oder ein Teil von ihm am Ende des Ganzsatzes steht. |
„Ich komme morgen”, versicherte sie. Sie sagte: „Ich
komme gleich wieder”, und holte die Unterlagen.
Die Bahn erklärte: „Wir haben die feste Absicht, die Strecke
stillzulegen.” Sie versicherte: „Ich komme morgen!” Er rief: „Du kommst
jetzt!” Er fragte: „Kommst du?” „Komm bitte”, sagte er, „morgen
pünktlich.”
| § 93 |
Folgt nach dem angeführten Satz der Begleitsatz
oder ein Teil von ihm, so setzt man nach dem abschließenden
Anführungszeichen ein Komma.
Ist der Begleitsatz in den angeführten Satz eingeschoben, so schließt
man ihn mit paarigem Komma ein. |
„Ich komme gleich wieder”, versicherte sie. „Komm
bald wieder!”, rief sie. „Wann kommst du wieder?”, rief sie. Sie sagte:
„Ich komme gleich wieder”, und holte die Unterlagen. Sie fragte:
„Brauchen Sie die Unterlagen?”, und öffnete die Schublade.
„Ich werde”, versicherte sie, „bald wiederkommen.” „Kommst du
wirklich”, fragte sie, „erst morgen Abend?”
| § 94 |
Mit Anführungszeichen kann man Wörter oder Teile
innerhalb eines Textes hervorheben und in bestimmten Fällen deutlich
machen, dass man zu ihrer Verwendung Stellung nimmt, sich auf sie
bezieht. |
Dies betrifft
(1) Überschriften, Werktitel (etwa von Büchern und
Theaterstücken),
Namen von Zeitungen und dergleichen:
Sie las den Artikel „Staatliche Schulen testen
Einheitskleidung” im „Spiegel”. Sie liest Heinrich Bölls Roman „Wo
warst du, Adam?”. Kennst du den Roman „Wo warst du, Adam?”? Wir lesen
gerade den „Kaukasischen Kreidekreis” von Brecht.
Zur Groß- und Kleinschreibung siehe § 53 E2.
(2) Sprichwörter, Äußerungen und dergleichen, zu denen
man
kommentierend Stellung nehmen will:
Das Sprichwort „Eile mit Weile” hört man oft.
„Aller
Anfang ist schwer” ist nicht immer ein hilfreicher Spruch.
Sein kritisches „Der Wein schmeckt nach Essig” ärgerte den Kellner. Ihr
bittendes „Kommst du morgen?” stimmte mich um. Seine ständige
Entschuldigung „Ich habe keine Zeit!” ist wenig glaubhaft. Mich nervt
sein dauerndes „Ich kann nicht mehr!”.
Textteile dieser Art werden nicht mit Komma abgegrenzt.
Im Übrigen gilt
§ 90 bis § 92.
(3) Wörter oder Wortgruppen, über die man eine Aussage
machen will:
Das Wort „fälisch” ist gebildet in Anlehnung an
West„falen”. Der Begriff „Existenzialismus” wird heute vielfältig
verwendet. Alle seine Freunde nannten ihn „Dickerchen”. Die Präposition
„ohne” verlangt den Akkusativ.
(4) Wörter oder Wortgruppen, die man anders als sonst –
etwa ironisch
oder übertragen – verstanden wissen will:
Und du willst ein „treuer Freund” sein? Für diesen
„Liebesdienst” bedanke ich mich. Er bekam wieder einmal seine „Grippe”.
Sie sprang diesmal „nur” 6,60 Meter.
| § 95 |
Steht in einem Text mit Anführungszeichen etwas
ebenfalls Angeführtes, so kennzeichnet man dies durch die so genannten
halben Anführungszeichen. |
Die Zeitung schrieb: „Die Bahn hat bereits im
Frühjahr erklärt: ‚Wir haben die feste Absicht, die Strecke
stillzulegen’, und sie hat das auf Anfrage gestern noch einmal
bestätigt.” „Das war ein Satz aus Bölls ‚Wo warst du, Adam?’, den viele
nicht kennen”, sagte er.
4 Markierung von Auslassungen
4.1 Apostroph
Mit dem Apostroph zeigt man an, dass man in einem Wort
einen Buchstaben
oder mehrere ausgelassen hat.
Zu unterscheiden sind:
| a) |
Gruppen, bei denen man den Apostroph setzen muss
(siehe § 96), |
| b) |
Gruppen, bei denen der Gebrauch des Apostrophs
dem Schreibenden freigestellt ist (siehe § 97). |
| § 96 |
Man setzt den Apostroph in drei Gruppen von
Fällen. |
Dies betrifft
(1) Eigennamen, deren Grundform (Nominativform) auf
einen s-Laut
(geschrieben: -s, -ss, -ß, -tz, -z, -x, -ce) endet, bekommen im
Genitiv den Apostroph, wenn sie nicht einen Artikel, ein
Possessivpronomen oder dergleichen bei sich haben:
Aristoteles’ Schriften, Carlos’ Schwester, Ines’
gute
Ideen, Felix’ Vorschlag, Heinz’ Geburtstag, Alice’ neue Wohnung
E1: Aber ohne Apostroph: die Schriften des
Aristoteles, die
Schwester des Carlos, der Geburtstag unseres kleinen Heinz
E2: Der Apostroph steht auch, wenn -s, -z, -x
usw. in der
Grundform stumm sind: Cannes’ Filmfestspiele, Boulez’ bedeutender
Beitrag, Giraudoux’ Werke
(2) Wörter mit Auslassungen, die ohne Kennzeichnung
schwer lesbar oder
missverständlich sind:
In wen’gen Augenblicken ... ’s ist schade um ihn.
Das
Wasser rauscht’, das Wasser schwoll.
(3) Wörter mit Auslassungen im Wortinneren wie:
D’dorf (= Düsseldorf), M’gladbach (=
Mönchengladbach),
Ku’damm (= Kurfürstendamm)
| § 97 |
Man kann den Apostroph setzen, wenn Wörter
gesprochener Sprache mit Auslassungen bei schriftlicher Wiedergabe
undurchsichtig sind. |
der Käpt’n, mit’m Fahrrad
Bitte, nehmen S’ (= Sie) doch Platz! Das war ’n (= ein) Bombenerfolg!
E: Von dem Apostroph als Auslassungszeichen zu
unterscheiden ist der
gelegentliche Gebrauch dieses Zeichens zur Verdeutlichung der Grundform
eines Personennamens vor der Genitivendung -s oder vor dem
Adjektivsuffix -sch:
Carlo’s Taverne, Einstein’sche Relativitätstheorie
Zur Schreibung der adjektivischen Ableitungen von
Personennamen auf -sch
siehe auch § 49 und § 62.
4.2 Ergänzungsstrich
| § 98 |
Mit dem Ergänzungsstrich zeigt man an, dass in
Zusammensetzungen oder Ableitungen einer Aufzählung ein gleicher
Bestandteil ausgelassen wurde, der sinngemäß zu ergänzen ist. |
Zum Bindestrich wie in A-Dur siehe § 40ff.
Dies betrifft
(1) den letzten Bestandteil:
Haupt- und Nebeneingang (= Haupteingang und
Nebeneingang); Eisenbahn-, Straßen-, Luft- und Schiffsverkehr; vitamin-
und eiweißhaltig, saft- und kraftlos, ein- und ausladen
Natur- und synthetische Gewebe, Standard- und individuelle Lösungen;
fertig- und zuwege bringen; (in umgekehrter Abfolge:) synthetische
und Naturgewebe, individuelle und Standardlösungen; zuwege und
fertigbringen
(2) den ersten Bestandteil:
Verkehrslenkung und -überwachung (= Verkehrslenkung
und
Verkehrsüberwachung); Schulbücher, -hefte, -mappen und -utensilien;
heranführen oder -schleppen, bergauf und -ab
Mozart-Symphonien und -Sonaten (= Mozart-Symphonien und Mozart-Sonaten)
(3) den letzten und den ersten Bestandteil:
Textilgroß- und -einzelhandel (= Textilgroßhandel
und
Textileinzelhandel), Eisenbahnunter- und -überführungen
Werkzeugmaschinen-Import- und -Exportgeschäfte
4.3 Auslassungspunkte
| § 99 |
Mit drei Punkten (Auslassungspunkten) zeigt man
an, dass in einem Wort, Satz oder Text Teile ausgelassen worden sind. |
Du bist ein E...! Scher dich zum ...!
„... ihm nicht weitersagen”, hörte er ihn gerade noch sagen. Der
Horcher an der Wand ...
Vollständiger Text:
In einem Buch heißt es: „Die zahlreichen Übungen
sind
konkret auf das abgestellt, was vorher behandelt worden ist. Sie
liefern in der Regel Material, mit dem selbst gearbeitet und an dem
geprüft werden kann, ob das, was vorher dargestellt wurde, verstanden
worden ist oder nicht. Die im Anhang zusammengestellten Lösungen machen
eine unmittelbare Kontrolle der eigenen Lösungen möglich.”
Mit Auslassung:
In einem Buch heißt es: „Die ... Übungen ...
liefern ...
Material, mit dem selbst gearbeitet ... werden kann ... Die ...
Lösungen machen eine ... Kontrolle ... möglich.”
| § 100 |
Stehen die Auslassungspunkte am Ende eines
Ganzsatzes, so setzt man keinen Satzschlusspunkt. |
Ich habe die Nase voll und ...
Diese Szene stammt doch aus dem Film „Die Wüste lebt” ...
Mit „Es war einmal ...” beginnen viele Märchen.
Viele Märchen beginnen mit den Worten: „Es war einmal ...”
Aber: Verflixt! Ich habe die Nase voll und ...!
5 Kennzeichnung der Wörter bestimmter
Gruppen
5.1 Punkt
| § 101 |
Mit dem Punkt kennzeichnet man bestimmte
Abkürzungen (abgekürzte Wörter). |
Dies betrifft Fälle wie:
Tel. (= Telefon), Ztr. (= Zentner), v. (= von), Bd.
(=
Band), Bde. (= Bände), Ms. (= Manuskript), Jg. (= Jahrgang), Jh. (=
Jahrhundert), Jh.s (= des Jahrhunderts), f. (= folgende Seite), ff. (=
folgende Seiten); lfd. Nr. (= laufende Nummer), z. B. (= zum Beispiel),
u. A. w. g. (= um Antwort wird gebeten); Weißenburg i. Bay. (=
Weißenburg in Bayern), Bad Homburg v. d. H. (= Bad Homburg vor der
Höhe); Reg.-Rat (= Regierungsrat), Masch.-Schr. (= Maschinenschreiben);
Abt.-Leiter (= Abteilungsleiter), Rechnungs-Nr. (= Rechnungsnummer);
Tsd. (= Tausend), Mio. (= Million(en)), Mrd. (= Milliarde(n))
Dr. med., stud. med., stud. phil., a. D., h. c.
| § 102 |
Bestimmte Abkürzungen, Kurzwörter und
dergleichen stehen üblicherweise ohne Punkt. |
Dies betrifft
(1) Abkürzungen, die national oder international
festgelegt sind, wie
etwa Abkürzungen
(1.1) für Maße in Naturwissenschaft und Technik nach dem
internationalen Einheitensystem:
m (= Meter), g (= Gramm), km/h (= Kilometer pro
Stunde),
s (= Sekunde), A (= Ampere), Hz (= Hertz)
(1.2) für Himmelsrichtungen:
NO (= Nordost), SSW (= Südsüdwest)
(1.3) für bestimmte Währungsbezeichnungen:
EUR (= Euro)
(2) so genannte Initialwörter und Kürzel:
BGB (= Bürgerliches Gesetzbuch), TÜV (= Technischer
Überwachungsverein), Na (= Natrium; so alle chemischen Grundstoffe);
des Pkw(s), die EKG(s), Kfz-Papiere, FKKler, U-Bahn
E1: Ohne Punkt stehen teilweise auch fachsprachliche
Abkürzungen wie:
RücklVO (= Rücklagenverordnung), LArbA (=
Landesarbeitsamt)
E2: In einigen Fällen gibt es Doppelformen.
Co./Co (ko) (= Companie), M. d. B./MdB (= Mitglied
des
Bundestages), G.m.b.H./GmbH (= Gesellschaft mit beschränkter Haftung);
WW/Wirk. Wort (= Wirkendes Wort; Titel einer Zeitschrift), AA/Ausw. Amt
(= Auswärtiges Amt)
| § 103 |
Am Ende eines Ganzsatzes setzt man nach
Abkürzungen nur einen Punkt. |
Sein Vater ist Regierungsrat a. D.
Aber: Ist sein Vater Regierungsrat a. D.?
| § 104 |
Mit dem Punkt kennzeichnet man Zahlen, die in
Ziffern geschrieben sind, als Ordinalzahlen. |
der 2. Weltkrieg, der II. Weltkrieg; Sonntag, den 20.
November; Friedrich II., König von Preußen; die Regierung Friedrich
Wilhelms III. (des Dritten)
| § 105 |
Am Ende eines Ganzsatzes setzt man nach
Ordinalzahlen, die in Ziffern geschrieben sind, nur einen Punkt. |
Der König von Preußen hieß Friedrich II.
Aber: Wann regierte Friedrich II.?
5.2 Schrägstrich
| § 106 |
Mit dem Schrägstrich kennzeichnet man, dass
Wörter (Namen, Abkürzungen), Zahlen oder dergleichen zusammengehören. |
Dies betrifft
(1) die Angaben mehrerer (alternativer) Möglichkeiten im Sinne einer
Verbindung mit und, oder, bzw., bis oder dergleichen:
die Schüler/Schülerinnen der Realschule, das
Semikolon/der Strichpunkt als stilistisches Zeichen,
Männer/Frauen/Kinder; Abfahrt vom Dienstort/Wohnort, die
Rundfunkgebühren für Januar/Februar/März, Montag/Dienstag,
Wien/Heidelberg 1996, September/Oktober-Heft (auch September-Oktober-Heft;
siehe § 44)
die Koalition CDU/FDP, die SPÖ/ÖVP-Koalition
das Wintersemester 2005/06, am 9./10. Dezember 2005
(2) die Gliederung von Adressen, Telefonnummern,
Aktenzeichen,
Rechnungsnummern, Diktatzeichen und dergleichen:
Linzer Straße 67/I/5-6, 0621/1581-0, Az III/345/5,
Re-Nr
732/24, me/la
(3) die Angabe des Verhältnisses von Zahlen oder Größen
im Sinne einer
Verbindung mit je/pro:
im Durchschnitt 80 km/h, 1000 Einwohner/km²
F Worttrennung am Zeilenende
Die Worttrennung am Zeilenende dient dazu, den
vorhandenen Platz
bei einem geschriebenen Text optimal zu nutzen. Getrennt werden
können nur mehrsilbige Wörter.
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§ 107
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Mehrsilbige Wörter kann man am Ende einer Zeile
trennen. Dabei stimmen die Grenzen der Silben, in die man die
geschriebenen Wörter bei langsamem Vorlesen zerlegen kann, gewöhnlich
mit den Trennstellen überein.
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Beispiele:
Bau-er, Ei-er, steu-ern, na-iv, Mu-se-um,
in-di-vi-du-ell;
eu-ro-pä-i-sche, Ru-i-ne, na-ti-o-nal, Fa-mi-li-en; Haus-tür,
Be-fund, ehr-lich
E1: Einzelne Vokalbuchstaben am Wortanfang oder -ende
werden nicht
abgetrennt, auch nicht bei Komposita, zum Beispiel: Abend, Kleie,
Ju-li-abend, Bio-müll
E2: Irreführende Trennungen bzw. Trennungen, die beim
Lesen die
Sinnerfassung stören, sollten vermieden werden, zum Beispiel:
An-alphabet (nicht: Anal-phabet),
Sprech-erziehung
(nicht: Sprecher-ziehung),
Ur-instinkt (nicht: Urin-stinkt)
1 Trennung zusammengesetzter und
präfigierter
Wörter
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§ 108
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Zusammensetzungen und Wörter mit Präfix trennt man
zwischen den einzelnen Bestandteilen.
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Beispiele:
Heim-weg, Schul-hof, Week-end; Ent-wurf, Er-trag,
Ver-lust,
voll-enden, Dia-gramm, Re-print, syn-chron, Pro-gramm, At-traktion,
kom-plett, In-stanz
2 Trennung mehrsilbiger einfacher und
suffigierter Wörter
Bei der Trennung mehrsilbiger einfacher und suffigierter
Wörter
treten folgende Fälle auf:
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–
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es steht kein Konsonantenbuchstabe an der
Silbengrenze: Bauer, Eier, Pleuel (siehe § 109)
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–
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es stehen ein oder mehrere Konsonantenbuchstaben
an der Silbengrenze: Liebe, Heimat, eigen; atmen, Berge, knusprig
(siehe § 110 bis § 112)
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§ 109
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Zwischen Vokalbuchstaben, die zu verschiedenen
Silben gehören, kann getrennt werden.
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Beispiele:
Bau-er, Ei-er, europä-ische, Famili-en, Foli-en,
freu-en,
individu-ell, Knäu-el, klei-ig, Lai-en, Mani-en, Muse-um, na-iv,
nati-onal, re-ell, Ru-ine, Spi-on, steu-ern
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§ 110
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Steht in einfachen oder suffigierten Wörtern
zwischen Vokalbuchstaben ein einzelner Konsonantenbuchstabe, so kommt
er bei der Trennung auf die neue Zeile. Stehen mehrere
Konsonantenbuchstaben dazwischen, so kommt nur der letzte auf die neue
Zeile.
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Beispiele:
Au-ge, Bre-zel, He-xe, bei-ßen, Rei-he;
Trai-ning,
trau-rig, nei-disch, Hei-mat;
El-tern, Gar-be, Hop-fen, ros-ten,
Wüs-te, leug-nen, sin-gen, sin-ken, sit-zen, Städ-te; Bag-ger,
Wel-le, Kom-ma, ren-nen, Pap-pe, müs-sen, beis-sen (wenn ss
statt ß, vgl. § 25 E2 und E3), Drit-tel;
zän-kisch,
Ach-tel, Rech-ner, ber-gig, wid-rig, eif-rig, Ar-mut, freund-lich,
sechs-te;
imp-fen, Karp-fen, dunk-le;
knusp-rig, Kanz-ler
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§ 111
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Stehen Buchstabenverbindungen wie ch, sch; ph,
rh, sh oder th für einen Konsonanten, so trennt man
sie nicht. Dasselbe gilt für ck.
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Beispiele:
la-chen, wa-schen, Deut-sche; Sa-phir, Myr-rhe,
Fa-shion,
Zi-ther; bli-cken, Zu-cker
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§ 112
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In Fremdwörtern können die Verbindungen aus
Buchstaben für einen Konsonanten + l, n oder r entweder
entsprechend § 110 getrennt werden, oder sie kommen ungetrennt auf die
neue Zeile.
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Beispiele
nob-le/no-ble, Zyk-lus/Zy-klus, Mag-net/Ma-gnet,
Feb-ruar/Fe-bruar, Hyd-rant/Hy-drant, Arth-ritis/Ar-thritis
3 Besondere Fälle
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§ 113
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Wörter, die sprachhistorisch oder von der
Herkunftssprache her gesehen Zusammensetzungen oder Präfigierungen
sind, aber nicht mehr als solche empfunden oder erkannt werden, kann
man entweder nach § 108 oder nach § 109 bis § 112 trennen.
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Beispiele:
hin-auf/hi-nauf, her-an/he-ran, dar-um/da-rum,
war-um/wa-rum;
Chrys-antheme/Chry-santheme, Hekt-ar/Hek-tar,
Heliko-pter/Helikop-ter, inter-essant/inte-ressant,
Lin-oleum/Li-noleum, Päd-agogik/Pä-dagogik
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Dierser Text ist als PDF
abrufbar bei www.ids-mannheim.de/service/reform/
oder www.rechtschreibrat.com
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- Ende des
Regelwerkes im PDF-Dokument: Seite 106.
- Es folgt dann als
weiteres
PDF-Dokument das Wörterverzeichnis, mit der Seitenzahl 107
beginnend. Siehe hier: Wörterverzeichnis /
Wortverzeichnis zur
Rechtschreibereform http://www.ich-der-lektor.de/rechtschreibung-wort-woerter.htm
Siehe
auch nur für die Paragrafen: http://www.ich-der-lektor.de/die-113-gueltigen-paragrafen-der-rechtschreibereform.htm
Siehe
auch: www.artikel-lexikon.de www.plural-lexikon.de www.singular-lexikon.de www.nominativ-lexikon.de
www.genitiv-lexikon.de www.dativ-lexikon.de www.akkusativ-lexikon.de
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